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Scalemodell- Weltmeisterschaft 1972

Bericht über die zweite Scale-WM 1972 in Toulouse aus Schweizer Sicht

von
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Zum zweiten mal trafen sich in Toulouse die weltbesten Scalemodellbauer, um in fairem Wettkampf ihren Weltmeister zu ermitteln. Wie vor 2 Jahren in Cranfield (England) war auch dieses Jahr eine kleine Vertretung aus unserem Lande mit dabei.


Dienstag, 1. August. Angeführt von Teammanager E. Wellenzohn machte sich unsere kleine Karawane mit den Piloten Dr. J. Ammann, W. Ruegger, den Modellen Swordfish Mk-2, Polikarpov Po-2 und dem Mechanikerduo L. Rosenasl / F. Meier samt allen Ehefrauen auf den langen Weg nach Toulouse. Nach 600 km, Ankunft am Etappenort Montelimar und nach Zimmerbezug wohlverdientes Nachtessen und gemütliche 1. Augustfeier in einer für diese Gegend typische Beiz.

Mittwoch, 2. August, Montelimar—Toulouse. Nach anstrengender Fahrt im grössten Ferienverkehr Ankunft um ca. 15.30 auf dem Gelände der Schule für Zivilluftfahrt, ca. 5 km südöstlich von Toulouse. Allgemeine Begrüssung, besonders herzlich bei alten Bekannten. Nachher Belegung der Zimmer und anschliessend Aufstellen der Modelle. Für die statische Schau stand die Turnhalle der «Ecole Nationale de l'Aviation Civile» zur Verfügung. Jede Nation hatte ihre eigenen Tische, gekennzeichnet durch die jeweilige Landesflagge. Schon der erste Augenschein zeigte, dass alle ausgestellten Modelle absolute Spitzenklasse waren. Interessante Feststellung: Praktisch jede Mannschaft hatte ein Modell bei sich, welches schon in Cranfield dabei war. Damit hat sich der Einwand der Amerikaner bestätigt, dass der WM-Turnus von 2 auf 4 Jahre verlegt werden sollte, weil 2 Jahre für den Bau und das Einfliegen eines Scalemodelles einfach zu kurz seien.

Donnerstag, 3. August. Baubewertung. Mit grosser Verspätung wurde mit der Bewertung begonnen. Die ausgeloste Reihenfolge konnte nicht lange eingehalten werden, da sich viele Konkurrenten von ihren Plätzen entfernt hatten. Nach der Mittagspause kamen unsere Modelle an die Reihe, nachher wieder tatenloses Umhersitzen, denn die Information spielte sehr schlecht und man wusste nie was in der nächsten Stunde passieren sollte. Die Bewertung der Modelle war äusserst korrekt, nur etwas umständlich, hauptsächlich das Ausmessen der Modelle mit den Scalemessstäben brauchte viel Zeit. Dazu möchte ich noch beifügen, dass am Münchner-Kindl-Pokalfliegen die Massbewertung viel präziser war, auch konnte mit den Gross-Schiebelehren die Toleranzgrenze besser ermittelt werden.

Freitag, 4. August. Baubewertung und Trainingsflüge. Die restlichen Modelle wurden noch geprüft und gegen Mittag Bekanntgabe der Rangliste. Höchste Punktzahl erreichte Terry Melleney aus England, mit 2380 Pkt., dichtgefolgt vom Amerikaner Roth mit 2376,5 Pkt. Freudige Genugtuung im Schweizerlager; für die Po-2 liegt mit 2094,6 Pkt. noch alles drin, während der Swordfish mit 1868,5 Pkt. doch etwas zurückgefallen ist. Ab 15.00 Freigabe der Piste für Trainingsflüge. Nur die Schweden, Deutschen und unsere Leute sind auf dem Platz. Die Modelle haben die lange Reise gut überstanden, die Flüge der Po-2 geben zu keinerlei Befürchtungen Anlass und trotz der grossen Hitze lief der Motor einwandfrei. Der Swordfish war seit dem Absturz in München nicht mehr in der Luft und musste stark nachgetrimmt werden. Nach dem 3. Versuch hatte Dr. Ammann das Modell wieder sicher in der Hand, nur der Motor wollte nicht rund laufen. Grosses Pech hatte der Deutsche Heinz Simon, beim Landeanflug kam seine Me-163 zu weit links und knallte in eine Fahnenstange. Fazit: Tragfläche angebrochen, Motor ausgerissen und einen Riss im Motorgehäuse. Mit beispielhaftem Einsatz und einer Nachtschicht wurde das Modell repariert und war anderntags wieder klar zum Einsatz.

machen seiner Po-2 aufgerufen und in der Zwischenzeit fliegt der Schwede Levens-tam mit seiner «S. E. 5a» ein sauberes Programm. Jetzt sind wir an der Reihe. Motor anwerfen, fein einstellen, aber beim Hochhalten stirbt der Motor. Das gleiche nochmals, nur mit einer etwas fetteren Einstellung. Taxi und Start gelingen einwandfrei und mit auf Halbgas laufendem Motor steuert W. Ruegger das Modell durch die Figuren. Beim Sinkflug zum Touch and go bleibt der Motor stehen und Landung im 50 m Kreis. Mit grosser Spannung wird der Start vom Raketenjäger Me-163 erwartet. Anfänglich ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Motor, aber nach einem Kerzenwechsel klappt es. Nach einem sauberen Start lässt das Modell das Fahrwerk fallen und schiesst steil in den Himmel. Flüssig und weit ausholend fliegt der Pilot Heinz Simon das Programm und landet das Modell wirklichkeitsgetreu mit abgestelltem Motor im 25 m Kreis. Der weitere Wettbewerbsablauf blieb uns verborgen, denn der Motorabsteller beim Po-2 liess uns keine Ruhe. In mehreren Testläufen wurde der Flugverlauf rekonstruiert und nach ca. 7 Minuten Laufzeit mit leicht nach vorn geneigtem Rumpf blieb der Motor immer wieder stehen. Zuerst dachten wir an falsche Luft oder ein Schäumen des Treibstoffes. Der wirkliche



Samstag, 5. August. Es gilt Ernst. Startfreigabe um 9.00. Wird wieder einen heissen Tag geben, die Piste flimmert schon jetzt vor Wärme. M. Hester aus den USA hat Los Nr. 1 gezogen und eröffnet mit seiner «Ryan ST Special» die Flugkonkurrenz. Das zweite Modell, die «Percival Proctor» von Roy Yates, England, macht schon beim Start einen unsicheren Eindruck und bei der anschliessenden Rechtskurve stürzt das Modell ab. Totalbruch. Durch den Lautsprecher wurde W. Ruegger zum Bereit-

Grund: Das Tankpendel war zu lang und nach einem gewissen Treibstoffverbrauch und bei dem hochangesetzten, langgezogenen Sinkflug lag das Pendel frei: Nach einer Kürzung von 2,5 cm lief der Motor dann 13 Minuten voll durch. In der Zwischenzeit war Dr. Ammann mit dem Swordfish am Start, musste aber Fehlstart melden, denn der Motor wollte nicht in der vorgeschriebenen Zeit anspringen.

Nach der Mittagspause wurde der 2. Durchgang gestartet und zwar in umgekehrter Reihenfolge. Dr. Ammann hatte einen guten Start, doch beim Anfliegen der Figur Acht klemmt der Motor und Landung ausserhalb der Piste. Gegen 17.00 war die Reihe am Po-2. Keine Schwierigkeiten mehr mit dem Motor und W. Ruegger fliegt ein viel beklatschtes Programm mit einer sanften Landung im 25 m Kreis. Durch diesen gelungenen Flug rückte W. Ruegger im Zwischenklassement auf Platz 4 vor, während Dr. Ammann Platz 10 belegte.

Sonntag, 6. August. Finale. Was sich schon am Samstag abgezeichnet hat, finden wir am Sonntag bestätigt. Das Wetter hat umgeschlagen, ein kräftiger Wind wehte aus Süd-Osten. M. Hester startet als Erster und mit einem ausgezeichneten Flug macht er 3267 Pkt. Als nächster sollte der Schwede Levenstam auf die Piste, aber wegen einer Störung an der Anlage wurde forfait gegeben. W. Ruegger am Start, aber bei dem starken Wind war es unmöglich, mit dem Po-2 quer zur Piste zu rollen und wegen Zeitüberschreitung wurde Fehlstart gemeldet, doch darf der Flug am Schluss nachgeholt werden. Heinz Simon erreichte mit einem Wunderflug die höchste Punktzahl und damit auch den Weltmeister. Auch Melleney hat Rollschwierigkeiten und nach

einer langen Debatte mit der Jury wird bewilligt, dass der Mechaniker das Modell an der Flügelspitze führen darf. Trotz des starken Windes fliegt der Engländer das Programm einwandfrei durch. Dr. Ammann hatte wiederum einen sehr guten Start, aber der Motor machte einmal mehr nicht mit und mit einem urwüchsigen «Gottverdeckel» quitierte der Pilot seine Enttäuschung. Um 16.00 darf W. Ruegger seinen Flug nachholen, der Wind bläst noch kräftiger, 6—8 m/sek. Mit meiner Hilfe als «Führungsmann» gelingt das Taxi einigermaßen, der Start war sauber, sonst alle Figuren vom Winde verweht. Gegen 17.30 Siegerehrung auf dem Platze und mit einem echt französischen Bankett Abschluss der WM 1972. FM.


WORLD SCALE CHAMPIONSHIPS (RADIO CONTROL)
Pl.NameNationAircraftFidelityCraftComplexityStatic Judging Total1st Flt.2nd Flt.3rd Flt.Score TotalEngine R/C
1H. SimonGermanyMe 163B9858672602112(3396)(3681)37865698 OS 61/Varioprop
2T. MelleneyU.K.DH Moth Minor1125996.5258.52380(2397)3370(3235)5750 HP 61/Futaba
3M. HesterU.S.A.Ryan STA8757313771983(3264)(3190)37625745 Webra 61/EK pro
4B. KluppGermanyPiper Arrow1003.58932872183.53182(3038)(2331)5365.5 Webra 61/Simprop
5J. RothU.S.A.Evans VP11041048224.52376.5(2713)(2941)29895365.5 Ross Twin/Kraft
6W. RueggerSwitzerlandPo-2966.1792.53362094.6(2285)3230(2200)5324.6 Enya 61/Kraft
7B. WischerU.S.A.Piel Emeraude102196728422722912( 705)(1464)5184 Ross Twin/Royal
8F. EbermayrGermanyN.A. T-286585781741410(3068)3430(2660)4840 Super Tigre G 60/Rowan
9M. ReevesU.K.Airmark Cassutt10667302362032(2323)(2072)24954527 HP 61/Futaba
10J. LevenstamSwedenS.E. 5a639.5468233.513412345(2254)(1258)3686 Veco 61/Micronic
11C. JonesSouth AfricaRyan STA988896.53762260.5------11343394.5 Webra 61/EK Pro
12J. StromqvistSwedenN.A. P-51 Mustang698547.5242.51488---(1333)18623350 HP 61/Logictrol
13R. YatesU.K.Percival Proctor952.5715229.51897.51156------3053 Merco 61/Skyleader
14J. AmmanSwitzerlandFairey Swordfish809702.53571868.5---1145(1125)3013.5 Webra 61/Multiplex
15J. LyrzellSwedenBHT-1822681275.51778.5------1651943.5 HP 61/Digiplex
16R. FouquereauFranceCAP-107134641891366215------1581 Super Tigre G 60


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