Sport

Chinas Organisation kaum zu überbieten

von Markus Nussbaumer
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Erfolgreiches Swiss Jet Scale Team an den JWM 2019 Rongcheng, China



Die Mitglieder des Swiss Jet Scale Teams reisten individuell nach China. Zusammen mit Chai Sonsukong und Geri Heim ging unsere Reise per Auto nach München, dann mit Air China nach Peking und weiter nach Yantai. Von dort wurden wir per Bus vom Veranstalter abgeholt und etwa 120 km nach Rongcheng gefahren.

Das Jiulongsheng Swan Hotel, wo wir einquartiert wurden, ist modern und luxuriös eingerichtet. Das Personal hier gibt sich sehr viel Mühe, man zeigt sich hier von der besten Seite. Ein Shuttlebus, der beinahe auf die Sekunde genau fährt, bringt uns zum Fluggelände. Was wir da antreffen, hätte ich so nicht erwartet: eine riesige Tribüne mit einer Grossleinwand an ihrer Rückseite, nebst vier grossen Zelthallen. Die Modellflugzeuge sind schon eingetroffen. Die DH-Vampire von Andreas Schär hatte allerdings einen massiven Transportschaden, welcher dem Organisator gemeldet wurde. Der Transport der kostbaren Jet-Modelle hat sonst gut funktioniert.

Bei den Trainingsflügen herrschte heftiger Wind, dieser stammt vom Ausläufer des Taifuns «Hagibis» über Japan. Nur wenige Piloten riskierten daher ihr Modell für Trainingsflüge.

Anfänglich hatten einige Piloten massive Funkstörungen zu beklagen. Das gipfelte im Verlust der Trainingsmaschine vom amtierenden Masters-Sieger Vitaly Robertus. Der Veranstalter reagierte umgehend. Die zahlreichen Überwachungskameras wurden während den Flügen abgeschaltet, ebenso das WLAN. Die ganze Funkübertragung wurde von da an überwacht. Damit kehrte Ruhe ein. Die Eröffnungsshow der Chinesen war etwas Besonderes. Weit über 100 Frauen trommelten rhythmisch auf ihren grossen Trommeln und anderen Schlaginstrumenten. Die Tribüne war bis auf den letzten Platz gefüllt. Jung und Alt verfolgten, begeistert die anschließende Flugshow. Da blieb manchem der Mund offen stehen...



Der eigentliche Flugwettbewerb startete mit den üblichen Favoriten. Was die Leistung der Piloten anging, waren die Deutschen die besten. In der 13,5-kg-Klasse dominierte der junge Moritz Gärtner mit seiner BAe-Hawk. In der 20-kg-Klasse waren Frank Westerholt und Nick Köberich mit ihren Aero L-39 Albatros die besten Piloten. Während der ganzen Meisterschaft waren Kameratams des Veranstalters dauerhaft im Einsatz. Auf der Grossleinwand wurde alles live übertragen. So konnten die Gäste, welche sich ausserhalb des Stadions aufhielten, das Geschehen mitverfolgen. Zwischendurch wurde sogar im chinesischen Fernsehen über die JetWorld Masters berichtet.

Die Schweizer starteten unterschiedlich in den Wettbewerb. Chai Sonsukong, unser Rookie, hatte leider Pech. Das Fahrwerk seiner BAe-Hawk liess sich nicht einfahren. Er wollte seinen Flug dennoch als Training nutzen und setzte ihn Flug mit ausgefahrenem Fahrwerk fort. Niemandem ist aufgefallen, dass es so eng werden könnte mit dem Treibstoff. Die Turbine ging aus und Chai versuchte, den Grasstreifen neben der Piste zu erreichen. Leider gab es da einen grösseren Schaden am Jet, welcher das Ende der Meisterschaft für Chai bedeutete. Fredy Doppelhofer hingegen spulte sein Programm in gewohnter Ruhe ab, sein Starfighter zog seine Bahnen in den Himmel über Rongcheng. Die «Rütimänner» Peter und Tim hatten etwas mit der Technik zu kämpfen. Besonders bei Peter streikte ein Fahrwerkszylinder. Peter erreichte es mit grossem Aufwand, die beiden Hunter einsatzfähig hinzukriegen. Tim zeigte solide Flüge und auch Peter schaffte zwei gute Flüge. Adrian Senn und Andreas Schär zeigten mit den neuen DH-Vampire zum Teil sehr gute Flüge, sie rangierten sich beide in den Top 10. Mit den ausstehenden Baubewertungen der Vampire durfte man auf das Endresultat gespannt sein. Die Handschrift von unserem Flugtrainer Martin Lüthi ist deutlich zu sehen, er ist ein wahrer Glücksgriff für unser Team. Die Leistung unserer Piloten zeigt steil nach oben.


Jeder, der dachte, er müsse sein Essen aus Europa mitnehmen, um überleben zu können, der hatte sich arg getäuscht. Das Essen schmeckte ausgezeichnet, wenn man nicht heikel ist, konnte man sich sehr gut ernähren. Mit dem Ausweis, den wir erhielten, konnten wir uns am Mittag verpflegen und frei am Kühlschrank mit Getränken versorgen. Alles hervorragend organisiert.

In einem grossen Zelt, wo Speisen in verschiedenster Art zu sehen waren, wurden viele heimischen Gerichte an verschiedenen Ständen angeboten. Das liess ich mir nicht entgehen. Alles durfte man zuerst probieren, wenn man sich getraute. Die Preise waren für uns günstig, so kostete ein Fischfilet im Teig in Öl gekocht umgerechnet 30 Rappen, wovon man nach drei Stück bereits satt ist.



Am Abend vor dem Hotel fand eine Riesenparty statt, auch westliche Musik war zu hören, eine super Stimmung. Punkt 21.00 Uhr wurde es still. Was war los? Das Fest war zu Ende! Man stelle sich das mal bei uns vor, da beginnt die Party erst.


Rangierungen 13,5-kg-Klasse

Dank seiner hervorragenden Flugleistung rangierte sich Moritz Gärtner vom Team Germany am Ende hinter den Russen Pavel Lapshov (1.) und Alexey Sidorov (2.) im ausgezeichneten 3. Rang.



20-kg-Klasse

Frank Westerholt und Nick Köberich waren die besten Piloten, da ihre Aero L-39 Albatros in der Baubewertung aber zu wenig Punkte erreichten, was zu befürchten war, fielen sie in der Gesamtwertung auf die Plätze 9 und 10 zurück.

Vasiliy Eikhner vom Team Russland, ein Zögling von Vitaly Robertus, wurde verdienter Sieger mit seinem gefühlvollen Flugstil und der immer noch hervorragend bewerteten YAK-130. Er verdrängte damit seinen Mentor auf Rang 2. Vitaly hat seinen Rhythmus nach dem Crash der Trainingsmaschine nicht mehr ganz gefunden, auch er ist keine Maschine. Sein Scale-Jet, die MiG-29, bleibt aber das Mass aller Dinge. Adrian Senn erscheint mit der De Havilland Vampire und einer starken Flugleistung auf dem hervorragenden 3. Platz. Damit verdrängt er seinen Freund und Helfer Andreas Schär auf den 4. Rang. Insgesamt ein hervorragendes Resultat der Vampire-Truppe.



Spezielle Geschichte: Andreas hat an Ostern 2019 während dem Training in Alessandria seine Vampire verloren, ein herber Verlust! Was dann passierte, ist schon sehr bemerkenswert. Sein bester Freund Adrian bot ihm an, seine Vampire für die Meisterschaft in China zur Verfügung zu stellen. Andreas wäre mit seiner L-39 Albatros eventuell zu Hause geblieben. Adrian entschied zusammen mit seinem Vater Reto, unserem Team-Manager, dass er die Vampire von Reto in China fliegen würde. Dieser Teamspirit ist der beste Beweis für echte Freundschaft.

In der Mannschaftswertung gewannen die Russen überlegen vor dem Swiss Jet Scale Team. Wir hätten nicht erwartet, wie in Finnland wieder vor dem Team Germany zu sein, aber dank der starken Leistung von Adrian, Andreas und der Überraschung Fredy durfte unsere Truppe aufs Podest steigen. Auch für Chai gab es einen schönen Abschluss seiner ersten Masters-Teilnahme. Er bekam als Trostpreis für sein Pech eine kostbare Aviator-Watch.



Leider begannen dann die Diskussionen, wie beinahe nach jedem Jet World Masters. Es verlangen immer wieder die gleichen Leute nach Reglementsänderungen, um so die Dominanz des Teams Russland zu beenden oder um persönlich wieder ganz an die Spitze der Rangliste kommen zu können. Die Modelle seien zu teuer, wenn man sie so detailliert bauen muss, die Scale-Jet-Szene werde so keine Zukunft mehr haben usw.

Kommentar: Meine persönliche Meinung zu dieser Geschichte: Wenn das Reglement 50% Baubewertung und 50% Flugbewertung dahingehend verändert wird, dass die Flugleistung höher bewertet wird, dann verliert die Scale-Jet-Szene ihre Seele. Ich stelle mir folgende Fragen: Wo wären die besten Piloten mit besseren Scale-Jets, wie zum Beispiel den Vampires aus unserem Team? Andreas Schär hat es rechtzeitig erkannt, dass eine erneute Teilnahme mit seiner L-39 Albatros keine Chance aufs Podest mehr zulässt, egal wie gut er fliegt. Bei einer Reglementsänderung ist zu befürchten, dass solche vorbildgetreuen Jet-Modelle, wie sie hier zu sehen waren, von der Bildfläche verschwinden werden. Sollten «0815-Modelle» Einzug halten, wäre es für mich das Ende dieser Meisterschaft. →



Kleinere Anpassungen im Reglement braucht es immer, denn jede Szene entwickelt sich. Aus meiner Sicht ist es die Aufgabe der IJMC-China hat als Organisator die Messlatte sehr hoch angesetzt, das wird der kommende Veranstalter in Niederöblarn (Österreich 2021) kaum erreichen. Das ist aber auch nicht nötig, denn bei uns in Europa muss ein solcher Anlass anders finanziert werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass das nächste Jet World Masters eine grossartige Veranstaltung wird, unsere Nachbarn rund um Peter Cmyral bringen Herzblut und die nötige Erfahrung mit.

Markus Nussbaumer




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