Sport

25. Freiflugseminar in Gretzenbach

von Urs Muntwyler
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Der Vorsitzende der Freiflug-Fachkommission, Michael Bleuer (MG Rüttenen), begrüsst am 1. Februar 2024 am 25. Freiflugseminar eine gestiegene Zahl von Teilnehmenden. Am Vormittag stellte Freiflugseminar-Organisator Christian Gugger Saalflug-Baudetails vor.


Freifluggelände gesucht

Neue Themen am Morgen waren Nachwuchsgewinnung im Freiflug und zusätzliche Freifluggelände. Dazu wurde je ein SWOT-Diagramm präsentiert und es wurden Inputs für den Nachwuchs und mögliche Freifluggelände gesammelt. Die traditionelle Modellbörse bietet speziell Newcomern günstige Modelle und Zubehör.


Rückblick auf erfolgreiche Freiflugsaison und Ausblick 2025

In das Nachmittagsprogramm führte Michi Bleuer ein. Er dankte die guten Resultate im Freiflug an der EM 2024 (zwei 3. Plätze im Einzel durch Christian Andrist und im Team in F1A und ein 4. Platz im Team in F1B) in sehr starken Teilnehmerfeldern und weiteren Wettbewerben. Bleuer stellte Aktivitäten für den Freiflughnachwuchs vor. Hier kann nun auf die Vorarbeit von 2024 zurückgegriffen werden. Bereits aufgeschaltet sind die Freiflugwettbewerbe. Darunter ist auch der 62. Losterfer Anfängerwettbewerb am Samstag, 15. März 2025. Dieser Wettbewerb richtet sich speziell an Einsteiger und wird jährlich ausgerichtet. Bleuer appellierte an die Freiflieger, geeignete Freifluggelände zu melden. Die Freiflugkommission Fako wird dann die Evaluation vor Ort durchführen. Am dringendsten ist das im Hangflug (Magnetflug) F1E, hier eignet sich bereits ein leicht abfallender Hang ohne Hindernisse. Durch die hohe Flugleistung moderner Hangflugmodelle reichen 100 m Überhöhung bei guter Anströmung. Mehr Platzbedarf und daher zunehmend schwieriger ist der Geländebedarf im F1A/B/C und Q. Hier ist eine grosse freie Fläche mit 1×2 km (in Windrichtung) gesucht. Auch beim Saalflug wird nun eine grosse Halle (3-fach-Turnhalle etc.) für die Wettbewerbe und das Training gesucht. Mögliche Gelände können der Freiflugkommission gemeldet werden. Weltmeister Lauri Malila stellten die Möglichkeiten vor, hochbelastbare Hochstartschnüre für die Kategorie F1A (Segler mit Hochstart) zu bauen. Durch sehr hohe Beschleunigungen von bis 200 km/h ergeben sich sehr hohe Belastungen von bis 40 kg – bei einem Modellgewicht von etwa 410 g (!). Die Kräfte erreichen 15–20 G. Eine gute Leine ist entscheidend für den Wettbewerbserfolg. Sie trägt auch zu höherer Sicherheit des Piloten bei. Die besten Leinen-Superlines gibt es von Jari Valo (Fin), mit 150 bis 250 Pfund. Sie werden in den USA hergestellt und nur im Freiflug eingesetzt. Die Leinen aus Fischerläden sind für Hochleistungspiloten eher nicht geeignet. Oftmals wird im Ausland auch «Spectraline» verwendet. Dominik Andrist stellte Varianten zur Herstellung der Leine vor. Dazu gehört der Übergang zum Griff auf der einen und dem Hochstartring auf der anderen Seite. Der Griff muss leicht sein und schnell losgelassen werden können. Hier setzen Schweizer Freiflieger-F1A-Piloten auf Griffe aus dem 3D-Drucker mit zusätzlichen Verstärkungen (Lauri Malila) und einer kleinen Kunststoffkugel (Dominik und Christian Andrist). Eine neue, höher belastbare Variante ist das Spleissen, anstelle der traditionellen Knoten. Knoten sind für die Belastungen im Hochstart nicht mehr ausreichend stabil. Die Spleissung wird mit UHU PVC Weiss verklebt. Vor dem ersten Benutzen wird die Leine vorgedehnt (3× ausziehen mit voller Kraft – ca. 30 kg, ca. 30 Sekunden lang), der Knoten/die Spleissung muss regelmässig geprüft werden. Ergibt sich ein Knoten in der Benutzung, wird die Leine reissen. Schmutz und Staub nutzen die Leine ab. Die Leine muss daher regelmässig ersetzt werden. Hochleistungspiloten wechseln die Schnur alle paar Dutzend Starts. Unser F1A-Weltmeister, Lauri Malila (MG Breitenbach), hat bis 20 zu Leinen zur Auswahl an einem Wettbewerb.



Elektro-Freiflug F1Q

Die neue FAI-Freiflugkategorie F1Q (Segler mit Elektroantrieb) wurde vorgestellt von Urs Muntwyler, Nationalmannschaftsmitglied in F1Q. Muntwyler zog einen weiten Bogen vom Elektromodell «Silentius» von Graupner von 1960 zu den modernen F1Q-Modellen. Grundlage dieser Modelle sind die Lithium-Batterien, eine hervorragende Grundlage für den Modellflug. Schwieriger ist die Beschaffung dieser Modelle. Wie bei vielen modernen Freiflugklassen ist der Selbstbau schwierig und es gibt kaum Bausätze. Für den Wettbewerbseinsatz sind daher Lieferanten wie Serg Vorvihost (UKR) und Mihaly Varadi (HUN) erste Adressen. Muntwyler stellte deren Modelle und ihre Konstruktionsparameter vor. F1Q-Modelle erhalten eine begrenzte Energie zum Steigflug von klassisch 2 J/g Fluggewicht. Dies bis 550 g Maximalgewicht. Für ein 450 Gramm schweres Modell ergibt das eine Energiemenge von 900 J, die maximal 20 Sekunden lang ungesetzt werden kann. Dies ergibt einen schnellen, korkenzieherähnlichen Steigflug auf bis zu 100 m. Für die F1Q-Klasse gibt es einen Einstieg über kleinere Modelle der E20- und E36-Klasse (F1S). Diese Modelle sind viel kleiner, leichter und können selbst gebaut werden. F1Q hat auch den Vorteil, dass kleinere Fluggelände benutzt werden können. So kann der Steigflug jederzeit mit der Funkbremse gestoppt werden. Trainingsflüge mit 1 J/g gehen bis 40 m Höhe, was gut zu kleineren Fluggeländen passt. Noch gibt es kaum Piloten/-innen in der Schweiz, die F1Q fliegen. Dies ist eine Chance für Newcomer, die auch international Wettbewerbe fliegen wollen.



Saalfflug

Die nächsten Präsentationen waren dem Saalfflug (F1D) gewidmet. Freiflugseminar-Organisator Christian Gugger stellte vor, wie er superleichte Saalfflugpropeller baut. Der versierte Freiflieger Dieter Siebenmann zeigt dann im Detail, wie man einen solchen Propeller mit einer Form und Reling und Bor- und vor allem Kohlenfasern baut. Das Gewicht eines Blattes von ca. 20 cm Länge ist im Bereich von 0,09–0,12 Gramm. Siebenmann, der Autor des theoretischen Fachbuchs «Gesammelte Werke» seiner Artikel in der Fachzeitschrift «Thermiksense», dozierte am Schluss der Veranstaltung über den Saalfflug aus wissenschaftlicher Sicht. Siebenmann legt dar, dass auch Flieger mit V-Form den Fliegern mit flachem Mittelflügel und «Ohren» ebenbürtig sind. Für Anfänger sind Flieger mit etwas mehr Gewicht vorteilhaft. Entscheidend sind der Propeller und die Auswahl des Gummis. Im Saalfflug (F1D) fliegt das 55 cm grosse Modell mit der Energie aus 0,4 Gramm Gummi bis zu 30 Minuten lang. Dabei ist der Profilwiderstand des Propellers dominant gegenüber dem induzierten Widerstand aufgrund der tiefen Reynolds-Zahl. Ein grosser Winkel des sehr langsam fliegenden F1D bis 45 Grad ist am besten. Weil der Bereich im Innenbereich des Propellers vorwiegend Widerstand ist, werden die F1D-Propeller mit einem längeren Rohrholm gebaut und das Propellerblatt beginnt erst nach einigen Centimetern des Durchmessers.

Christian Gugger schliesst um 17.00 Uhr das erfolgreiche Freiflugseminar, das mehr Mitglieder hatte als je zuvor in den letzten 10 Jahren, mit dem Aufruf: «Baut Saalfflieger»!




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