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MODELLBAU WINTERMATT

von Andreas Dauwalder
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«Modellbau Wintermatt» verbindet eigentlich zwei Geschichten: Die eine erzählt Aviatik-Geschichte, welche weitgehend unbekannt sein dürfte, und die zweite Geschichte zeigt, wie mithilfe eines kleinen Modellbauprojekts die Pionierarbeit in der Aviatik wiederbelebt werden kann.


Zuerst zur Wintermatt: Unter diesem Namen existiert nordöstlich des Dorfes Kirchlindach immer noch ein Bauernhof. Den meisten Aviatik-Interessierten wie auch vielen Einwohnerinnen und Einwohnern von Kirchlindach dürfte nicht bekannt sein, dass dort 1919 ein Flugfeld existierte. Dieses wurde als Ersatz für das Beundenfeld in Bern, welches immer ungeeigneter wurde, vorgesehen. Am 8. Januar 1919 fand der erste Posttestflug von Dübendorf nach Oberlindach BE statt; der Flug dauerte ungefähr eine Stunde – je nach Windrichtung und -stärke(!) – und wurde mit einem Doppeldecker Häfeli DH-3 ausgeführt. Es war ein Pilot auf der Wintermatt stationiert, es wurde eine Gastwirtschaft betrieben und schlussendlich ein Hangar aufgebaut; Letzterer wurde aber nie in Betrieb genommen und nach Dübendorf gezügelt. Es war gar ein Pilot permanent in Niederlindach stationiert; zudem wurden Passagierflüge angeboten. Aus dem Jahr 1919 ist mir ein Bild bekannt.



Dieses Flugfeld Wintermatt ist keine zwei Kilometer vom Fluggelände der MG Münchenbuchsee entfernt. Dasselbe gilt für den Gründungsort der Modellfluggruppe: Diese wurde vor 50 Jahren, im Januar 1976, im Restaurant Zur Waage, ebenfalls keine zwei Kilometer von der Wintermatt entfernt, gegründet.

All diese Verknüpfungen führten dazu, dass wir schon lange davon sprachen, die Wintermatt-Geschichte modellbauerisch wiederzubeleben. Nur: Sprechen und handeln sind zwei verschiedene Dinge, ein bekanntes Phänomen ...!


Nun zum Modellbauprojekt

Es ist innerhalb der letzten zwei Jahre schrittweise realisiert worden. Genau genommen, hat Isidor von Arx, einer der Erbauer der manntragenden Nieuport N23 HB-RNB, den Stein ins Rollen gebracht: Er hat ein kleines Modell der Nieuport, angeboten von der Firma Microaces, im Massstab 1:24 erbaut. Seine Fragen zu den Fernsteuerungskomponenten haben uns auf diese Art Modellbau aufmerksam gemacht. Und: Die Lust war geweckt, die Aviatik-Geschichte in dieser Art nachzubauen.

Als Erstes habe ich als Versuch einen Bausatz der Sopwith Camel von Microaces gebaut. Die Teile des Bausatzes aus dünnem bedruckten Depron sind beeindruckend genau hergestellt. Der Zusammenbau macht Spass, ist aber sicher nichts für Anfänger. Der schmucke Doppeldecker wog schlussendlich gut 40 g und flog auf Anhieb erfreulich gut, wenn die Flugbedingungen stimmen – Wind liebt das kleine Flugmodell verständlicherweise nicht!



Der Erfolg liess mich den zweiten Nachbau in Angriff nehmen: Eine Nieuport im Schweizer Design sollte selber mithilfe von Spaltdepron gebaut werden. Die Bauweise sieht derjenigen der Sopwith Camel sehr ähnlich. Ich habe aber bewusst Details wie z.B. die drehende Attrappe des Umlaufmotors zugunsten einer grösseren Alltagstauglichkeit weglassen. Mit Material wurde extrem sparsam umgegangen, was dazu führte, dass das Fluggewicht inklusive 160-mAh-1S-Lipo flugfertig nur noch 31 g wog! Die Flugeigenschaften sind entsprechend noch besser geworden, vor allem am Abend machen Flüge mit dem kleinen Doppeldecker riesig Spass!



Eigentlich müsste man den Häfeli DH-3 auch so bauen können, oder? Mithilfe einer Dreiseitenansicht, welche mithilfe des Kopierers auf die richtige Grösse gebracht worden ist, sind die ersten Konstruktionsüberlegungen gemacht worden; es folgte das Ausschneiden der Depron-teile. Der Aufbau des Modells entspricht der nun bereits recht vertrauten Bauweise: Die Spanten habe ich auf ein CFK-Röhrchen aufgefädelt; das CFK-Röhrchen wird mithilfe von Stellringen in der gewählten Lage fixiert und kann nach Lösen der Stellringe je nach Arbeitsschritt beliebig gedreht werden, die für die Arbeiten passende Höhe kann mithilfe von zusätzlichen Lego-Duplo-Bausteinen gewählt werden. Alle Teile, welche in Form geschliffen werden mussten, entstanden aus Styrofoam und wurden beim Rohbau abschliessend so weit wie möglich ausgehöhlt; jedes fehlende Gramm zählt! Die Rumpfform schien jedenfalls schon recht gut zu passen.



Die Tragflächen entstanden aus 1,5-mm-Spaltdepron; sie haben, wie die Microaces-Modelle, etwa im ersten Flächendrittel einen Knick. Das funktioniert im Betrieb sehr gut! Zur Probe wurden die Teile zusammengesteckt – das war eine äusserst knifflige Angelegenheit. Kurzzeitig zweifelte ich an einem möglichen Erfolg ...! Das Fahrwerk wurde in Bowdenzug-Röhrchen gelagert – wenigstens diese Position war klar und wirkte stabil genug! Vor dem definitiven Zusammenbau wurden alle Teile eingefärbt:

Die Airbrush-Pistole und ein feiner Pinsel waren die passenden Werkzeuge. Die vorbildgetreue Verspannung gab dem Modellchen die nötige Stabilität – nun sah das Ganze schon etwas besser aus. Die Montage des Getriebemotörchens, des Empfängerbausteins aus der Restekiste und der Ruderanlenkungen waren zwar wiederum sehr nervenaufreibend, aber es war ein Silberstreifen am Horizont erkennbar – das motivierte ...! Kleine Details wie angedeutete Motorenattrappe, passender Spinner, Kühler und gefärbter Kunststoffpropeller vervollständigen das kleine Modell.



Und ja, richtig beobachtet: Es wurden Speichenräder gebaut! Aus Balsa- und Sperrholz, Stickgarn und Bowdenzug-Röhrchen entstanden mithilfe eines Werkzeugs Speichenräder mit einem Gewicht von knapp 1,5 g pro Stück. Mir sind noch genauere Nachbauarten von Speichenrädern bekannt; meine Variante funktioniert aber zuverlässig und recht schnell und wird meinen Ansprüchen trotz allen Mängeln gerecht.



Technische Daten des «Häfeli DH-3»
Spannweite:52 cm
Länge:35 cm
Massstab:1:24
Antrieb:Getriebemotor aus der Restekiste
Akku:Lipo 160 mAh/1S
Fluggewicht:44 g (inklusive Akku)


Nun standen die drei Modelle vor mir und die grosse Frage lautete: Wird der Nachbau des Häfeli DH-3 wohl fliegen ...?!?
Ich kann es kurz machen: Das Modellchen fliegt ausgezeichnet.
Speziell überraschend ist die gute Steuerbarkeit trotz des kleinen Seitenruders: Bereits in den ersten Flügen gelangen an einem windstillen Abend nahe Vorbeiflüge – der Pilot scheint aber noch recht konzentriert zu sein – Entspannung sieht anders aus ...! In der Zwischenzeit wurde die Anspannung des Piloten nach zahlreichen geglückten Flügen durch grosse Freude abgelöst! Mehr als 100 Jahre später flog wieder ein Doppeldecker über der Wintermatt – Freude herrscht!

Bilder von Philip Rickli und Res Dauwalder



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