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Die Luft-Olympiade 1974

von Werner Heise
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Bericht in Wort und Bild von Werner Heise und Bruno Giezendanner



RC-Scale-Weltmeisterschaft (F4C)

Zum dritten Mal ging die Scale-Weltmeisterschaft über die Bühne. Während bei Freiflug- und RC-Weltmeisterschaften eine erhebliche Teilnehmer- und Nationen-Zunahme festzustellen ist, blieb die Beschickung der diesjährigen Scale-WM mindestens in quantitativer Hinsicht mehr als bescheiden — 6 Nationen und 18 Konkurrenten im RC-Scale (F4C) und 4 Nationen und 12 Konkurrenten im Kreisflug-Scale (F4B).

Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang bald einmal die Frage, ob es bei einem «Treffen» einiger weniger Modellbauer aus noch weniger Ländern angebracht sei, von «Weltmeisterschaften» zu sprechen. Zumindest alle diejenigen, welche trotz des Verkleinerns von Flugzeugen nicht an eine Liliputanerwelt glauben und realistisch sehen, müssen die Fraglichkeit den Scale-Modellbau als Leistungssport betrachten zu wollen immer wieder bestätigen. Gross ist jedenfalls die Zahl jener Scalemodellbauer, welche dieses Hobby viel eher als eine Art «Lebensphilosophie» betrachten. Scalemodellbau sei ein Genuss! Obwohl das Bauen von originalgetreuen Flugmodellen auf der ganzen Welt unerhört an Popularität gewonnen hat, werden sog. Meisterschaften stets verhältnis-



mässig schwach besucht. Wenn man an die vielen wunderbaren Scalemodelle denkt wie sie überall in der Schweiz gebaut werden, mutet eine Teilnehmerzahl von 9 Konkurrenten an der Schweizermeisterschaft geradezu wie ein Schlag ins Wasser an. Wo mag das wohl liegen?

Gemütlichkeit, Freude am Wiederaufleben vergangener Zeiten, Romantik usf. lassen sich nicht in Reglemente kleiden — sonst wäre es keine Meisterschaft mehr, sondern «leider nur noch» ein ganz gewöhnliches, kameradschaftliches Meeting. Liegt es wohl an diesen Reglementen, dass sich schon jetzt kaum ein «normaler» Scalebauer an eine Meisterschaft wagt? Sind die Anforderungen so hoch, dass sie nur noch von einigen wenigen Spezialisten erfüllt werden können? Wenn man bedenkt, welch unerhörter Aufwand nur schon das Sammeln der authentischen Unterlagen erfordert. Bei gängigen Sportflugzeugen mag das noch angehen. Recht schwierig wird diese Aufgabe jedoch, wenn es sich um antike Modelle handelt — beinahe unmöglich bei Militärmaschinen, weil dort zahlreiche Masse absichtlich geändert und verfälscht sind.

Dann sei die Herstellung der Details erwähnt wie Fahrwerke, Cockpit etc. wo zum Teil höchste feinmechanische Kenntnisse verlangt werden usf. Dazu kommt das Fliegen, wobei bereits der Start zahlreicher Modelle immer wieder grosse Probleme stellt. Dieser wohl mehr als dilettantische Problemerkatalog zeigt, dass diese Form des Scalemodellbaus niemals eine Breitenentwicklung durchmachen wird. Hier wird die Entwicklung eindeutig in der Tiefe d. h. in der Qualität zu suchen sein. In der Tat hat der Scalemodellbau in dieser Richtung in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte erzielt.

Der dreifache amerikanische Sieg an der diesjährigen WM beweist, dass neben einer guten Baubewertung die Flugbewertung eine entscheidende Rolle spielt. Weltmeister Wischer stand nach der Baubewertung auf Platz vier. Der Gewinner der Baubewertung J. Lang, Frankreich, war nicht in der Lage seinen Motorsegler (Fournier) anständig zu fliegen und landete schliesslich auf Platz zwölf! Ob man Lang als ein Opfer übertriebenen Spezialistentums oder des Reglements ansehen möchte, soll jedem selbst zu beurteilen überlassen werden. Nur wenige der Scalemodellbauer beherrschen ihre Werke auch fliegerisch. Obwohl diese Modelle auch am Boden stehend eine Augenweide waren, darf man nicht vergessen, dass Flugzeuge in die Luft gehören, das ist ihr Element und hier erhalten sie erst ihren ganzen Sinn.

Ein weiteres wichtiges Merkmal dieser RC-Scale-WM ist darin zu sehen, dass sich einmal mehr verhältnismässig konventionelle Flugzeuge wie Emeraude, Piper Comanche, Cap 20, Piper Cherokee, Shinn 2150 A etc durchgesetzt haben. Es handelt sich um Tiefdecker wie sie jeder kennt. Einmal ist es bei diesen Typen relativ einfach die Unterlagen zu beschaffen — am besten direkt vom Hersteller und zum andern kennt man auch das Flugverhalten von Tiefdeckermodellen dieser Konzeption bestens. Was ganz eindeutig fehlt, ist das Aussergewöhnliche, das Experiment. Zwei- und Mehrmotorige, Impeller, Deltas, Schwenkflügler, Drehflügler, Enten u.s.f. Auch scheint sich, wie in andern Kategorien, der Schritt zum Speziellen nicht zu lohnen. Der Konkurrent geht zu viele Risiken ein. Die Frage ist, würde es sich nicht gerade im Scalemodellbau rechtfertigen, für aussergewöhnliche Konstruktionen einen Sonderzuschlag zu geben? Gedacht als Ansporn! Damit nicht an der nächsten WM nur Cessnas und Piper zu sehen sind? Natürlich können auch gewöhnliche Flugzeuge aussergewöhnlich originalgetreu gebaut sein und eine gewisse Entwicklung ist bestimmt in dieser Richtung noch möglich. Doch wäre dies etwas einseitig, wenn nicht die Entwicklung zu vielfältigen interessanten Konstruktionen gefördert würde.



Auszug aus der RC-Scale Rangliste
FINAL RESULT - 1974 AEROLYMPICS
EVENT: RADIO CONTROL SCALE
PLACENAMEMODELCOUNTRYFI-DELITYCRAFTS-MANSHIPCOM-PLEXITYSTATIC TOTALONETWOTHREETOTAL
1R. WischerEmeraudeU.S.A.930870283.52083.52066192023654448.5
2J. RothVolksplaneU.S.A.1117.41018.9183.02319.31672211620994435.3
3R. JacksonPiper Comanche 180U.S.A.838801.9295.01934.91441195220463980.9
4B. TaylorFairey FulmerEngland672543.0323.51538.5181221252009.53663.5
5R. FouquereauCap 20France791.5758.02655.01815.0158918061423.53621.0
6A. LuntFokker DR1England187.5783.0288.01888.5117516141642.53531.0
7J. Stromqvist (Jack)BHT 1 ReautySweden711.0710.5355.01776.51509162316853461.5
8M. ReevesCassutt III MEngland929.2877.2226.02032.41362497.0---3394.4
9E. Stromqvist (Esbjorn)Saab SafirSweden586.5394.5288.01269.02028211718713386.0
10E. BrydgesPitts Spec-SISCanada652.5533.5289.51475.51530177116133246.5
11B. KluppPiper Cherokee ArrowW.Germany637.0642.0316.01595.01647161513333242.0


Kreisflug-Scale (F4B)

Im Westen, wo sich RC-Anlagen und Zubehör relativ einfach und preisgünstig beschaffen lassen, fristet der Kreisflug ein eher bescheidenes Dasein, während in den Oststaaten der Kreisflug die Bedeutung der RC-Kategorien einnimmt und sich bestens neben dem Freiflug behaupten kann. Diese Tatsache trifft auch weitgehend auf den Kreisflug-Scalemodellbau zu. Auch hier nehmen die osteuropäischen Länder eine unbestrittene Führerrolle ein und weisen ein erstaunliches Niveau auf. Die Kreisflieger haben ganz entscheidend zur Farbigkeit und Vielseitigkeit dieser Scale-WM beigetragen. Sie zeigten die im RC- so vermissten mehrmotorigen Modelle, wobei der Russe Kramerenko für seine AN-14M sogar spezielle Motoren anfertigen musste, weil gewöhnliche in den Triebwerksgondeln keinen Platz gefunden hätten. Es zeigte sich, dass Kreisflug-Scale eine dankbare Kategorie sein kann und es eigentlich verdiente mehr gefördert zu werden.



Auszug aus der KS-Scale-Rangliste
FINAL RESULTS - 1974 AEROLYMPICS
EVENT: CONTROL LINE SCALE
PLACENAMEMODELCOUNTRYFI-DELITYCRAFTS-MANSHIPCOM-PLEXITYSTATIC TOTALONETWOTHREETOTAL
1V. KramarenkoAN-14MU.S.S.R.1104.51117.5473269526002543.526805375.0
2J. OstrowskiLockheed P-38-L-5LOPoland1022.51036.5469.52528.50209204620.5
3M. ReevesZlin AcrobatEngland867750258.51875.52167256426984573.5
4M. GretzZlin Acrobat 526AU.S.A.791.5766.5247.51805.52722.5245625054528.0


Saallflug-Weltmeisterschaft (F1D)

Vorgeschichte: Anfangs Januar 1974 fanden sich vier Idealisten zusammen, um die in der Schweiz bereits in Vergessenheit geratene Modellflug-Kategorie Saallflug (F1D) neu zu beleben. Um die ganze Sache etwas anspornend zu gestalten, setzte man sich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft zum Ziele. Jeden Frühling an der Obmännerkonferenz der Region 5 wird eine Modellkategorie zur Förderung empfohlen. 1974 eben das Saallfliegen.

Was nun alles an Arbeit bewältigt werden musste, könnte an Beschreibung dieses ganze Heft füllen. Nur einige Beispiele: Orientierung anhand Uebersetzungen aus den Heften Modelar, CSSR / Aero Modeller, GB. Aus deutsch geschriebenen Büchern und Heften fanden wir nur ältere Literatur. Es folgte die Konstruktion eines eigenen Modelles. Spezialwerkzeuge mussten selbst hergestellt werden. 1/100 Gr.-Waagen, Gummiaufziehmaschinen, Uebersetzung 1 : 50, etc. Es folgte die Herstellung aller Schablonen und zwar wegen der kurzen Zeitspanne jeden Konkurrenten einen eigenen Satz. Mikrofilm-Versuche. Zellenverspannungsversuche mit Chrom-Nickel-Stahldraht Ø 0,02 mm. Auffinden einer geeigneten Halle für die ersten Flugversuche und das weitere Training. Es folgte Bauen, Bauen — Fliegen, Fliegen!! Besondere Aufmerksamkeit mussten wir auch dem Transport mit Flugzeug und Lieferwagen schenken (stets 1 Mann beim Umladen dabei).



Wettbewerbsablauf und technischer Bericht

Dienstag, 2. Juli. Abflug in Kloten mit Flug Balair BB 700, 1.00 Uhr. Ankunft in NewYork 15.00 Uhr. Weiterfahrt mit von der AMA bereitgestelltem Lieferwagen und PW durch New York nach Lakewood (Unterkunftsort für Begleiter) und Lakehurst (Veranstaltungsort und Unterkunft für Teilnehmer in Militärbaracken).

An diesem Abend hätten wir noch gerne einige Trainingsflüge absolviert. Wir mussten 3 Stunden warten, da alle Betten in der Unterkunft belegt waren, auch der Luftschiffhangar war geschlossen, so mussten wir uns Wohl oder Uebel auf den nächsten Tag vertragen.



FINAL RESULTS - 1974 AEROLYMPICS
EVENT: INDOOR
PLACENAMECOUNTRYONETWOTHREEFOURFIVESIXTOTAL
1R. CzechowskiPoland34:2734:5029:0134:5634:5333:3469:49
2B. ServaitesU.S.A.33:596:5633:4032:4425:5433:5167:50
3K. RybeckyC.S.S.R.21:5131:3214:4919:3930:2735:4467:16
4S. KujawaPoland29:4532:349:3928:2634:329:5567:06
5E. CiapalaPoland27:5231:0132:4917:4334:1130:2567:00


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