Editorial

WEISCH, WAS I MEINE IM LAND DES LÄCHELNS

von Emil Giezendanner
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Liebe Modellfliegerinnen und Modellflieger


Gemeint ist diesmal nicht die Operette von Franz Lehár. Mich stört, dass man in Politik und Gesellschaft zu oft echte Probleme mit einem «unechten» Lächeln abtut. Auch das Lächeln auf den Wahlplakaten wirkt nicht immer vertrauensweckend. Die Krawatte ist verschwunden, aber das Lächeln geblieben. Selbst nach zweistündigen Versuchen vor dem Spiegel ist es mir nicht gelungen, das standardisierte Lächeln nur annähernd nachahmen zu können. Auch in der mehrstufigen Organisation von uns Aviatikern wird berechtigte Kritik oftmals mit Lächeln quittiert. Denn eigentlich sind wir harmoniesüchtig und dulden viel zu oft Halbbatziges. Dagegen ist nichts Grundsätzliches einzuwenden.


Doch irgendwann müssen wir die Probleme beim Namen nennen. Das sind nicht ganz einfache Situationen. Wenn Amtsträger spüren, dass da jemand an ihrem Lack zu kratzen versucht, haben noch so diplomatische Kritiker einen schweren Stand. Sie ziehen den Kopf ein, nicht ohne ein gequältes


Lächeln. Verhandlungen mit Behörden will ich hier ganz besonders erwähnen. «Sind ja alle so nett ...» (Franz Hohler). Aber es gibt keine Fortschritte. Beide Parteien lächeln freundlich, ohne unserem Verhandlungsziel auch nur ein bisschen näher zu kommen. Hier gilt es, Ruhe zu bewahren, die Forderungen klar zu positionieren und das – falls nötig – bis in höchste Instanzen unseres politischen Systems zu tragen. In Neuhochdeutsch könnte das etwa mit «political bargaining» bezeichnet werden. Könnte gut sein, dass da und dort das Lächeln fehlen wird oder einfriert. Ich wünsche uns für jeden Kampf gegen hoffentlich nicht kommende Unannehmlichkeiten viel Glück. ■

Freundliche Grüsse
Emil Ch. Giezendanner



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