SMV / FSAM

JUNGER SPORT SUCHT ANSCHLUSS

von Andrea Bolliger
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Der Drohnensport ist in der Schweiz noch jung und hat sich erst 2022 dem SMV angeschlossen. Tom Schäpper aus Liechtenstein und Kevin Rychen aus dem Baselland teilen sich das Co-Präsidium der F9U Drohnen – FPV.


Einmal da und voll dabei

In den Anfängen wurden die Drohnenrennen ausschliesslich von einer externen privaten Organisation durchgeführt, die der SMV auch unterstützte. Es handelte sich aber nicht um eine offizielle Sportkommission. Dabei ist der Drohnensport vom Weltluftsportverband FAI als Flugsport anerkannt und wird als F9 geführt. «Einer der Gründe, weshalb wir uns dem SMV anschliessen wollten, liegt darin, dass die Nationalmannschaft nicht so geführt wurde, wie es sein soll», erklärt Rychen. Schäpper ergänzt: «Wir wollten dem Drohnensport einen sauberen Rahmen bieten, die Szene beleben und aktiv handeln, auch um die Jungen abzuholen.» Schliesslich wurden die beiden vom SMV zur DV eingeladen. Weil sich niemand anderes willens zeigte, den Posten zu übernehmen, stellten sie sich zur Verfügung. «Einmal da und gleich voll dabei», meint Rychen lachend. Das war 2022. Drohnenrennen finden in der ganzen Schweiz verteilt statt. «Im Vorjahr führten wir Rennen im Tessin, in Buchs SG, in Pratteln und in Sitterdorf durch. Im Jahr davor hatten wir noch ein Rennen im Jura, doch dieses Gelände steht uns leider auch nicht mehr zur Verfügung», sagt Rychen. Durchführungsorte zu finden ist aus verschiedenen Gründen schwierig. Die Miete von Hallen kostet sehr viel Geld. «Wir sprechen hier von mehreren Tausend Franken», sagt Tom Schäpper. Der andere Grund, weshalb sie die Rennen lieber im Freien abhalten wollen, ist technischer Natur. So ist die Funk- und Videoübertragung nicht in jeder Halle gleich gut. Ein faires Rennen hinzubekommen sei oft schwierig, weil ein grosser Teil der Piloten noch analog fliegt. Analog bezieht sich in diesem Fall darauf, auf welche Art die Videobrille Bilder empfängt. Hinzu kommen Sicherheits- und Versicherungsaspekte. «Unsere 5-Zoll-Drohnen fliegen mit 170 km/h durch den Parcours. Wenn sie irgendwo einschlagen, gibt das Schäden», sagt Schäpper.


FPV-Drohnensport wird in der Schweiz seit rund 11 Jahren betrieben. Die Abkürzung FPV steht für First Person View, was zu gut Deutsch «aus direkter Perspektive» bedeutet. Erreicht wird dieser direkte Blick aus Sicht der Drohne, indem die Piloten beim Fliegen Videobrillen tragen, auf denen sie Bilder von der Drohnenkamera empfangen. Drohnenrennen, bei denen physische Tore passiert werden, werden seit 2018 ausgetragen. Die Rennserie «Swiss Drone League» gastierte unter anderem an der Automesse in St. Gallen. «Da wurde auch mein Sohn angefixt», bemerkt Tom Schäpper. Er selbst fliegt nicht. Mit seinem Engagement unterstützt der Liechtensteiner, der selbstständig in der Nachhaltigkeitskommunikation tätig ist, seinen Sohn und die Drohnenszene im Allgemeinen. Der 35-jährige Kevin Rychen aus dem Kanton Baselland fliegt seit 2019 selbst an Rennen. Die beiden teilen sich das Präsidium der F9U Drohnen – FPV Racing und FPV Freestyle. Allerdings bietet die Fako F9 ausschliesslich Drohnenrennen an, die in einer Junioren- und einer Erwachsenen-Kategorie gewertet werden. «Es gibt zwar eine Freestyle-Community, aber zumindest in der Schweiz keine Wettkämpfe. Die Freestyler betreiben ihren Sport eher (chillig), erkunden auf den Flügen gerne alte Gebäude oder Ruinen», erklärt Kevin Rychen.



Mindestens ein halbes Fussballfeld

So gross sollten Plätze sein, auf denen Drohnenrennen durchgeführt werden. «Grösser ist immer besser», sagt Schäpper. Fussballfelder gibt es in fast jeder Gemeinde. Diese sind aber meist belegt. Rychen kann ausserhalb der Saison im örtlichen Schwimmbad trainieren. In den Sommermonaten muss er auf Felder ausweichen. Das habe bisher immer gut geklappt, sagt er. Schäppers Sohn kann in Buchs SG auf einem der acht Fussballfelder trainieren, wenn dort niemand trainiert oder spielt. Aus Sicherheitsgründen muss das Feld nebenan auch immer frei sein. «Die Idee hinter unserem Beitritt zum SMV war, dass wir die Modellflugplätze als Trainingsplätze mitnutzen könnten. Wir spüren aber eine gewisse Ablehnung. Es gibt Modellfluggruppen, die per se keine Drohnen auf ihren Plätzen haben wollen», sagt Schäpper. Beide wünschen sich einen Platz, den sie als Heimat ihrer Community bezeichnen können und auf dem sie ihr Material einstellen können. Rychen hofft auf ein Entgegenkommen, denn: «Schlussendlich teilen wir alle dieselbe Leidenschaft. Egal, ob wir mit Drohnen, Helikoptern oder Flächenflugzeugen fliegen. Das sollte doch verbinden?» Die beiden Fako-Präsidenten sind sich bewusst, dass Drohnen ein vorbelastetes Image haben. «Es sind die Drohnen, die wir fliegen, die in der Ukraine Menschen töten. Das hat unserem Sport nicht geholfen», meint Schöpfer. Rychen stimmt dem zu und ergänzt: «Drohnen werden zum Überwachen und Spionieren verwendet. Auch das ist immer wieder ein Thema. Natürlich sind Drohnenpiloten, deren Drohnen vor Wohnungsfenstern und über Balkonen auftauchen, dem Image auch nicht förderlich. Schöpfer sieht hier auch den Unterschied zwischen Rennsport und Freestyle. «Wir Racer bewegen uns auf einem abgesperrten Platz und fliegen in einer den Regeln entsprechenden Flughöhe.»


Drohnenrennen zu fliegen ist nicht günstig. Zur Ausrüstung gehören neben den Drohnen, die um die 600 Franken kosten, Fernsteuerung, VR-Brille, Akkus – und Ersatzteile. Erfahrungsgemäss geht eine Drohne auch kaputt. Ersatzteile und Reparatur gehen ins Geld. Um an Wettbewerben teilzunehmen, ist es von Vorteil, Ersatzdrohnen und Ersatzteile dabei zu haben. «Die meisten Piloten besitzen 3 bis 4 Drohnen plus Ersatzteile für die Drohnen und genügend Akkus, um weiterfliegen zu können, wenn etwas in die Brüche geht», meint Rychen. So beläuft sich der finanzielle Aufwand rasch auf mehrere Tausend Franken. Tom Schöpfer, der seinem Sohn das Hobby ermöglicht hat, lacht. «Ich verdränge das.»


Ein Sport für Jüngere

Man könnte annehmen, dass dieser Sport keine Nachwuchssorgen hat. «Aber es ist auch bei uns ein Thema», sagt Tom Schöpfer. Der Drohnensport verlangt Agilität und ein äusserst schnelles Reaktionsvermögen. So kommt es, dass ältere Piloten wieder aus dem Sport aussteigen. «Ab einem gewissen Alter setzt die Biologie Grenzen, wenn man das so sagen darf.» Jedes Jahr stossen zwei bis drei junge Piloten dazu, die den Sport vom Hörensagen kennen oder in einem Video gesehen haben. Bei Kevin Rychen, der in Basel als Systemspezialist tätig ist, war es ein YouTube-Video, das ihn und einen Kollegen so sehr faszinierte, dass sie es probieren wollten. «Zuerst bestellten wir das Billigste aus China, später kauften wir in der Schweiz, hatten weniger Probleme und trotzdem ging noch vieles kaputt. Wir lernten andere Leute aus der Szene kennen und profitierten von ihrem Know-how und konnten Dinge verbessern.» Er und sein Kollege waren damals in ihren Zwanzigern. «Die Einstiegshürden sind nicht gerade klein. Ein 14- oder 15-Jähriger wird mit vielen Dingen konfrontiert, von denen er noch nie gehört hat. Die Drohnen müssen eigenhändig gelötet und zusammengebaut werden. Wenn man kein Elternteil an der Seite hat, das Know-how und Flair dafür mitbringt, so ist das sehr schwierig», sagt er. «Wenn sie einmal bei uns sind, geht das schon», wirft Schöpfer ein. Mit «uns» meint er die Swiss FPV Racing. «Das ist unser Verein, daneben gibt es noch kleinere Gruppen, die sich als Kollegen zusammengeschlossen haben, das sind aber mehr die Freestyler», erklärt Rychen. «Ja, wir helfen gerne», sagt er. «Aber wir können nicht den Elternpart übernehmen. Wir unterstützen beim Schrauben und geben Tipps und Tricks, damit es funktioniert. Aber wenn während eines Rennens was passiert, sind unsere Mittel eingeschränkt.»


Beide loben die Community und deren Hilfsbereitschaft. «Mein Sohn wurde mit 11 Jahren gut aufgenommen. Ich bin zwar von Haus aus Techniker, aber eine Drohne hatte ich bis dahin nicht zusammengebaut. Das konnte er alles mit der Community machen», sagt Schöpfer. Marvin macht jetzt eine Ausbildung zum Elektroniker.

*Das Interview führte Andrea Bolliger*



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