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Gedanken über Leistungssport, Hobby und Modellfluggemeinschaft

von C. J. Giezendanner
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Modellflugweltmeisterschaften sind die Olympiaden der Modellflieger. Es sind dies die höchsten und wichtigsten sportlichen Veranstaltungen. Die Anforderungen sowohl an die Veranstalter als auch an die beteiligten Sportler sind von Mal zu Mal grösser und der damit verbundene Aufwand auf beiden Seiten beträchtlich.


Trotzdem müssen die Modellflug-Veranstalter und Konkurrenten das ganze Pensum in ihrer Freizeit bewältigen, die Ferien opfern, von den finanziellen Aufwendungen schon gar nicht zu reden. Das braucht allerdings ein volles Mass an Freude und Begeisterung; denn jeder Sportler muss immer wieder auch Rückschläge bewältigen und überwinden. Was am Tag der Meisterschaft so selbstverständlich gekonnt, problemlos, ja fast leicht aussehen mag, verlangt viel Arbeit, Selbstkritik und ein enormes Durchhaltevermögen. Dies sind alles Dinge, welche richtig zu beurteilen nur jener vermag, der selbst einmal dabei war, etwas hinter die Kulissen hat schauen dürfen.


Diese Möglichkeit des Hineinschauens in die Arbeit einer Modellflugnationalmannschaft müsste in Zukunft vermehrt gegeben sein. Etliche falsche Meinungen und schiefe Bilder liessen sich auf diese Weise korrigieren; die Auffassung vom "Halbprofi-oder Bonzentum", bei denen gehe einfach alles besser, die Motoren sind ausgelesen etc. Wie viel Erfahrung und Arbeit es wirklich braucht, bis der Motor so läuft wie er muss, das Modell richtig ausgetrimmt ist und endlich auch die Figuren einigermaßen sitzen, das sollte manch ein neidischer Kritiker selbst einmal ausprobieren können. Natürlich gibt es Modellflieger, welche sich nicht um all die Meisterschaften kümmern wollen. Das ist ihr gutes Recht. Nicht jeder Automobilist interessiert sich schliesslich für den Rennsport - ich möchte fast sagen glücklicherweise nicht! Wenn ganze Modellfluggruppen für Jahre keinerlei Wettbewerbe und Veranstaltungen besuchen, so ist das verständlich und lässt sich personell immer wieder relativ einfach begründen: ältere Mitglieder, welche im Modellflug vor allem Erholung, Ausgleich und Kameradschaft suchen. Oder hauptsächlich ganz Junge und Anfänger. Wer weiss, wie viel Geduld und Arbeit ein Gruppenobmann aufwenden muss, damit vor allem die jungen Modellflieger Zuverlässigkeit und Genauigkeit einüben und sich diszipliniert auf ein Ziel vorbereiten, der muss solchen Gruppen eine längere "Pause" zugestehen.


Ungesund ist erst jene Entwicklung, die aus dem Negieren des Leistungssportes beinahe wieder einen Spitzensport macht. Es sind dies jene, die immer wieder mit Nachdruck darauf hinweisen, bei ihnen sei der Modellflug noch ein "echtes Hobby", sie täten alles nur, um den "Frieden zu haben". Es versteht sich von selbst, dass auch die Meisterschaftsflieger von ihrem Sport behaupten, er sei ein echtes Hobby, genau so wie etwa die Leichtathleten, Tennisspieler und Orientierungsläufer. Mit solchen, ich möchte sagen beinahe neurotischen Entwicklungen ist sehr schwer aufzuräumen. Ähnlich verhält es sich bei gewissen Bibelforschern, wo jeder glaubt, nur seine gewonnene Erkenntnis sei die richtige und führe allein zum echten Frieden.


Einmal mehr soll hier gesagt sein, dass es nur dort echten Sport gibt, wo eine Zusammenarbeit zwischen Volks- und Spitzensport besteht. Ohne die vielen Sonntagsflieger, welche unseren Sport ins Volk hineintragen helfen, Verständnis wecken und für Nachwuchs werben, gibt es auch keinen Leistungssport. Andererseits hat sich gezeigt, dass der Leistungssport in vielen Fällen erheblich an der technischen Weiterentwicklung unseres Materials beteiligt ist. In diesem Sinne sollten sich der passionierte Meisterschaftsflieger und der zufriedene Motorsegler dankbar die Hand reichen.


Mit freundlichen Grüssen

C. J. Giezendanner



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