Sport

Eine Lanze für die Speere

von Andreas Locher
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Sie werden beim Start geworfen wie Speere, die schnellen Modelle in der Elektro-Segelflugklasse F5B.


Diese Modellklasse, die sich seit den frühen 1980er-Jahren permanent entwickelt und stets quasi neu erfunden hat, ist auch heute noch eine der interessantesten Wettbewerbsklassen. Die zwei zu erfüllenden Aufgaben in F5B haben eine überraschende Gemeinsamkeit mit einer ganz anderen Kategorie, nämlich jene der DLG-Modelle F3K... Dies mag verblüffend klingen, aber die Modelle beider Klassen, F5B wie F3K, haben zwei völlig konträre Aufgaben zu erfüllen.

Beim fulminanten Diskusstart müssen die ultraleichten F3K-Segler hohen Belastungen standhalten und mit dünnen Profilen in möglichst grosse Höhen schießen, um sich danach – mysteriöse Transformation! – in effiziente Thermikschleicher zu verwandeln.

Hochinteressant, wie die Modellentwicklung in den letzten 20 Jahren diese gegensätzlichen Anforderungen immer perfekter in den faszinierenden Modellen zu vereinen vermochte.

Ganz ähnlich in F5B: Im ersten Teil der Wettbewerbsaufgabe (möglichst viele 150-m-Strecken in einer Rahmenzeit von 200 Sekunden) müssen die Flieger kraftstrotzende Geschwindigkeitsmodelle sein, um danach im zweiten Teil eine 10-Minuten-Segelflugaufgabe mit Punktlandung zu erfüllen. Auch hier zwei entgegengesetzte Anforderungen an ein und dasselbe Modell.

Wer die Entwicklung von F5B von den Anfängen bis heute verfolgt hat, konnte immer wieder über Innovationsgeist, technische und fliegerische Leistungen, Einsatz und Ausdauer der Aktiven staunen. Zahlreiche Regeländerungen – z.T. aus Sicherheitsgründen (mehrere Steigflüge im Streckenflug), z.T. aus Gründen der Fairness (Energielimiter) – machten F5B bis heute zu einer ausgefeilten, fairen und äusserst anspruchvollen Wettbewerbsklasse. Vielleicht sind Leistungen (technische und fliegerische) für viele Modellpiloten zu selbstverständlich geworden; Elektroflug kann ja heute «steckerfertig» gekauft werden. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass Tüftler und Ausdauernde den Modellflug immer wieder weitergebracht haben; das gilt nebst vielen anderen z.B. für die Freiflieger, die Saalflugspezialisten, die DLG-Probler und nicht zuletzt für die unermüdlichen F5B-Enthusiasten.

Leider schrumpfen die Teilnehmerzahlen in dieser Kategorie (weltweit), der grosse Aufwand schreckt viele Modellpiloten ab. Das widerspiegelt sich auch in der Teilnehmerzahl an der F5B-Schweizer-Meisterschaft vom 12. Oktober in Cham bei der Modellfluggruppe Zugerland, wo gerade mal 6 Piloten am Start waren. Ohne larmoyant werden zu wollen – es ist wie in der Musik: Wenn eine Instrumentenart von immer Wenigern und schliesslich gar nicht mehr gespielt wird, dann verschwindet nicht nur das Instrument, sondern schliesslich auch das Wissen und die Könnerschaft dazu – Artensterben gewissermassen.

Es sei hiermit eine Lanze für die «Speere» gebrochen: Besuchen Sie doch wieder einmal einen F5B-Wettbewerb. Das Gebotene ist atemberaubend und die Wettkämpfe, wenn man die Aufgaben einmal kapiert hat, äusserst spannend. Und die Hilfsbereitschaft gestandener Piloten gegenüber Neulingen ist gross. Vielleicht packt's ja wieder mal ein paar Junge...



Technische Daten F5B-Modell
Spannweite193,5 cm
Länge134 cm
Gewicht1550 g bis 1680 g (je nach Motor-Set-up)

Standard-Set-up
PropellerGM 18×23
MotorLeomotion L4031/2050 mit Getriebe 7:1
ReglerAPD HV 200A
DatenloggerSM Unilog mit 400A Shunt
Akku10S Gensace Tattu 1400 mAh V4

Leistungsdaten
Maximale Motorleistung7500 W bei 8500 U/min
Vorwärts-beschleunigung8 g, das heisst, nach dem Handstart ist das Model in 1,5 s auf 60 m Höhe und ist 250 km/h schnell.

Geschwindigkeiten
Maximale Geschwindigkeit350 km/h (wird im Wettbewerb nicht erreicht, weil nicht ausbeschleunigt wird)
Minimale Geschwindigkeit50 km/h bei 1m/s Sinkgeschwindigkeit



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