Sport

Interview mit Philipp Schürmann

von Markus Nussbaumer
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Markus Nussbaumer


Wie bist du zum F3P-Fliegen in der Halle gekommen?

Da muss ich ein wenig ausholen. Modellflug betreibt ich durch meinen Vater nun seit ca. 25 Jahren.
Zuerst war ich als Punktrichter in der Klasse F3P tätig, 2010 nahm ich ein erstes Mal als Pilot an der Schweizer Meisterschaft teil.


Welches ist für dich der grösste Unterschied zwischen F3A und F3P Kunstflug, ausser dass F3A im Freien und F3P in der Halle geflogen wird?

Der Windeinfluss, die Fluggeschwindigkeit, in der Halle fliegst du nur in eine Richtung (kein Wind).


Was fasziniert dich am Indoor-Fliegen und ab wann in der Saison beginnst du mit dem Hallentraining?

Die Faszination beginnt hier für mich mit der Konstruktion, dem Bau des Modells und schlussendlich mit dem Zusammenspiel Modell/Mensch im Flug. Für mich muss das Modell nach Flugzeug aussehen.


Erreichen der Perfektion.

Ich beginne meistens im November, bis jetzt konnten wir in der Burkertsmatt einmal in der Woche trainieren. Zwischen Weihnachten und Neujahr bin ich jeweils ca. 4 Tage à 9 Stunden in der Halle, das heisst aber nicht, dass ich die ganze Zeit fliege. Wir sind ein Verein und jeder bekommt genügend Flugzeit. Ich helfe auch gerne den anderen Piloten.


Welchen Trainingsaufwand nimmst du aktuell für die WM auf dich?

Ich bin im Indoor sicher der «Trainingsweltmeister».
Einen grossen, dies ist jetzt vor der Saison noch schwierig zu definieren. Leider haben wir dieses Jahr in der Burkerts-matt nicht so viel Flugzeit wie in den letzten Jahren. Ich werde auf verschiedene Hallen ausweichen müssen. Ich will ready sein für meine «Heim-WM».


Wie lernst du diese Programme auswendig? Das Finalprogramm sieht ziemlich kompliziert aus auf dem Papier...

Für mich sind es im F3P alle zwei Jahre zwei Programme, die ich auswendig lernen muss oder möchte.
Zu Beginn der Trainings sagen wir uns Piloten die Figuren an, bis wir sie auswendig können. Das Ansagen den anderen Piloten hilft dem Auswendiglernen. Die Programme auswendig können ist für mich sehr wichtig, so kann ich mich auf anderes konzentrieren.


Wie gehst du im Training vor?

Es sind immer mehrere Schritte.
Das Flugzeug muss natürlich schon mal eingestellt sein. Das sind je nachdem auch bis zu 50 Flüge. Allenfalls benötigt es bei neuen Programmen div. Einstellungsanpassungen. →
Kommt ein neues Programm, schaue ich dies immer zuerst auf Papier an und mache mir erste taktische Überlegungen. Wie kann ich welche Figur an welchem Ort am besten präsentieren, die Reihenfolge ist ja vorgeschrieben, darum entstehen gewisse Kompromisse, die man eingehen muss. Dann fliegen, bis es auswendig geht, die Figuren sind noch nicht perfekt (Winkel, Radius, Strecken, Rollgeschwindigkeiten)!


Schritt 2:

Ich konzentriere mich auf einzelne Figuren im Programm, fliege aber als Konzentrationsübung immer das ganze Programm.
Auch an die unterschiedlichen Hallen muss man sich wieder gewöhnen, Figuren taktisch ein wenig anders platzieren (Hindernisse wie Basketballkorb, Ringe in den Hallen... oder halt die Lüftung). Jetzt bin ich so weit, das Finalprogramm hinzuzunehmen. Hier gehe ich wieder gleich vor wie mit dem Vorrundenprogramm.
Wenn beides auswendig geht, fliege ich meistens beide Programme hintereinander.
Auf Wettbewerbe hin übe ich dann in gewissen Flügen nur einzelne Figuren, um diese noch besser hinzubekommen/ zu automatisieren.


Wie gehst du an einem Wettbewerb vor?

Jeder Wettbewerb findet in einer anderen Halle statt. Meistens hat man ein bis drei Trainingsflüge zur Verfügung.
Auch hier gehört die Flugtaktik zu meinen Vorbereitungen. Wo hat es Hindernisse, wo allenfalls ein wenig Wind/Luftzug, hier ist Zuschauen bei anderen Piloten Pflicht.
Für mich gibt es dann auch immer eine Flugvorbereitung, dies werde ich nicht genauer erläutern. Wichtig ist es, zur Ruhe zu kommen und nichts Störendes in den Gedanken (Kopf) zu haben. Einige Stichworte: Fokus, Rituale, Zusammenspiel Helfer...


Sind genügend Mehrzweckhallen für die Trainings verfügbar?

Die ist ein schwieriger Punkt. Für einen Trainingsflug von 5 Min. benötige ich eine Dreifachhalle für mich allein. Wenn man es mit Mannschaftssportarten vergleicht, belegen diese die Dreifachhalle in einer Stunde mit 20 bis 40 Personen gleichzeitig.
Idealerweise ist es eine Dreifachhalle mit 9 Metern Höhe. Alles, was niedriger ist, ist eine weitere Herausforderung.
Meine Heimhalle ist die Burkertsmatt, weil ich in der Nähe wohne. Die nächsten Hallen sind das Go Easy in Siggenthal, der Dorfräff in Eschenbach SG und die Sporthalle in Birsfelden, hier habe ich überall Kontakte und treffe mich mit den anderen Schweizer Piloten für Trainings (Aufzählung ist nicht abschliessend).


Bringt für dich das Fliegen in der Halle viel für das F3A-Fliegen im Freien, oder empfindest du es gerade umgekehrt?

Beides!
In der Halle ist die Geometrie einfach zu lernen und abzuspeichern, wie eine Art Flight Coach im F3A.
Vom F3A nehme ich gewisse «Flugstile» von draussen in die Halle mit und nehme sie als Vorbilder, mit dem Ziel meinen Indoor-Flugstil zu verbessern.


So ein Indoor-Modell ist ein richtiges Hightech-Gerät. Wie viel bringt so ein Modell auf die Waage?

Inzwischen sind es wirklich Hightech-Geräte. Angefangen habe ich mit einem Disney, einem Depron-Modell, welches in Holland gefräst wurde, Abfluggewicht war noch um die 90 g. Dann über ein weiteres Depron-Modell aus unserem Verein, den Dolphin, wo ich schon den Kontraantrieb einsetzte, Abfluggewicht um die 80 g. Im Jahr 2014 begann dann das «Wettrüsten» mit Kohlen-Maylar-Modellen. Aktuell fliege ich meine Eigenkonstruktion Phile 2020, die vierte Weiterentwicklung seit 2014, Abfluggewicht 52 g.


Dann ist so ein Wettbewerbsmodell eine kostbare Sache. Was muss man für so ein Modell ausgeben und wie lange hält so ein Flugzeug bei professionellem Umgang?

Ein solches Kohlemodell hält sehr, sehr lange, wenn man Sorge trägt. Hierzu gehört eine Transportkiste, möglichst keine Abstürze.
Da ich ein «Vielflieger» bin, kann ich ungefähr in Flügen sagen:
Version 3 von 2017 bis 2020 über 1000 Flüge von mir, dann ausgeliehen an Kollegen und ½ Jahr im Verkehrshaus ausgestellt. Aktuell bei meinem Vater im Einsatz.
Phile 2020 hat mehr als 2000 Flüge (ich zähle nicht mehr).



Kosten über den Daumen: Motor 536 Euro, Kohle 80 CHF, Maylar 10 Euro, Servo 40 Dollar, Empfänger 50 CHF, Akku 8 CHF pro Stk.


Was empfehlenst du einem interessierten Zuschauer, welchen Zeitpunkt sollte er an der WM nicht verpassen?

Interessant sind aus meiner Sicht die beiden Finaltage (Freitag F3P und Samstag AFM, Aeromusicals) und die Rangverkündungen mit Abschlusszeremonie.
Die Vorrunden am Montag/Dienstag, Mittwochnachmittag und Donnerstagmorgen sind aber auch einen Besuch wert.


Wo stehen die Schweizer Piloten im internationalen Vergleich zur Weltspitze?

Gut, wir haben an der letzten WM in Litauen den 3. Mannschaftsrang erreicht mit zwei Piloten im Finale (Top 10).
Wir Schweizer «pushen» die Szene natürlich auch. Nach der WM 2015 wollten wir näher an die Weltspitze, hierfür haben wir das Swiss Open Indoor Masters (SOIM) ins Leben gerufen, inzwischen sind wir der einzige FAI-Weltcup auf der Welt.
Sylvain Pasini ist im AFM schon länger in der Weltspitze vertreten.


Was würdest du jedem interessierten Modellflugpiloten, welcher sich im Indoor-Fliegen versuchen will, grundsätzlich empfehlen?

Es gibt eigentlich sehr viele Vereine, welche in Turnhallen fliegen, meist zum Spass. Nur findet man diese Vereine nicht so einfach (aus meiner Sicht). Ein einfaches Einsteigermodell ist der Clik, dieser kann meist langsamer geflogen werden als eine Extra, Slik... Meistens kommen die Wände oder die Decke sehr schnell näher.



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