Archiv

Liebe Leser

von Emil Giezendanner
3

Wir leben heute in einer Welt voller Widersprüche, voll Verlogenheit auch. Manch einer, der die Wahrheit suchen wollte, ist daran gescheitert und zugrunde gegangen. Der angepasste Mensch hat im Verlaufe seines Lebens gelernt, mit der Unwahrheit zu leben, sie hinzunehmen, über sie hinwegzugehen.


Und doch begegnen wir auf Schritt und Tritt diesen Widersprüchen: Die Fristenlösung ist abgelehnt worden – ganz besonders stark in bestimmten Kantonen. In den Städten weiss aber jeder, dass an bestimmten Tagen Leute aus eben diesen bestimmten Kantonen in bestimmten Kinos massenweise daherlaufen, und wann immer sie es richten können, gehen jene "braven Ländler" noch schnell nach Zürich ....

Die Motorfluggruppe Zürich ist ein grosser Club, auf den die Zürcher stolz sind, denn sie bildet zahlreiche Piloten aus. Sie hat nur einen grossen Fehler, nämlich, dass sie einen Flugplatz möchte. Eine Frechheit so etwas! Wer nur schon auf die Idee kommt, heute noch einen Flugplatz zu planen, wo es doch immer weniger Autos gibt, ist entweder nicht ganz gebacken, asozial oder Anarchist. Wenn der Präsident dieser Fluggruppe an einem "Orientierungsabend" seine Argumente vorbringt, wird er ausgelacht, ausgebuht und schmählich beschimpft. Die Gegner des Flugplatzprojektes sind Könige, Helden (die bestimmt immer zu Fuss auf die Kanarischen oder nach New York gehen) und werden entsprechend gefeiert und unterstützt. Dahergelaufen kommt das Volk der "Gegner und stets konsequenten Fussgänger" in hellen Scharen. Befürworter gibt es praktisch keine. Wird aber irgendwo, und sei es noch so abgelegt, ein ganz bescheidener Flugtag (Grossfliegerei und/oder Modellflug) organisiert, kommt das Volk ebenfalls in hellen Scharen – sind das wohl dieselben von der Antikundgebung, oder sind diesmal die Gegner daheim geblieben (Zutreffendes bitte unterstreichen!)? Ich bin der Meinung, dass beides der Fall sein wird. Es gibt Leute, die je nach Aufmachung und Propaganda dafür oder dagegen sind, also mit Geld oder dem Teufel (siehe oben) frei manipulierbar. Heute besuchen und unterstützen sie eine Antiflugplatzkampagne, wenn möglich mit ihrer Unterschrift, und morgen besuchen sie einen Flugtag. Das ist der Widerspruch, mit dem wir leben. Trauriger hingegen stimmt mich die Frage, was an besagtem "Orientierungsabend" mit den Zürcher Fliegern und dem grossen Volk der Flugbegeisterten los war. Wo sind sie geblieben? Wo war die gewaltig grosse Sektion Zürich des Aero Club der Schweiz? Wo waren diejenigen, welche mir stereotyp "Destruktivität" vorwerfen und irgend etwas vom Zusammenhalt der Zürcher Aviatik daherfaseln; wie man nur als grosse Sektion etwas erreichen könne; dass man eine starke Vertretung im Kanton Zürich haben müsse u.s.f. Was nützen viertausend Mitglieder auf dem Papier? Was nützt es, wenn man der übrigen Schweiz sagen will, wie man's macht und dabei selbst eine innere Erneuerung von Jahr zu Jahr vertagt? Sind wir Zürcher Flieger Papiertiger geworden? Müssen wir wie geschlagene Hunde geduckt umhergehen und schauen, dass ja niemand erfährt, dass wir flugbegeistert sind, um schlussendlich froh zu sein, irgendwo auf einem ausserkantonalen Flugplatz – als Zürcher unerkannt – Unterschlupf zu finden. Weshalb wird nicht eine Proflugplatzkampagne im Zusammenhang mit einem Flugtag und kombinierter Unterschriftensammlung organisiert? Die Fliegerei findet schliesslich nicht in einer Turnhalle statt. Ich bin nur ein ganz kleines Träumerlein. Wo aber sind die grossen Zürcher Flieger?


Mit freundlichen Grüssen




Alle Kategorien anzeigen

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge



}
An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙