Sport

Flight Coach

von Matthias Bosshard
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Die meisten bekannten Kunstflugpiloten trainieren allein oder mit einem eingespielten Helferteam, jedoch kaum einer mit einem Punktrichter, der die Figuren begutachtet und Rückmeldungen zu Fehlern oder Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Das kann dazu führen, dass man ständig dieselben Fehler oder Ungenauigkeiten fliegt, ohne dass man darauf hingewiesen wird. Deshalb nutzt eine rasch zunehmende Zahl von F3A-Piloten technische Hilfsmittel zur Steigerung der geometrischen Genauigkeit der Figuren.


Hard- und Software

Der Flight Coach gehört zu einer Familie von Softwaretools, die entwickelt wurden, um einen Flug eines ferngesteuerten Modells zu protokollieren und zu überprüfen. Es wurde für Kunstflugpiloten und Punktrichter entwickelt mit dem Ziel, den Sport objektiver zu machen. Die Softwaretools werden von erfahrenen Piloten ständig weiterentwickelt und sind kostenlos im Internet verfügbar:

www.flightcoach.org

Im Flugzeug wird die Hardware, ein etwa empängergrosses Kästchen mit GPS-Positionen- und Fluglageerken-nungsfähigkeiten, installiert. Die Stromversorgung übernimmt ein kleiner 2S-Lipo. Im Flug werden die Daten aufgezeichnet und können danach mittels einer Micro-SD-Speicherkarte im Laptop oder zu Hause am PC ausgelesen werden.


Anwendung im Training, Auswertung der Flüge

Die Anwendung auf dem Modellflugplatz ist somit denkbar einfach. Die Hardware wird mittels Velcro auf einer ebenen Fläche im Modell installiert. Sie darf nicht zu nah am Hochspannungsbereichmotor, Akku oder Regler montiert werden, da es sonst zu Aufzeichnungsstörungen kommen kann. Meistens fliege ich mehrere Programme, bevor ich auswerte, um systematische Fehler, die ich in allen Programmen fliege, besser erkennen zu können.

Die Auswertung auf dem Bildschirm gibt mir die Möglichkeit, die Figuren nach verschiedenen Kriterien zu bewerten. Ich kann das ganze Programm oder Einzelfiguren von oben, hinten, seitwärts, aus Piloten- oder auch aus Punktrichtersicht anschauen. Eine Vielzahl von Wahrnehmungen sind daher möglich, ein paar Beispiele:

  • Einhaltung des F3A-Fensters, regelmässige und korrekte Distanz des Programms
  • Höhenhaltung bei den Ein- und Ausflügen
  • Platzierung der Figuren innerhalb des Fensters (Mitte und Begrenzungen)
  • Geometrie wie Winkel, mittige Platzierung der Rollen, Rundheit der Loopings


Für wen eignet sich Flight Coach?

Zu früher Einsatz der Analysen kann auch zu Frustration führen. Die Figuren sehen scheusslich aus und man weiss gar nicht, wo man mit Analysieren beginnen soll. Deshalb empfehle ich einem Kunstflugeinsteiger, zuerst mit konventionellen Hilfsmitteln wie Helfern, Pilotenkollegen und Trainern die typischen Einsteigerprobleme in den Griff zu bekommen.

Somit ist das erste Ziel des Flight-Coach-Einsatzes erreicht, ein objektives, nicht von persönlichen Präferenzen beeinflusstes Feedback über die Exaktheit der Figuren. Die Analyse der Fehler und Ursachen geht aber erst jetzt richtig los. Ich sehe meine systematischen Fehler und gehe nun auf die Suche nach der Ursache. Ein persönliches Beispiel: Im Programm P25 wird in Fenstermitte eine Rückenvrille geflogen. Es ist mir schon vor Einsatz des Flight Coach mehrmals aufgefallen, dass ich nach dem Ausleiten der Vrrille zu nah bin und somit die geforderte Distanz verloren habe. Liegt es wohl am Seitenwind? Bei der Analyse habe ich herausgefunden, dass ich dazu neige, während des Fluges zur Vrrille den Flügel gegen mich hängen zu lassen. Sicher nur ein paar Grad Querlage, jedoch entscheidend. Bei den nächsten Flügen habe ich darauf geachtet, dass nach meinem subjektiven Gefühl der Flügel nach aussen hängt, bis sich meine Augen an die korrekte Fluglage gewöhnt hatten. Das ist nur ein kleines



Werden Punktrichter in Zukunft überflüssig?

Zum jetzigen Zeitpunkt glaube ich das nicht. Da ist einmal die Grundsatzfrage der Chancengleichheit. Wenn der Pilot im Flug keine Hilfsmittel einsetzen darf, soll er dann mittels digitaler Hilfsmittel bewertet werden? Turnen, Eiskunstlauf und weitere Sportarten werden mittels validierter Beurteilungskriterien, jedoch immer noch subjektiv von einzelnen, gut geschulten Punktrichtern benotet. Der Spruch «Es gewinnt nicht derjenige, der am exaktesten fliegt, sondern derjenige, bei dem es am exaktesten aussieht» hat weiterhin seine Gültigkeit. Ein Bewertungssystem (scoring) ist in der Software bereits implementiert; ich habe jedoch noch keine konkrete Anwendung davon gesehen. Am ehesten könnte ich mir vorstellen, dass die Flight-Coach-Bewertung als zusätzliche B-Note (geometrische Exaktheit) mit einer zu definierenden Gewichtung in die Wertung einfließt. Momentan ist das jedoch noch Zukunftsmusik.



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