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Wir bauen ein Saalflugmodell

von Werner Heise
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Der Autor Werner Heise mit seinem Saalflugmodell, anlässlich der F1D-WM 1974 in USA.



Baubeschreibung

Der Rumpf wird aus zwei Hauptteilen, dem Motorenteil und dem Leitwerkträger hergestellt. Das Rumpfrohr wird auf einem Metaldorn 8 mm aufgewickelt. Balsa-holz auf 0,3 mm abschleifen. Die genaue Breite wird ermittelt, indem wir einen Papierstreifen um das Metallrohr legen. Zum Aufziehen wird das Balsabrettchen nass gemacht, in Längsrichtung um den Dorn gewickelt und mit Verbandgaze umbunden. 1 Stunde im Backofen bei max. 100°C trocknen lassen. Anschliessend wird mit einer Balsaleistenspitze der Leim in die Fuge aufgetragen (Stumpfleimung). Damit er nicht klebt, wird der Metaldorn ständig etwas gedreht. Länge des Rohres ca. 440 mm und wird erst zuletzt auf die Fertiglänge zugeschnitten. Fertiges Rohr mit sehr verdünntem Nitrolack einstreichen. Mehrgewicht nur 0,02 g. Der Rumpfkonus Nr. 2 wird im gleichen Prinzip ausgeführt, Brettchendicke 0,2 mm.

In Nr. 1 kleben wir senkrecht zwei Verstärkungsbrettchen 0,3 mm dick. Anschliessend schneiden wir den Vorderteil schräg und schliessen mit Nr. 4 Balsa 0,3 ab.

Die Flügelanschlussröhrchen Nr. 5 aus Balsa 0,3 dick wickeln wir nass um einen Stahldraht 2 mm und schneiden sie nach dem Trocknen auf die angegebenen Längen. Eine zweite Methode für Röhrchen besteht darin, dass wir mit Weissleim bestrichenes Zigarettenpapier um einen Stahldraht wickeln, den wir ständig etwas drehen, auf die Länge schneiden und vor dem Trocknen abziehen. Der Stahldraht soll für beide Methoden leicht seifig sein.

Das Lager Nr. 6 für den Propellerbiegen wir aus Dural-Blech 0,4 mm. Die Löcher sind 0,35 und ein Schlitz 0,25 mm breit. Damit wir die Propellerachse herausnehmen können, wird das hintere Lager speziell nach Zeichnung gebogen. Das fertige Lager kleben wir vorne so von unten an den Rumpf, dass die Zugachse 1° nach unten und 1° nach links — beim Blick von hinten — zu liegen kommt. Diese Verbindung umwickeln wir mit dem Faden einer Damenstrumpfhose. Nicht zu stark anziehen, dass keine Einschnürung entsteht.

Der hintere Haken Nr. 7 wird aus Stahldraht 0,3 mm nach Zeichnung gebogen und von hinten an das Verstärkungsbrett Nr. 3 geklebt. Gegen das Ausbrechen des Gummis müssen wir den Haken stützen und zwar mit dem Dreieck Nr. 8 aus hartem Balsa.

In den Rumpf Nr. 1 bohren wir mit einer Nadelfeile Löcher für die Pylonröhrchen Nr. 5 so, dass die Achse 90 mm hinter das Propellerlager zu liegen kommt. Achsabstand beider Röhrchen 200 mm. Die Röhrchen Nr. 5 kleben wir auf den Boden des

Rumpfrohrs. Beim Trocknen darauf achten, dass die Pylonröhrchen genau parallel sind. Für grössere Genauigkeit schieben wir die Flügelstäbchen in die Pylonröhrchen. Anschliessend kleben wir die Streben Nr. 9 und 10 aus hartem Balsa-holz nach Zeichnung in den Rumpf. Ein Wolfram-Draht 0,03 mm wird am Ende des Rumpfes mit dem Haken verankert 360° und um die Stabilisierungsstäbe 9 und 10 gewickelt. Vorne wird der Draht an der Stirnseite heruntergezogen und mit dem Lager Nr. 6 verknüpft. Die Vorspannung kann reguliert werden mit verschiedenen Höhen auf Pos. 9.

Flügel. Für den Bau von Flügel und Höhensteuer benötigen wir Schablonen, auf denen das Gerippe geleimt wird. Am besten verwendet man nicht verdrehtes Sperrholz 4—6 mm dick. Aufgepasst auf exzentrischen Flügel und Verdrehung links auf Positiv (+5 mm)! Scharniere aus Nylon, damit man den Flügel gerade bauen kann.

Für die Flügel-Mittelstückholme Nr. 14 ist Balsa mittelhart zu verwenden. Für die Ohren Nr. 15 Holme etwas weicher. Die Träger Nr. 15 mit Speichel etwas anfeuchten und um die Schablone biegen. Trocknen lassen oder im Backofen bei max. 100°C austrocknen. Die Holme kleben wir mit verdünntem Nitrolack alle 15 mm auf die Schablone. Die Randbogen Nr. 15 etwas nach aussen abschleifen. In den Knick kleben wir die Kompressionsrippen 3 Stck. Nr. 16. Die Rippen des Flügels und des Höhensteuers stellen wir über einer Blechschablone her. Wir ziehen die feuchten Holme über die gebogene Blechschablone und befestigen sie beidseitig mit einer Wäscheklammer. Von unten über kleiner Gasflamme trocknen. Zuerst kleben wir die drei Rippen in die Knickstellen. Anschliessend die restlichen sechs. Eine gerade Balsaleiste 3 x 3 mm auf die Wölbung legen, zuschneiden bei Auslaufkante. In die Rippen kleben wir die Streben Nr. 18.

Höhensteuer. Im gleichen Prinzip wie der Flügel wird auch das Höhensteuer angefertigt. Der Holm Nr. 22 wird aus zwei Teilen nass um die Schablone gebogen. Schäftung in der Mitte. Die Rippen Nr. 23 werden zwischen den Holm geleimt. Die Höhensteuer-Verstrebung Nr. 24 wird erst als letzte Arbeit nach dem Bespannen angeleimt.

Seitensteuer. Für das Seitensteuer wird der Holm Nr. 25 ebenfalls um die vorbereitete Schablone gewickelt. Nach dem Austrocknen lösen und mit verdünntem Nitrolack auf die Schablone kleben. Den unteren Begrenzungsholm Nr. 26 einleimen und bespannen. Film auf kleinem Rahmen herstellen, damit er genügend gestrafft ist. Der hintere vorstehende Stummel von Nr. 25 dient gleichzeitig beim Anleimen auf dem Leitwerkträger Nr. 2 als Strebe für die Höhensteuerrippe 23.


Die Herstellung des Mikrofilms

Zuerst müssen wir einige Mikrofilmträger-Rahmen herstellen. Für das Höhensteuer z. B. 16 x 43 cm lichte Weite. Für diesen Rahmen schneiden wir Balsaleisten 2 x 20 mm und kleben diese zu einem Rechteck zusammen.

In eine Badewanne wird Wasser eingelassen wobei die Temperatur des Wassers der des Raumes entsprechen soll. Wenn die Oberfläche unbewegt glatt ist, giessen wir mit einem Löffel einige Tropfen der beschriebenen Mischung (MFS 6/75) darauf. Beim Aufgiessen sollen die Tropfen einen Strich bilden; dieser verteilt sich dann rasch auf der ganzen Oberfläche. Einige Minuten warten und den angefeuchteten Rahmen darauflegen. Den überstehenden Mikrofilm vorsichtig auf den Rahmen umschlagen. Der Mikrofilm wird schräg aus dem Wasser gezogen, ähnlich einem Wasserski und an einem staubfreien Ort mindestens eine Woche zum Trocknen aufbewahrt.


Bespannung

Die Bespannung des Flügels ist aus zwei Hälften herzustellen. Trennstelle auf Flügelmittelrippe. Zuerst den Flügel flach überziehen. Das Gerippe wird mit einem feinen Haarpinsel mit Speichel oder Bier eingestrichen. Der Mikrofilm-Rahmen wird an einer Kante aufgeschnitten und über die Schablone gezogen. Zum Ankleben leicht blasen. Die Ueberreste werden mit einer zugespitzten, in Azeton getupften Balsaleiste abgetrennt. Vorsicht! der Film kann in das Gerippe hineinschmelzen, nur wenig Azeton an Balsaspitze. Im gleichen Stil auch die zweite Hälfte mit 5 mm Ueberlappung bespannen. Alle bespannten Teile 3 Tage auf Schablonen trocknen lassen.

Mit Rasierklinge Flügel vorsichtig von Schablone lösen. Flügelmittelstück und Ohren werden jetzt bei den Knickstellen in ihre richtige Position angehoben und mit entsprechenden Unterlagen arretiert. Der lockere Film wird mit einem in Wasser getauchten Pinsel gespannt, indem wir diesen vorsichtig über die Rippe Nr. 16 ziehen. Du wirst Dich wundern wie sich der Film spannt.


Verspannung

Wir müssen für die Verspannung ein Gestell herstellen, wo wir den Rumpf in richtiger Höhe zum Flügel einlegen können. Grundbrett 20 x 70 cm. Alles weitere siehe Foto.

Von unten kleben wir die Pylons Nr. 20 in die richtige Position; ebenfalls das Joch Nr. 19 — auch Verstrebungs-Baum genannt. Die Verstrebung aus Chrom-Nickel-Stahldraht 0,02-0,025 mm wird jetzt in folgender Reihenfolge angeleimt. 1. Flügel-Knick rechts aussen zu Pylon vorne unten — einmal umbinden und zu Flügelknick links aussen. Für das Spannen halten wir in der rechten Hand die Fadenrolle und spannen mit leichtem Zug ganz an das Gerippe, während wir mit der linken Hand ein Leimtöpfchen mit einer Nadelspitze an die

Verbindungsstelle bringen. In dieser Position ein Weilchen verharren — eventuell mit Lupe Verbindung kontrollieren. Nach der Verbindung schneiden wir mit 10 mm Zugabe den Draht ab. Diese Verlängerungen dienen dazu, um später eventuell dem Flügel einen anderen Verzug anzupassen. 2. linker Flügelknick zu Strebenspitze Nr. 19 einmal umwinden und zum rechten Flügelknick aussen. 3. Das gleiche diametral. 4. Flügelmittelstück rechts zu Pylon mitte umwinden und zu Flügelmittelstück links. 5. und 6. das gleiche an der Hinterkante. Die richtige Spannung kann man schlecht definieren. Ich spanne mit leichtem Zug zwischen zwei Fingern.


Schlussarbeiten, Montage.

Die bespannten Höhen- und Seitensteuer werden nun auf den Leitwerksträger Nr. 2 geleimt. Achtung auf richtige Schräglage des Höhensteuers! Nach reichlichem Trocknen wird der Leitwerksträger 2 mm in den Hauptumpf geklebt. Am besten verwenden wir auch für diese Arbeit eine Schablone.

Propeller. Propellerschablone nach Zeichnung anfertigen. Bei jedem Durchmesser gleiche Steigung, siehe angegebene Formel. Aus 10 mm Balsabrett hart 25 Teile (wobei für jedes Teil der Steigungswinkel berechnet werden muss) anfertigen. Aneinandergereiht zusammenleimen und überschleifen bis wir eine glatte Fläche erhalten. Aus 1,5 mm Sperrholz den Umriss der Propellerform ausschneiden und mit ca. vier Senkschrauben M 3 am richtigen Ort auf die Schablone schrauben. Jetzt können wir den Randbogen Nr. 31 nass darumziehen. Nach Austrocknen Sperrholzschablone wegnehmen und Randbogen wie Flügel aufleimen. Bei durchgehendem Propellerträger (Steigung nicht verstellbar) muss die Propellerachse Nr. 28 bereits montiert, aber noch nicht angeleimt sein. Träger Nr. 27 in richtiger Position an Propellerrandbogen kleben und Achse Nr. 28 an vorderer senkrechter Kante der Schablone fixieren. Die Rippenbiegung (auch 3%) einleimen über Träger. Bei Achse Nr. 28 zwei U-Scheiben Nr. 29 (kann auch aus Celluloid sein) festleimen.

Als 2. Variante empfehle ich den Verstellpropeller. Die Achsstummel werden in das Röhrchen ca. 22 mm lang Ø 2 x 0,3 mm eingeschoben.

Die Arbeiten am Modell sind nun abgeschlossen. Was wir unumgänglich brauchen, ist eine geeignete Transportkiste mit ideal fixiertem Modell.


Transportkiste

Hier lasse ich dem Modellbauer freie Phantasie. Die Grösse wird vor allem die Modellzahl bestimmen. Für eine Meisterschaft sollte man im Minimum 3 Modelle haben. Auch ein Rahmen mit Mikrofilm für Reparaturen sollte Platz haben. Den Flügel stecken wir mit den Pylons auf einen Balsaklotz in Schwalbenschwanzform ca.

10 x 25 mm Querschnitt. In die Kiste kleben wir die Gegenform so, dass wir den Flügel einschieben können. Der Rumpf wird auf Träger mit Gummibändchen montiert, etc.


Einfliegen

Schwerpunkt kontrollieren! Er sollte auf 5% genau stimmen. Das Modell muss beim 1. Start fliegen, denn es ist im Fluge nicht so heikel. Wir ziehen etwa 400 Umdrehungen auf. Das Modell soll in einer Linkskurve mindestens die Starthöhe behalten. Falls das Modell pumt oder sticht, können wir den Leitwerksträger Nr. 2 mittels Zigarettenrauch entsprechend verziehen. Während allen Manipulationen bitte nur Zeitlupenbewegungen ausführen, sonst geht das feine Modell in Brüche! Wir können anschliessend die Aufdrehzahl steigern — je nach Hallenhöhe. In Lakehurst flog das Modell bei einer Deckenhöhe von 45 m mit 2240 Umdrehungen 34 Minuten 56 Sek.


Schlussbetrachtungen

Ein Saalflugmodell zu bauen ist nichts Uebermenschliches, denn noch immer wurde das Modell von einem Menschen gebaut. Sicherlich wird es nicht beim ersten Anlauf gelingen, doch wer sein Modell nach viel geduldiger Arbeit im Fluge sieht, kann sich würdig ein Meister der Perfektion nennen. Viel Glück und immer frischen Mut. W. Heise

Bitte Bauplan auf der nächsten Seite beachten


Stückliste

POS

GEGENSTAND

DIMENSION

MATERIAL

STK

1

RUMPF

0,3x36x40

BALSA

1

2

LEITWERKTRÄGER

0,2x26x320

BALSA

1

3

VERSTÄRKUNGSSPANT

0,3x8x20

BALSA

2

4

ABSCHLUSS

0,3x9x9

BALSA

1

5

FLUGELANSCHL-ROHRCH

Ø2x0,3x16

BALSA

2

6

PROPELLERLAGER

0,4x2x15

ALU

1

7

HAKEN HINTEN

Ø0,3x15

FED ST

1

8

VERSTÄRKUNG HAKEN

0,3x2x2

BALSA

1

9

STREBE

0,6x0,6x25

BALSA

2

10

STREBE

0,6x0,6x25

BALSA

4

11

QUERSTREBE

0,6x0,6x32

BALSA

1

12

QUERSTREBE

0,6x0,6x21

BALSA

1

13

SPANNDRAHT

0,03x850

CHR NI

1

14

HOLM FLÜGELMITTELST

0,8x0,6x400

BALSA

2

15

RANDBOGEN

0,8x0,6x350

BALSA

2

16

RIPPE

0,8x0,4

BALSA

3

17

RIPPE

0,8x0,4

BALSA

6

18

STREBE

0,4x0,4

BALSA

6

19

STREBE

0,6x0,6

BALSA

2

20

PYLON

Ø2x85

BALSA

2

21

VERSPANNDRATHT

Ø0,02x850

CHR NI ST

22

HOLM HOHENSTEUER

0,6x0,8x

BALSA

1

23

RIPPE

0,4x0,6

BALSA

5

24

STREBE

0,4x0,4x30

BALSA

2

25

RANDBOGEN SEITENST

0,4x0,4x

BALSA

1

26

HOLM

0,4x0,4x75

BALSA

1

27

PROPELLER-TRÄGER KON.

Ø2x250

BALSA

2

28

ACHSE

Ø0,3x25

FED ST

1

29

U-SCHEIBE

Ø15x0,2

STAHL

2

30

LAGER RUBIN

120/35

1

31

RANDBOGEN PROP

0,4x0,6x

BALSA

2

32

RIPPE

0,4x0,4

BALSA

10



SAALFLUGMODELL FAI

KAT. F1D

FORMEL: SPANNWEITE MAXIMAL 65cm ZELLENGEWICHT MINIMAL 1 gr

KONSTRUKTION: SYLWESTER KUJAWA GEZEICHNET: WERNER HEISE IM ISENGRIND 35/14 8046 ZÜRICH



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