Sport

Geschichte des Indoor-Kunstflugs ...

von Jürgen Heilig
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Bis in die späten 80er-Jahre fand Modellflug überwiegend im Freien statt und im Winter wurde gebaut. Natürlich gab es auch schon die ersten Modellflug-Simulatoren, aber da fehlte irgendwie doch der Reiz des wirklichen Modellfliegens. Wenn man einfach im Winter drinnen fliegen könnte...


Waren es Anfang der 90er-Jahre nur wenige Spezialisten, überwiegend aus die Modelle für den Indoor-Kunstflug entwickelten. Sein «Hightech»-Antrieb bestand 1998 aus einem kugelgelagerten Bürstenmotor, einem 5:1-Eigenbaugetriebe, einer selbstgebastelten Holzluftschraube und einem 9-zelligen 110-mAh-NiCd-Akku. Damit war der Grundstein gelegt für die sogenannte Torque-Rolle, bei der das Modell senkrecht am Propeller hängt.



Entwicklung der Modelle von 2001 bis 2010 (Bilderreihe) und erste Wettbewerbe

Der Deutsche Modellfliegerverband (DMFV) hatte schon früh das Potenzial zum Modellsport erkannt und organisierte 2001 die erste Deutsche Meisterschaft im Indoor-Kunstflug. Eine präzise Rolle, ein runder Looping oder eine halbe kubanische Acht stellten für die damaligen Modelle mit Bürstenmotor und NiCd-Akkus bereits das Limit dar. Da es zu diesem Zeitpunkt fast keine kommerziell erhältlichen Konstruktionen gab, wurde mit allerhand mehr oder weniger geeignetem Fluggerät teilgenommen. Die Modelle waren so schwer, schnell und träge, dass man, mit Ein- und Ausflug, die gesamte Länge einer Dreifach-Sporthalle benötigte. Aber ein Anfang war gemacht und weitere Wettbewerbe boten Anreize, Technik und Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Bereits 2002 tauchten die ersten Lithium-Polymer-Akkus von Kokam auf. In Verbindung mit den ersten kleinen Brushless-Motoren wurde ein weiterer Meilenstein gesetzt. 2003 wurde erstmals ein sogenanntes AeroMusical (Freestyle-Kunstflug nach Musik) im Rahmen der DM Indoor Kunstflug geflogen und aufgrund des grossen Zuspruchs dauerhaft etabliert. Als FAI-Klasse-F6B-AeroMusicals geführt, war sie eine von nur drei Modellflugklassen bei den World Air Games 2009 in Turin. Kaum eine andere Disziplin ist besser geeignet als Werbung für unseren Sport. Selbst Menschen, die sich überhaupt nicht für Technik und Fliegerei interessieren, sind von den Vorführungen begeistert, die ein positives Image hinterlassen. Öffentliche Akzeptanz für unser Hobby ist heutzutage vielleicht wichtiger denn je.

Angelehnt an F3A, wurde für den Indoor-Kunstflug zunächst der Begriff F3AI verwendet und es wurden die Klassen F3AI-A und F3AI-B geflogen. Mit diesen Begriffen wurde Ende 2004 der Indoor-Kunstflug der FAI (Fédération Aéronautique Internationale) präsentiert und als Ergebnis wurde die zunächst provisorische Klasse F3P-Indoor-Kunstflug mit Motormodellen geschaffen.

Die eingereichten Vorschläge waren nun sogenannte Wendefigurenprogramme und die Flüge wurden ab jetzt kontinuierlich bewertet. Die Zeit der «Leerflüge» zwischen einzelnen Figuren war damit vorbei, was nicht nur bei den Piloten, sondern auch bei den Punktrichtern für zusätzlichen Stress sorgte.



Internationale Wettbewerbe

Als Herausforderung galt Ende 2002 der experimentelle F3A-Indoor-Wettbewerb in Carvin/Frankreich, wo man sich mit absoluten Spitzenpiloten wie Christophe Paysant-Le Roux, seinem Bruder Benoît und anderen Kaderpiloten messen konnte. Als schwierigste Wahlfigur gab es bereits einen Rollenkreis mit drei Rollen! Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass man nach Carvin zu einem Wettbewerb fuhr. Das letzte Event fand 2007 statt.

Nach ein paar Jahren Pause wurde 2010 das Indoor Tournament of Paris (IITOP) ins Leben gerufen. Mit kreativen Plakaten lockte es internationale Spitzenpiloten in die Nähe der französischen Hauptstadt. Man konnte die aktuellen Modelle und Antriebe live erleben, und die gemeinsamen Abendessen in der Halle waren stets ein Erlebnis.

Die erste Weltmeisterschaft 2013 in Coburg war ein weiterer Meilenstein. Erstmals trafen sich nicht nur Modellflieger aus Europa zu einem Indoor-Kunstflug-Wettbewerb. Es war ein Mega-Event, richtungsweisend für nachfolgende Weltmeisterschaften. Die Entwicklung von Koaxial-Antrieben und Carbon-Mylar-Modellen deutete sich an.



Mit der ersten Weltmeisterschaft kam allerdings auch das Ende des IITOP, letztmalig 2014 vor der WM in Polen (2015). Danach griffen die Schweizer die Idee eines internationalen Wettbewerbs auf, in Form der Swiss Open Indoor Masters (SOIM). Im FAI-Kalender als F3P-World-Cup-Wettbewerb eingetragen, etablierte sich dieses Event nicht nur als Austragungsort der schweizerischen Meisterschaft, sondern auch als populärer Wettbewerb, um sich für die eine oder andere Nationalmannschaft zu qualifizieren.

Im Rahmen der F3P-Weltmeisterschaften wurden im Anschluss immer sogenannte Challenges in der Klasse F3P-AFM (Aerobatics Freestyle to Music) durchgeführt, aber erst seit der WM 2019 in Heraklion können Piloten auch ausschliesslich in dieser Klasse starten, und es werden Weltmeistertitel vergeben.

In dieser Klasse, die besonders für Zuschauer und Medien interessant ist, können die Piloten ihr ganzes modellfliegerisches Repertoire zur Musik ihrer Wahl präsentieren. →



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