Sport

Erste Schweizer Meisterschaft der FAI-Kategorie F3L

von Michel Wirz
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Nach dem Briefing konnte die erste Schweizer Meisterschaft der FAI-Kategorie F3L (bisher RES) von Wettbewerbsleiter Reto Bucher eröffnet werden. Die 32 Piloten, welche am 21. August 2023 nach Bowil auf den Flugplatz der Modellfluggruppe Signau angereist waren, starteten ihre Modelle gemeinsam in Neunergruppen am Gummiseil. Alle Modelle erfüllten die Bauvorgaben der FAI-Kategorie F3L1).


Vor dem Fliegen war allerdings etwas Arbeit angesagt. Die Modellfluggruppe Signau hat sich dank der Initiative von Niklaus Huggler an der HV 2022 dazu entschieden, diese erste F3L-SM auf ihrem Modellflugplatz auszutragen. Im Vorfeld wurden die angrenzenden Landbesitzer kontaktiert, weil der Platzbedarf laut FAI-Reglement grösser war, als es unser Flugplatzli bieten kann. Wir sind den Landwirten sehr dankbar für ihr Entgegenkommen. Eine Küchenmannschaft organisierte die Verpflegung und eine ganze Reihe von Helfern rund ums Geschehen waren am Tag vor der SM für den Aufbau und dann am Austragungstag selber im Einsatz. Das Wettbewerbsgelände wurde vermessen, die Startlinie für zehn Bahnen festgelegt und die Anker für die Hochstartseile gesetzt. Eine Lautsprecheranlage wurde installiert, damit die 100 Meter lange Startlinie mit den entsprechenden Ansagen der Wettbewerbsleitung und der Flugzeiten bedient werden konnte.

Kurz vor dem Start wurden alle Gummiseile jeweils mit der Zugwaage auf denselben Wert eingemessen und fixiert, damit jeder Startende möglichst die gleichen Bedingungen hat. Der Start erfolgte auf Kommando und neun Modelle stiegen fast gleichzeitig in den Himmel.

Jeder Teilnehmer hat Anspruch auf mindestens vier offizielle Vorrundenflüge. Die Wertung für jede Runde setzt sich aus der Flugzeit und den Landepunkten zusammen. Innerhalb der Rahmenzeit von 9 Minuten wird eine Flugzeit von 6 Minuten gefordert. Für längere Flugzeiten werden pro Sekunde Punkte abgezogen. Es darf mehrmals gestartet werden, es zählt jedoch der letzte Flug innerhalb der Rahmenzeit. Die Landepunkte werden abgestuft vergeben: von 100 Punkten im Radius von 0,2 Meter bis 0 Punkten bei einem Abstand über 15 Meter.


Um aber das Wichtigste nicht zu vergessen: das Modell selber! Geflogen werden ferngesteuerte Thermiksegler RES/F3L ohne Antrieb. Die bis auf den Heckausleger aus Holz gebauten Thermiksegler werden nur über Seiten- und Höhenruder sowie über Bremsklappen geflogen und ganz bewusst so minimalistisch gehalten. Durch die Bauweise und die Ausrüstung bietet die F3L-Klasse einen kostengünstigen Einstieg in die Welt der RC-Wettbewerbe, der für jeden mit durchschnittlichen Fähigkeiten zum Erfolg führen kann. Gestartet wird mit Gummibungee-Hochstart und einer Leine. Es sind keine Variometer und keinerlei Telemetrie erlaubt. Diese Kategorie lebt von Minimalismus und Augenmass und soll junge Modellbauer ansprechen und sie für den Sport inspirieren.


So wurde an diesem Sonntag, begleitet von unsäglich hohen Lufttemperaturen, um Punkte und letztlich um den Sieg gekämpft. Der Flugplatz der Modellfluggruppe Signau liegt in einer weiten Talebene im bernischen Emmental, welche an beiden Seiten von steilen, bewaldeten Bergflanken gesäumt wird. Dazu kommen in der Ebene Reihen von Büschen und Bäumen, welche Schatten spenden, und ein Flüsschen, das auch mithilft, Temperaturunterschiede zu erzeugen. Das alles ergibt in der Summe Bedingungen, welche sehr oft zu erstaunlich vielen und auch starken Thermikablösungen führen. Trotz hohen Lufttemperaturen konnten die Piloten am Wettbewerb von diesen Bedingungen profitieren und manch einer erreichte schnell Höhen von mehr als 100 Metern und konnte sich so komfortabel positionieren, um die sechs Minuten Flugzeit gelassen auszufliegen. So sah man wiederholt Modelle, die nach der mahnenden Zeitansage am Lautsprecher aus grosser Höhe im Schnellflug zum Landepunkt eilten. Gleichzeitig andere, wie der später als Sieger Gekürte, die sich in relativ geringer Höhe von Thermikschlösschen zu Aufwindchen hangelten, um zur richtigen Zeit in die Nähe des Landepunkts zu gelangen, um den Flug mit minimalem Zeitpunktabzug mit einer Punktlandung zu beenden. Taktik und Teamarbeit sind hier angesagt und Erfahrung hilft dabei offenbar sehr. Nach vier Durchgängen flogen die Bestplatzierten in drei Fly-offs gegeneinander, um die Rangliste im einstelligen Bereich in die Reihenfolge zu bringen.


Gross war die Spannung an der abschliessenden Rangverkündigung durch Reto Bucher. Sie fand etwas später statt als geplant, weil Windrichtungswechsel zum mehrmaligen Umbau der Startvorrichtung führten und Seilrisse durch sich überschneidende Leinen Reparaturen erforderten und somit Zeit verstrich.

Sieger wurde Cedric Duss der MG Wimmis, gefolgt von Reto Schmid der MG Zugerland und Hans Kühni von der austragenden MFG Signau. Ehre, wem Ehre gebührt: Der Initiator aus unseren Reihen, Niklaus Huggler, platzierte sich auf dem verdienten vierten Platz. Die Stimmung war prächtig, die Freude gross. Beim Abschied der 32 Piloten und der Helfercrew nach dem Abbau und Aufräumen schaute man in strahlende, freudige Gesichter. Freudiges Erstaunen kam auch auf, wenn man die Nummernschilder der Autos betrachtete: Ein Blick auf die Rangliste auf der SMV-Website zeigt, dass doch einige von weit angereist waren. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten! Wir blicken auf eine gefreute erste F3L-SM zurück! Gerne begrüßen wir euch wieder hier bei der MFG Signau. ■

Michel Wirz
Bilder: Hanspeter Lüthi




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