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Festigkeit gegen Inserenten führte zum Erfolg

von Emil Giezendanner
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Wien, 28. Febr. (AFP) Die Krise im deutschen Zeitungswesen sei «zu Ende» und das Anzeigengeschäft erfahre eine «sichtbare Belebung», erklärte am Freitagabend in Wien der Verleger des Blattes «Die Zeit», Gerd Bucerius.


Die Auflage der «Zeit» ist von 258 000 im Jahr 1969 auf 353 000 im Vorjahr gestiegen. Bucerius führte diesen Erfolg auf die redaktionelle Unabhängigkeit dem Verleger gegenüber zurück und gab auch als Grund dafür die Tatsache an, dass das Blatt lieber finanzielle Einbussen hinnimmt, als vor Inserenten in die Knie zu gehen, die mit der Schreibweise unzufrieden sind und deswegen Anzeigenaufträge stornieren.


Liebe Leser,

obige Zeitungsnotiz aus einer grossen Zürcher Tageszeitung würde vom "Normalleser" doch in den meisten Fällen übersehen – das wäre mir wohl auch nicht anders gegangen, wenn ich nicht mit NFS im Verlauf der Jahre ein wenig Erfahrung hätte sammeln können und deshalb in vermehrter Masse auf solche Probleme anspreche. Der kurze Inhalt des Berichtleins sagt zusammengefasst nichts anderes als dass es auf die Dauer besser sei, gegenüber den Inserenten einen klaren und festen Kurs einzuhalten, d. h. die Einflussnahme auf den redaktionellen Teil – oder gar auf andere Inserate – in keinem Fall zu tolerieren. Die Redaktion von NFS ist sich bewusst, dass eine Zeitschrift von diesem Umfang und solcher Druckqualität ohne Inserate zu teuer würde und nicht mehr verkauft werden könnte. Da wir auf Honorare und Redaktionsgehälter verzichten müssen und wollen, können auf diesem Weg Druck- und Versandkosten und Einnahmen einigermaßen im Gleichgewicht gehalten werden. Auch die Administration muss möglichst klein gehalten werden. Das kann hin und wieder zu Verzögerungen oder anderen Pannen führen. Es muss besonders hervorgehoben werden, dass es mit dieser bescheidenen Administration praktisch unmöglich ist, eine aktive Inserat- und Abonnentenwerbung zu betreiben. Deshalb wird NFS wohl nie eine stürmische Entwicklung durchmachen – dafür bleibt es unsere Zeitschrift, und wir können frei von Machtkomplexen informieren, ohne dabei Unabhängigkeit und freie Meinungsäusserung zu beschneiden. Es ist dies eine Aufgabe, die besser als "Gratwanderung" bezeichnet werden könnte, wie sie schon manchen Redaktoren auf allen möglichen Gebieten zum Verhängnis geworden ist, besonders dann, wenn Inserenten oder potentielle Inserenten auf den redaktionellen Inhalt Einfluss nehmen möchten – ein Problem, das heute im Zeitungswesen, aber auch bei Radio und TV beinahe alltäglich geworden ist. "Wer zahlt befiehlt!" Dieses Zitat wird nur allzu oft auch in diesem Zusammenhang gebraucht, was dazu führt, dass die Medien stereotyp, langweilig und uninteressant werden. Man lebt an den Problemen vorbei, Konflikte werden nicht ausgetragen, es entsteht eine heile Scheinwelt, die es nicht gibt, die man jedoch krampfhaft aufrecht zu erhalten versucht. Eine Zeitschrift wird damit aber unglaubwürdig, realitätsfern und verliert alsbald den regen Kontakt zur Leserschaft. Diplomatie ist wohl eine Kunst oder eine Spielart, wenn Sie so wollen, aber nicht etwa eine Tugend. Es ist die Fähigkeit, mit unendlicher Geduld und zahllosen Umwegen schlussendlich doch zur Wahrheit zu finden, ohne die es auch in der Diplomatie nicht geht. Diplomatie ohne Wahrheit, ohne Realitätsbeziehung wäre nichts als ein Lardieren, Verlogtheit, Unehrlichkeit, Angst vor Konsequenzen – ein nie enden wollendes Maskenspiel – eine Kunst um der Kunst willen.


Sie sehen, die Gratwanderung einer Redaktion ist nicht sehr einfach. Einerseits brauchen wir die Inserenten, andererseits ist es nicht damit getan, möglichst häufig die Redaktoren zu wechseln, wie das bei anderen Zeitschriften geschehen ist. Allerdings gibt es immer wieder sehr weitsichtige Firmen, die gerade dort inserieren, wo ihnen der Kontakt zur Leserschaft gewahrt scheint, in jenen Zeitschriften, wo Salz und Pfeffer nicht fehlen, wo Könige ganz "normale" Menschen werden. Und gerade in dieser Beziehung bin ich optimistisch und meine, dass wir weiterhin auf jene verzichten können, die sagen: "Wir würden inserieren, wenn ....". Fortschritt und positive Veränderung geht nicht immer ohne Probleme und beileibe nicht ohne irgendwo anzustossen. Ich glaube jedoch, dass der Schweizer Modellflug Fortschritt verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Emil Giezendanner



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