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Scale – das Flugzeugmodell

von Dr. Helmut Ziegler
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Die Unzulänglichkeiten der zu groben Punktabstufung bei der Baubewertung für Vorbildtreue wurde beseitigt. Auf Antrag der Unterkommission wurde sogar der über unseren Antrag noch hinausgehende Beschluss gefasst, dass die Bewertung nicht mehr von 0 bis 10 in ganzen Zahlen, sondern in Bruchteilen ganzer Zahlen (ähnlich wie beim Eiskunstlauf), also von 0,1 bis 9,9, über praktisch hundert Bruchteile erfolgen kann. Damit wird es möglich, jedes Detail wirklich genau zu bewerten, was vor allem im Bereich zwischen 90 und 100 Prozent Vorbildtreue sehr wichtig ist.


Für die Bewertung des Flugprogrammes wurde die wichtige Änderung beschlossen, dass die Flugpunkte nicht, wie bisher, durch den festen Faktor 0,62 in ein vernünftiges Verhältnis zu der Baubewertung gebracht werden sollen. Es wurde dafür ein Faktor eingeführt, der den Grad der Vorbildtreue direkt mit der Bewertung des Flugprogrammes koppelt. Ein Modell, das eine sehr hohe Vorbildtreue aufweist, bekommt nach diesem System einen Faktor, der maximal 1 sein kann (100 Prozent Vorbildtreue). Je geringer die Vorbildtreue ist, um so geringer wird der Faktor, mit dem die Flugpunkte multipliziert werden.



Das beseitigt die Benachteiligung, die bisher schlecht fliegende aber sehr vorbildgetreue Modelle traf, gegenüber den nur halb oder weniger vorbildgetreuen, dafür aber gut fliegenden oder fliegbaren Modellen.


Natürlich erlaubt dieser neue Faktor auch,

F = \frac{erreichte Punktzahl für Vorbildtreue (max. 250) \times 4}{1000}

sich beim Bau auszurechnen, wieviel man von der Vorbildtreue zur Erzielung besserer Flugeigenschaften abweichen darf, ohne Punktverluste zu haben, oder gar einen Punktgewinn zu erzielen, wenn nämlich ein relativ geringfügiger Punktverlust bei der Vorbildtreue einen grossen Zuwachs an Flugfähigkeit bringt.


Der Faktor erscheint vielleicht manchem im ersten Moment etwas kompliziert, mathematisch gesehen ist es aber eine ganz einfache Prozentrechnung. F ist nichts anderes als der Prozentsatz der Vorbildtreue. Diese Neuerung sollte auch dazu beitragen, dass die unter Umständen etwas benachteiligten Oldtimer-Modelle (aus der Zeit vor 1914) bessere Chancen bekommen, obwohl der deutsche Antrag auf Egalisierung der Optionen und Ausarbeitung weiterer Optionen für Oldtimer nicht angenommen wurde.



Ein heisses Eisen war, international gesehen, der vom DAeC 1968 eingebrachte Antrag, bei Wettbewerben mit naturgetreuen RC-Flugzeugmodellen Mannschaften zuzulassen. Bei uns haben wir schon lange die in der Praxis einzig mögliche Regelung, dass der Wettbewerber auch der Eigentümer seines Modelles sein muss. International gesehen ist diese Regel ungültig; der Sporting Code schreibt nach wie vor bindend vor, dass der Wettbewerber der Erbauer seines Modells sein muss, wobei ausser Motoren, Rädern und Fernsteueranlagen keine Fertigteile verwendet werden dürfen.


Wie die Praxis aussieht, weiss jeder. Wo will man denn die Grenze ziehen zwischen kaufbaren Teilen und dem Zwang, selbst Teile herzustellen?


Nun, es ist natürlich bei den Flugzeugmodellen, genau genommen, doch noch etwas anders, denn dort werden ja tatsächlich für den Bau und die Konstruktion Wertungen vorgenommen, die bei den reinen Funktionsmodellen (wie F3A) nicht stattfinden. Man kann aber mit einem gewissen Recht den Standpunkt vertreten — und dieser lag dem DAeC-Antrag auch zugrunde —, dass solche aufwendigen Modelle, wie es RC-Flugzeugmodelle sind, meist im Team gebaut und geflogen werden, wobei der bessere Pilot oft nicht der eigentliche Erbauer ist. Der beste Flugmodellkonstrukteur ist in den seltensten Fällen ein ebenso versierter Fernsteuertechniker oder Pilot. Hier wollten wir von Anfang an realistische Massstäbe anlegen und eine Mannschaft zugelassen sehen.



Leider hat die CIAM, aus schlechten Erfahrungen heraus, hier nicht zugestimmt. Man sagte nicht ganz zu Unrecht: dann fliegt unter Umständen ein «Superpilot» einer Nationalmannschaft alle Modelle oder es baut ein «Supermodellbauer» alle Modelle einer Nationalmannschaft. Das erstere wäre relativ leicht zu verhindern, das zweite kaum. Der Berichterstatter glaubt, dass die zweite Möglichkeit überhaupt nicht ausgeschlossen werden kann, sie wurde ja schon weitgehend praktiziert. Solange es sich dabei um Individual-Leistungen und nicht um Fabrikarbeit handelt, ist auch nichts dagegen einzuwenden. Es ist aber unschön, wenn der wirkliche Erbauer dann völlig im Hintergrund verschwindet, weil er nicht pilotieren kann oder will. Aus sportlichen Gründen sollte jeder Wettbewerber wenigstens nach vollen Kräften beim Bau «seines» Modells mitmachen, auch wenn er sich Hilfestellung leisten lässt.


Nur der Geldbeutel allein sollte nicht die Teilnahmemöglichkeit bestimmen.



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