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80 Meter Startbahn im Sumpfgelände Altmatt

von W. Bachmann
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Den meisten Modellflugpiloten aus der Umgebung Zürichs ist der Flugplatz Altmatt bestens bekannt. Dies schon deshalb, weil die Gruppe Einsiedeln wohl eine der einzigen, wenn nicht sogar die einzige Gruppe darstellt, die auch fremde Piloten, gegen Gebühr, auf ihrem Flugplatz fliegen lässt.


Das Gelände wurde vor 10 Jahren für die gleiche Zeit gepachtet und darauf mit 25 kg schweren Platten auf Pfählen eine Piste 9 x 90 m verlegt. Diese Platten 50 x 50 cm gross hatten jedoch den Nachteil, dass sie jedes Frühjahr zu einem Drittel (ca. 30 Tonnen!) neu verlegt werden mussten, da der Schnee welcher in dieser Gegend bis zu 2 Meter hoch liegen kann, seine Zerstörungsarbeit unaufhörlich fortsetzte.

Ende 1972 lief der alte Pachtvertrag ab. Wir waren nicht wenig erstaunt, als im August 1972 ein Einjahresvertrag vorgelegt wurde. Obwohl wir wussten, dass dieses Gelände auch vom Naturschutz nicht unbeachtet blieb, unternahm der Obmann und Aktuar einen Vorstoss bei der zuständigen Landkooperation, der Genossame Binzen. Wir mussten aus Gründen der Unfallverhütung eine neue Piste bauen. Mit einem Vertrag der das Damoklesschwert einer jährlichen Kündigung in sich barg, konnte jedoch weder ein finanzieller Antrag gestellt, noch jemand zum Bau einer solchen Piste veranlasst werden.

So stellte der Aktuar ein entsprechendes Gesuch an die Genossame Binzen. Sitzungen und Telefonate zwischen deren Präsidenten, dem Obmann und Aktuar folgten sich in kurzen Intervallen, bis Ende November 1972 ein modifizierter Pachtvertrag bis 1982 resultierte.

An dieser Stelle sei dem Präsidenten Herrn Bingisser ganz besonders anzurechnen, dass er den erzieherischen Wert der Modellfliegerei erkannte und uns deshalb eine Pachtverlängerung einräumte. Auch allen übrigen Genossamemitgliedern sei an dieser Stelle ganz besonders gedankt. Unter diesen erfreulichen Aspekten war zunächst die Existenz der Gruppe Einsiedeln nicht mehr gefährdet. Ebenso ging es aber auch um die Weiterführung der gewohnten Gepflogenheit, auch auswärtige Piloten fliegen zu lassen.

Wiederum sassen der Obmann, der Aktuar und neu hinzukommend der Flugleiter zusammen. Dies deshalb, weil letzterer über eine grosse Erfahrung im Grundwasserbau verfügt und uns über die zukünftige Beschaffenheit einer neuen Piste im Sumpfgelände Auskunft erteilen konnte.

Man beriet über die wenigen Möglichkeiten, über deren Finanzierung und über die Schwierigkeiten des Materialtransportes in einem sumpfigen Gelände. Anlässlich der GV 1972 wurden dann 3 Varianten vorgestellt. Der Aktuar stellte ein eher pessimistisches Budget vor und erläuterte die Möglichkeiten zur Beschaffung der finanziellen Mittel, sowie deren Rückzahlungen. Durch die freiwillige Zeichnung verschiedener Mitglieder ergab sich die Summe, die mit dem Gruppenvermögen aufaddiert ein Darlehen von Fr. 22 000.— verkünden liess. Damit war auch schon die einzig mögliche Variante, die in dieser Kostenhöhe vorgestellt wurde, festgelegt: Nämlich eine schwimmende Piste.

Der Flugleiter unterbreitete seinen diesbezüglichen Vorschlag in Form von 16 cm dicken, armierten und 50 x 350 cm grossen Platten. Um die Piste 8 x 80 Meter gross zu bauen wurden 368 Platten mit einem Gesamtgewicht von 88 Tonnen benötigt.

Nun folgte die Abstimmung unter den Mitgliedern, ob der Bau bewilligt werde, oder nicht. Ein absolutes Mehr zeigte die Begeisterung der Mitglieder und auch der Vorstand durfte mit Recht Stolz auf dieses Ergebnis sein. Ohne die Mitglieder ist ein solches Bauvorhaben niemals denkbar.

Nach dieser 5-stündigen GV begann das Rätselraten, wie man diese 88 Tonnen Platten von der Strasse her ca. 500 m weit durch den Sumpf transportieren könnte. Es zeigte sich sehr bald, dass kein Fahrzeug diese Last bewältigen konnte, ohne nicht selbst im Sumpf rettungslos zu versinken. Das idealste Transportmittel wäre der Helikopter, stellte man fest und erschauerte gleichzeitig beim Gedanken ...



Fr. 70 000.— dafür aufbringen zu müssen, ohne dass man sie hat. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge liebäugelte man trotzdem mit diesem Gedanken, der, in die Tat umgesetzt, wohl die geringsten körperlichen Strapazen erhoffen liess.

Wiederum setzte der Aktuar ein subtil abgefasstes Gesuch auf, welches via Dübendorf an die Eidg. Militärverwaltung, Bern, gehen musste. Ein Helikoptereinsatz zu Übungszwecken wäre ja denkbar, allerdings mit einer Erfolgsaussicht, die der Stecknadel im Heuhaufen glich. Dass uns gewisse Leute als Fantasten bezeichneten, störte uns weiter nicht, da uns die Chancen bekannt waren. 4 Wochen später kam aus Bern die Nachricht« . . . bewilligen wir ausnahmsweise unter den geschilderten Umständen den Einsatz von Militärhelikoptern!»

Man kann sich unschwer vorstellen, mit welcher Freude wir bei diesen Transportflügen mithalfen.

An dieser Stelle danken wir den Herren Oberst Burkhard, Bern, Major Kolb, Dübendorf, Adjutant Frei, Dübendorf, sowie allen übrigen Piloten und Militärpersonen, welche mitgeholfen haben, ganz besonders.

Es war keine Selbstverständlichkeit, sondern der gute Wille einer Armeespitze, die einen Entscheid fällte, welcher die Modellfliegerei nicht als Spielerei, sondern als wertvolle Freizeitbeschäftigung taxierte. Die zuständigen Armeefunktionäre wussten genau, dass mancher Militärpilot seine Laufbahn mit diesem Hobby begann und z. T. heute noch ausführt. Härte gegen sich selbst, Geduld — viel Geduld sogar und Disziplin, sind nur einige wenige Eigenschaften, die hier zum Erfolg führen.



Die Armee hat uns damit den Schlüssel gegeben unser Vorhaben in die Tat umsetzen zu können. Viele Wochenende opfernten (wenn auch stets dieselben aktiven Piloten!) verschiedene Mitglieder, um die 88 Tonnen Platten zu verlegen, 1200 m Fugen mit Zement füllen und die gesamte Umgebung neu zu gestalten. Neue Tische, neue Zuschauerbänke und viele Quadratmeter der alten Platten mussten an ihren neuen Ort gebracht werden, damit auch wirklich alle trockenen Fusses stehen, oder sitzen können.

Heute sind wir soweit, eine neue Piste mit glatter Oberfläche vorstellen zu können. Eine Piste in 940 m. ü. M., mitten in einer unberührten Natur. Wenn auch die Gehwege noch nicht so sind, wie wir sie haben möchten, so gibt uns das nächste Frühjahr wiederum die Kraft, auch diese kleine Lücke schliessen zu können.

Nun wollen wir Fliegen! W. Bachmann




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