Schweizer Meisterschaft 2006
Beim Aussteigen aus dem Auto auf ca. 1400 Metern über Meer wurden wir vom starken Rauschen eines kräftigen und böigen Windes empfangen: gerade von oben nach unten — gerader geht gar nicht — blies der Wind vom Möntschelenspitz ins Stockental.
Auf der Stirn von Toni Humbel von der MG Westamt-Uetendorf, von Natur aus Optimist, breiteten sich Sorgenfalten aus: Kanns denn sein, dass ausgerechnet die 25. Ausgabe des traditionellen Hangflugwettbewerbs auf der Möntschelenalp diesem äusserst starken Abwind zum Opfer fällt ...?!?
Die Sorgen waren unbegründet: Kurz nach dem Breefing konnte geflogen werden. Die sehr wechselhaften Bedingungen konnten routinierte Möntschelen-Cracks nicht sehr beunruhigen: In den vergangenen Jahren hatte man in diesem Fluggelände nicht selten mit wechselhaften Flugbedingungen zu kämpfen. Dies ist einerseits nicht gerade angenehm, wenn man während schwierigen Bedingungen fliegen muss. Andererseits macht vielleicht gerade dies einen grossen Teil des Reizes dieser Flugdisziplin aus; die Erfolge können nicht erkauft werden. Neben einem guten Fluggerät sind Taktik, fliegerisches Können und ab und zu halt noch eine Prise Glück nötig, um in einem Teilnehmerfeld mit einer grossen Leistungsdichte ein gutes Resultat erfliegen zu
können. Im Verlauf des Wettbewerbs konnten doch zahlreiche sehr spannende Flüge beobachtet werden; mir bleibt jedenfalls der Wettflug zwischen Sacha Däppen, dem letztjährigen Schweizer Meister, und Res Böhlen, dem amtierenden Weltmeister in F3B, in bester Erinnerung! Mit Paul Böhlen wurde derjenige Pilot verdientermassen Schweizer Meister, der an 23 von insgesamt 25 durchgeführten Wettbewerben teilgenommen hat und immer wieder durch sehr gute Resultate aufgefallen ist! Die MG-WU überraschte die Piloten mit den zahlreichsten Teilnahmen am Möntschelenwettbewerb mit einem Fluggutschein! Eine sehr schöne Geste! «Merci viu Mau!»
Trotz einem einmal mehr schönen, unvergesslichen Tag auf der Möntschelenalp bleibt für mich eine «Schattenseite», welche mich nachdenklich stimmt: Für mich ist es sehr erstaunlich, dass diese spannende Disziplin RCS-Hang dermassen ums Überleben kämpfen muss; die Teilnehmerzahlen schrumpfen — langsam zwar —, aber sie schrumpfen stetig ...!!! Bereits mit einfachen Segelflugmodellen könnte man an einem freundschaftlichen Wettfliegen teilnehmen, das durch Spannung sowohl für die Piloten wie auch für die Zuschauerinnen und Zuschauer wie auch durch ein faires Reglement geprägt ist. Es nützt letztlich nichts, wenn mit der MG West-
amt-Uetendorf eine der kleinsten Modellfluggruppen diesen personalaufwendigen Wettbewerb Jahr für Jahr organisiert und uns Modellpiloten eine sehr gute Infrastruktur anbietet, wenn wir dieses Angebot nicht nützen! In diesem Sinne wünschte ich der MG Westamt-Uetendorf und allen interessierten Piloten ein grösseres Teilnehmerfeld, welches das Überleben dieser spannenden Disziplin in einer wunderschönen Umgebung unter geschätzten Kameraden sichern würde ...! Ich freue mich jedenfalls auf das nächste spannende Kräftemessen auf der «Möntschelenalp» ...!


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