Magazin

Expertentipps rund um LiPo-Akkus

9

«Modellflieger setzt Feld in Brand» ... Solche und ähnliche Meldungen finden immer wieder den Weg in die Presse. Wie gefährlich sind Lithium-Ionen-Akkus wirklich? Dieter Offenthaler, Geschäftsführer der Batrec Industrie AG, erklärt im Interview, was es im Umgang mit den Akkus zu beachten gibt.


Herr Offenthaler, wie sicher sind Lithium-Ionen-Akkus, zu denen auch Lithium-Polymer-Akkus zählen?

Dieter Offenthaler: Bei korrekter Handhabung sind Lithium-Ionen-Akkus ungefährlich. Ich empfehle, stets Akkus von namhaften Herstellern zu kaufen. Denn eine rigorose und kompromisslose Qualitätskontrolle der Akkus und der Produktion ist ein absolutes Muss. Bei Markenherstellern kann man davon ausgehen, dass sie höchste Standards anwenden, um Reputationsschäden zu verhindern.

Warum können Lithium-Ionen-Akkus überhaupt in Brand geraten?

In den Lithium-Ionen-Akkus ist der Elektrolyt – im Gegensatz zu anderen Batterien mit einem Elektrolyten auf Wasserbasis – brennbar. Der Separator – eine teilweise durchlässige Kunststoffolie – trennt die Kathode (Aluminium) und die Anode (Kupfer) einer Zelle, nur die Lithium-Ionen passen hindurch. Wird nun dieser Separator beschädigt, z.B. durch grosse Hitze, Durchstechen oder Zerquetschen des Akkus, kommt es zu einem Kurzschluss; elektrischer Strom fliesst widerstandslos zwischen den Polen. Dadurch erhitzt sich der Akku und der Elektrolyt gerät in Brand. Schliesslich zerstört die Hitze den Separator der nächsten Zelle und in einer Kettenreaktion entzündet sich eine Zelle nach der anderen.

Was gibt es im Umgang mit LiPos zu beachten?

Was die Akkus gar nicht mögen, ist Hitze – beispielsweise an einem sonnigen Tag hinter der Windschutzscheibe – und mechanische Einflüsse wie Stösse. Auf keinen Fall dürfen die Akkus zerlegt werden. Zum Laden darf nur das für diesen LiPo zugelassene Ladegerät verwendet werden und der Akku sollte vom Strom genommen werden, sobald er voll ist.

Wie lagere ich meinen Akku wenn ich ihn zum Beispiel über den Winter längere Zeit nicht brauche?


Zur Person

Dieter Offenthaler ist Geschäftsleiter der Batrec Industrie AG in Wimmis. Das Unternehmen nimmt Batterien und Akkus, die in der Schweiz gesammelt werden, entgegen. «Normale» Gerätebatterien werden vor Ort recycelt, Lithium-Ionen-Akkus werden für das Recycling vorbereitet. In einem Schwesterwerk in Frankreich werden aus den Akkus anschliessend wertvolle Rohstoffe wie Kobalt, Nickel oder Kupfer zurückgewonnen. www.batrec.ch



Bewahren Sie den Akku an einem trockenen, frostfreien Ort auf. Am besten ist, ihn etwa zur Hälfte zu laden. So wird eine Tiefentladung verhindert, wenn sich der Akku mit der Zeit selbst entlädt. Kontrollieren Sie den Akkustand auch zwischendurch einmal und laden sie ihn bei Bedarf wieder auf ein mittleres Niveau nach. Wenn Sie einen Akku nach längerem Gebrauch wieder aufladen, sollte dies unter Aufsicht geschehen.

Sind feuerfeste Behälter für die Lagerung sinnvoll?
Grundsätzlich ja. Diese Behälter benötigen aber unbedingt eine Entlüftung, dürfen also keinesfalls gasdicht sein, damit es im Brandfall zu keinem gefährlichen Druckanstieg im Behälter kommen kann. Das Gas



wird so zudem von der Zündquelle – dem Akku – getrennt, was die Brandgefahr weiter verringert. Für LiPos sind im Handel feuerfeste Sicherheitstaschen erhältlich, welche diese Bedingungen erfüllen. Diese sind sicher zu empfehlen.

Im Fall des Falles – was tun, wenn der Akku raucht oder Feuer fängt?

Wenn es geht, legen Sie den Akku in ein grosses Gefäss mit Wasser – idealerweise nicht aus Kunststoff. Er muss vollständig bedeckt sein. Dort lassen Sie den Akku einige Tage im Freien stehen. Für den Abtransport eines solchen Akkus sollten Sie sich an die Notfallnummer von INOBAT wenden: www.inobat.ch/notfall. Können Sie den Akku nicht mehr anfassen, dann löschen Sie ihn mit Wasser, einem Feuerlöscher oder einer Löschdecke. Sind die Flammen erstickt, legen Sie den Akku ebenfalls in ein Gefäss mit Wasser und gehen vor, wie oben beschrieben. Eine schlechte Idee ist es also nicht, während des intensiven Flugbetriebs ein Gefäss mit Wasser zur Hand zu haben.

Bei welchen Anzeichen ist mit Lithium-Ionen-Akkus Vorsicht geboten?

Es gibt verschiedene Anzeichen, dass ein Akku Probleme hat und deshalb umgehend an eine bediente Sammelstelle übergeben werden muss.

  1. Der Akku ist gebläht. Dies weist darauf hin, dass es im Inneren zu einer chemischen Reaktion – meist aufgrund von Feuchtigkeit – gekommen ist. Bei den Lithium-Polymer-Akkus sieht man eine Blähung schnell.
  2. Der Akku hat äusserlich sichtbare Schäden, zum Beispiel Dellen, Risse usw.
  3. Er weist einen deutlichen Leistungsabfall auf.
  4. Der Akku wird im Gebrauch oder beim Laden extrem heiss.


  1. Riecht man sogar einen Gasgeruch am Akku oder tritt eine Flüssigkeit aus, dann gilt es, keine Zeit zu verlieren.

Stellen Sie eines dieser Zeichen fest, darf der Akku nicht mehr weiterverwendet und schon gar nicht aufgeladen werden. Kleben Sie die Pole ab, um ihn gegen Kurzschluss zu sichern, und verpacken Sie ihn in einen Plastiksack. Bringen Sie den Akku zeitnah an eine bediente Sammelstelle für die fachgerechte Entsorgung.


INOBAT-Merkblatt zu LiPos

Ein neues Merkblatt von INOBAT informiert Modellflug- und Drohnenpilot/-innen über die sichere Entsorgung von LiPos. Das Merkblatt kann auf der Website heruntergeladen werden: www.inobat.ch, Menü Infomaterial.




Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙