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100 JAHRE MODELLFLUGGRUPPE ZÜRICH

von Walti Lötscher
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Vom Gummimotor-Segler aus Sperrholz bis zum GPS-gesteuerten Grossmodell, vom Radio-Baukurs zum Whatsapp-Chat: Die Modellfluggruppe Zürich blickt 2026 auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Eine Chronik der Pioniertaten, Weltrekorde und Krisen – und der ungebrochenen Faszination fürs Fliegen.


1926 – drei Visionäre und ein Verein

Am 9. November 1926 trafen sich in Zürich drei Modellbauer: Werner Schramme, Burger und Fellmann. Sie gründeten den Flugzeugmodellbau-Verein (FMBV) – die heutige Modellfluggruppe Zürich. Bereits im Gründungsjahr traten 20 Mitglieder bei. Gebaut wurde damals aus dünnen Kiefernleisten, Sperrholz und Spannpapier; der Antrieb erfolgte meist über Gummimotor. Als nach kurzer Zeit etliche Mitglieder zur manntragenden Segelfliegerei wechselten, fand der kleine Kreis Unterschlupf bei der Segelfluggruppe Zürich, die im Letten ein gemeinsames Baulokal zur Verfügung stellte.



1933 – Aufnahme in den Aero-Club

Das Jahr 1933 markiert einen Wendepunkt: Die Sektion Zürich des Aero-Clubs der Schweiz (AeCS) führte in der Tonhalle die bis dahin grösste Schweizer Flugzeugschau unter dem Titel «Der Flug» durch. Werner Schramme präsentierte dort die erste öffentlich tätige Modellbauwerkstatt. Die Modellbaugruppe Zürich wurde unter dem Dach der Sektion Zürich offiziell aufgenommen. Schon ein Jahr später war sie mit 24 Mitgliedern die grösste Modellbaugruppe der Schweiz.


1936 – 1940 – die Aufschwungsjahre

Im Februar 1936 übernahm Dr. Walter Dollfus die Leitung. Die Gruppe bezog ein eigenes Baulokal an der Seefeldstrasse 4 und löste sich organisatorisch von der Segelfluggruppe. Bereits im selben Jahr führte Arnold Degen über das Mikrofon des Radiostudios Zürich den ersten Radio-Modellbaukurs der Schweiz durch – 1700 Materialbausätze wurden verkauft. 1937 folgte der Bauplan «Shell 1» mit der sensationellen Auflage von über 10 000 Gratisexemplaren – ein frühes Beispiel gelungener Sponsorenarbeit mit der namensgebenden Ölfirma. Der Landessender Beromünster übertrug den zweiten Radiokurs. Die Schweizer Modellflugbewegung war Ende 1940 auf 91 anerkannte Gruppen mit 1466 Mitgliedern angewachsen.



1944 – Schweizer Weltrekord

Am 14. Juni 1944 schrieb MGZ-Mitglied Traugott Haslach Schweizer Luftfahrtgeschichte. Auf dem Langen Zinggen bei Bülach blieb sein Segelmodell «Riesenvogel G41» nach Hochstart 2 Stunden, 21 Minuten und 3 Sekunden in der Luft. Die FAI erkannte den Flug 1945 als Weltrekord an – der erste internationale Modellflugrekord der Schweiz.



1945 – Willy Streil und das Balsaholz

1945 führte der junge Zürcher Modellbauer Willibald «Willy» Streil als Erster das Balsaholz in der Schweiz ein. 1948 gründete er sein legendäres Modellbaugeschäft, das offiziell auf den Namen seiner Frau Christl lief. Modelle wie Cesi, Piccolo oder Bye-Bye wurden in den folgenden 30 Jahren über 150 000-mal an Schweizer Schulen geliefert. «Zu Christl posten» wurde unter Zürcher Modellbauern zum geflügelten Wort. 1988 verkauften die Streils ihr Geschäft an Lisbeth und Markus Wieser, deren Wieser Modellbau GmbH die Tradition bis heute weiterführt.



1958 – 1972 – vom Verlust zum neuen Heim

1958 stimmte das Schweizer Volk dem Ausbau des Flughafens Zürich-Kloten zu – der Modellflugplatz Langer Zinggen war Geschichte. 1967 errichtete die neu gegründete IG ZÜBÜ in Niederhasli unter MGZ-Mitglied René A. Schnorf eine Hartbelagpiste ausschliesslich für RC-Modelle. Die Freude währte kurz: Bereits ein Jahr später verbot die Gemeinde Oberhasli den Modellflug mit Verbrennungsmotoren. Erst 1972 kam die erlösende Nachricht: In Buchberg/Eglisau wurde ein neues Fluggelände gefunden – bis heute die Heimatpiste der MGZ.


1977 – selbstständiger Verein

Mit neuen Statuten löste sich die MGZ als Untergruppe vom AeCS und wurde eigene juristische Person. Statt eines Obmanns übernahm fortan ein Vorstand unter einem Präsidenten die Führung. Die Reorganisation kostete kurzfristig Mitglieder, legte aber das Fundament für die heutige Vereinsstruktur.



1986 – 1990 – Modellflug mitten in Zürich

1986 erhielt die MGZ die Bewilligung, eine Modellflugveranstaltung auf der Allmend Brunau – mitten in der Stadt Zürich – durchzuführen. Die Zürcher Modellflugtage wurden 1988 und 1990 mit grossem Erfolg wiederholt. Radio 24 berichtete live, und der österreichische F3A-Weltmeister Hanno Prettner zeigte sein weltmeisterliches Kunstflugprogramm.


1997 – 2015 – Flying Circus und WM-Training

Ab 1997 etablierte sich mit dem Flying Circus Eglisau eine alle zwei Jahre stattfindende Flugschau – inklusive Rundflüge mit einem mannttragenden Grosshelikopter. 2004 revolutionierte die 2,4-GHz-Funktechnik den Modellflug: keine Quarzkristalle mehr, keine Frequenztafeln am Platz. 2006 trat die MGZ nach 73 Jahren aus dem Aero-Club Zürich aus und konzentrierte sich fortan auf die Modellflugregion Nordostschweiz (NOS). 2015 stellte sie ihre Piste den Teams aus rund 40 Nationen als Trainingsgelände für die F3A-Weltmeisterschaft in Dübendorf zur Verfügung.


2026 – 100 Jahre und kein bisschen leise

Stand Januar 2026 zählt die MGZ 94 aktive und passive Mitglieder. Ehrenmitglied Heinz Polster sorgte dafür, dass oberhalb des Flugplatzes der nach ihm benannte «Heinz-Polster-Platz» mit Grill, Tisch und Bänken entstand. Im Winter wird in drei Hallen indoor geflogen; an den Dienstagabenden schleppt das Power-Schlepp-Team Grosssegler bis zum Sonnenuntergang. Die Wettbewerbsteilnahme konzentriert sich auf GPS-Dreiecksflüge, Segel-Akro und F3A – Disziplinen, an deren vorderster Front die MGZ wieder mitfliegt.

Vieles hat sich in 100 Jahren geändert: vom Sperrholz zum Carbon, vom Gummimotor zum Brushless-Antrieb, vom Vereinsbulletin zum WhatsApp-Chat. Eines aber ist geblieben: die Faszination des Fliegens, das Tüfteln und Basteln, die Kameradschaft unter Gleichgesinnten. Auf die nächsten 100 Jahre. ■

Walti Lötscher, Modellfluggruppe Zürich · www.mgzh.ch

Die vollständige Chronik online lesen:

mgzh.ch/geschichte/100-jahre-mg-zuerich




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