Jugend

KOMMUNIKATION DER GENERATIONEN

von Julia Bucher
4

Wie in so vielen Vereinen ist es auch im Modellflug ein grosses Thema: «Die Vereine überaltern, wir brauchen Nachwuchs.» Viele Vereine haben schon einiges versucht, wenige Erfolgsgeschichten sind auch bekannt und veröffentlicht worden, wie zuletzt ein Bericht von Adrian Amrein der Modellfluggruppe Willisau bewies.


Diese animieren zum Nachahmen, doch nicht alle können von solchen Erfolgen berichten, und immer wieder steht die Frage im Raum: «Wieso?» Sind die Jungen heute wirklich alle lieber drinnen am PC, haben sie kein Interesse an der Aviatik, sind sie von der Technik schlichtweg überfordert, oder ist es vielleicht ein viel komplexerer Grund? Was für mich zu 100% klar ist, es sind viele Faktoren, die mitspielen. Einer der wohl relevantesten sind die Unterschiede in der Kommunikation zwischen den Generationen.

Wie das bekannte Zitat von Heraklit so schön sagt: «Nichts ist so beständig wie der Wandel.» So auch die Kommunikation. Die Interessen der Jugend verlagern sich, und die Zeit wird immer stärker ausgefüllt, sei es mit Schule, Arbeit, Weiterbildung, Familie oder Hobbys. Umso relevanter wird es, als Verein und Gemeinschaft aktiv auf den Nachwuchs zuzugehen.


Unterschiedliche Kommunikationskanäle

Während die älteren Generationen häufig persönliche Gespräche oder Telefon bevorzugen und sich über klassische Informationskanäle wie Zeitungen und Magazine informieren, finden sich die jüngeren Generationen eher in der Kommunikation über digitale Medien wie Messenger (Whatsapp-Chats & -Communities), soziale Medien (Instagram, Tiktok, Snapchat) oder Onlineplattformen wie den RealFlight-Simulator, wo sie auch ihre Informationen sammeln.

Die Folge: Informationen erreichen ein jüngeres Publikum oft nicht, wenn sie nur über klassische Kanäle verbreitet werden.


Unterschiedliche Sprache und Ausdrucksweise

Über jede Generation ändert sich die Ausdrucksweise, aktuell stark geprägt von der Globalisierung, finden sich viele englische Worte im täglichen Wortgebrauch, in Nachrichten werden Emojis 🤔❤️👍 oder Abkürzungen benutzt, die für Ältere unverständlich sein können. Umgekehrt wirkt der Kommunikationsstil von Erwachsenen auf Jugendliche manchmal langatmig oder unnahbar, es entstehen Zweifel, wenn ein falsches oder kein Emoji gebraucht wird: «Ist die Person wütend? Habe ich etwas falsch gemacht?» Auch technische Begriffe aus dem Modellbau können eine Hürde sein, wenn sie nicht niveaugerecht erklärt werden.


Verschiedene Werte und Interessen

Junge Menschen interessieren sich oft für schnelle, visuelle Erlebnisse, neue Technologien oder Action, wohingegen die Werte der älteren Modellbauer vermehrt Geduld, Präzision und das handwerkliche Bauen sind. Die verschiedenen Aspekte des Modellbaus sprechen die diversen Altersgruppen unterschiedlich stark an – was ein erhöhtes gegenseitiges Verständnis fordert. Am besten ist dies von Jung und weniger Jung mit einer gesunden Portion Neugierde und Offenheit für sein Gegenüber anzugehen.


Verschiedene Lern- und Informationsgewohnheiten

Während ältere Generationen oft am liebsten durch Anleitungen, Bücher oder persönliche Weitergabe von Wissen lernen, da sich dies in den letzten Jahren trotz Informationsflut im www bewährt hat, suchen junge Generationen Infos lieber in Youtube-Videos, Tutorials, Podcasts, digitalen Communities und Foren. Was sich durch alle Generationen zieht, ist die beliebte



«Trial-and-Error»-Strategie! Fühlst du dich von dieser Aussage nicht auch gerade angesprochen? Ich auf jeden Fall!

Hier alle zu erreichen ist nicht möglich, doch gerade für Vereine ist es relevant, auch online eine starke Präsenz zu haben, eine Webseite ist nicht selten ein erster Kontaktpunkt, eine Visitenkarte, die darüber entscheiden kann, ob ein potenziell neues Mitglied den Schritt wagt, persönlich in Kontakt zu treten.


Unterschiedlicher Umgang mit Kritik und Autorität

Durch Autorität und Klarheit konnte früher in vielen Situationen Ordnung geschaffen und Wissen vermittelt werden. Heute ist die Welt deutlich schneller, vernetzter und komplexer geworden. Junge Menschen wachsen ganz anders auf, sie sind in einer Informationsflut mit globalem Austausch und in Selbstbestimmung aufgewachsen. Sie haben ein starkes Bedürfnis, ernst genommen zu werden und sich auf Augenhöhe austauschen zu können. Das bedeutet nicht, dass man ihnen keine Richtung geben darf – wie man das tut, ist entscheidend. Wenn heute Jugendliche nur belehrt oder zu stark gesteuert werden, fühlen sie sich nicht respektiert und verlieren die Freude an der Sache, da sie nicht mehr «ihres» ist. Wenn ihnen aber zugehört wird, sie ernst genommen werden, dann sind sie offen für die Erfahrung und Inputs der älteren Generation. Das heisst, wir brauchen eine Verbindung zu einer neuen Person, bevor wir etwas vermitteln.

Für etwas begeistert werden funktioniert am Besten, wenn man spürt, dass man gesehen wird, wie man ist.


Was braucht es sonst noch? Was beschäftigt uns Modellpiloten und -pilotinnen aktuell? Schickt mir eure Gedanken, die ich in weitere Beiträge einfließen lassen kann!

Lasst uns gemeinsam fliegen – heute, morgen und für die nächste Generation. ■

Julia Bucher

Whatsapp-Community und
Modellflug-Kompetenzcenter Schweiz



Alle Kategorien anzeigen

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge



}
An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙