Regionen & Vereine

PHOTOVOLTAIK-ANLAGE IN EIGENREGIE

von Daniel Schierscher
4

Die Modellfluggruppe Liechtenstein (MFGL) pflegt seit Jahrzehnten ein engagiertes Vereinsleben und ist inzwischen über die Grenzen hinaus für die erfolgreiche Durchführung internationaler Veranstaltungen bekannt. Mit dem Bau einer eigenen Photovoltaik-Anlage wurde ein interessantes Projekt realisiert, das Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit in den Mittelpunkt stellt.


Auch bei der Modellfluggruppe Liechtenstein (MFGL) erfreuen sich elektrische Modelle, egal, ob Flächenflieger oder Helikopter, grosser Beliebtheit. Die MFGL ist aber auch neben dem Flugbetrieb der Mitglieder ein sehr aktiver Verein. Sie führt jährlich abwechselnd ein grosses Schaufliegen (nächster Termin 6.9.2026) und ein Scale-Heli-Treffen, aber auch den inzwischen weltbekannten F3A World Cup Liechtenstein (am 4./5.7.2026) durch, welcher heuer bereits zum 58. Mal stattfindet. Des Weiteren finden etliche kleinere Events auf dem Flugplatz statt und natürlich treffen sich die Mitglieder regelmässig zum gemütlichen Beisammensein auf dem Flugplatz.


Infrastruktur und Ausgangslage

Damit dies alles möglich ist, wurde in der mehr als 60-jährigen Geschichte des Vereins, hauptsächlich in Eigenregie, eine sehr gute Infrastruktur mit eigenem Clubhaus und asphaltierter Piste erstellt. Zur Durchführung der F3A-Europameisterschaft 1994 wurde der Flugplatz zudem ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. Die Versorgungssicherheit war somit gewährleistet. Aufgrund der steigenden Energiepreise über die letzten Jahre entstand die Idee, eine Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) zu verwirklichen, um mindestens den eigenen Strombedarf decken zu können. Wie alles, was die MFGL macht, sollte auch dieses Projekt in Eigenregie verwirklicht werden. Im Winter 2024/2025 arbeitete der Vorstand deshalb ein Projekt aus. Da die Kosten dieses Projekts die Befugnisse des Vorstands übersteigen würden, sollte an der Generalversammlung Ende März 2025 darüber abgestimmt werden.



Projektidee und erste Planungsschritte

Am Anfang stellten sich grundlegende Fragen: «Wie gross muss diese Anlage mindestens sein, um den Strombedarf über das ganze Jahr zu decken? Und wie gross kann sie sein, dass sie auf dem vorgesehenen Dach Platz findet?» Um diese Fragen zu beantworten, wurde der Stromverbrauch der vorangegangenen 5 Jahre angeschaut. Daraus ergab sich eine minimal nötige Nennleistung von ca. 6 kWp, wenn von einer durchschnittlichen Sonneneinstrahlung ausgegangen wird. Berechnungen zeigten dann, dass das zur Verfügung stehende Dach Platz für maximal 26 Panels bietet, was einer Nennleistung von rund 12 kWp entspricht. Da das Dach fast flach ist, war zu erwarten, dass die Nennleistung trotz Aufständerung der Panels nur im Hochsommer erreicht werden würde. Im Frühjahr, Herbst oder gar im Winter war jedoch aufgrund des tieferen Sonnenstandes eine bis zu 50% tiefere Leistung zu erwarten. Da die Anlage nicht nur in Eigenregie geplant, sondern auch gebaut werden sollte, würde sich eine etwas grössere Anlage nur marginal auf die Kosten auswirken, weshalb im Vorstand entschieden wurde, dass die Maximalvariante mit 12 kWp angestrebt werden sollte.



Autarkie und Speicherkonzept

Ein Ziel dieses Projekts war, nicht nur den Eigenbedarf zu decken, sondern auch möglichst autark zu sein. Aus diesem Grund sollte ein Speicher eingebaut werden, da das Vereinsleben unter der Woche vor allem am Abend stattfindet und die Infrastruktur auch mit Verbrauchern, wie z.B. Kühlschränken, ausgestattet ist, die in der Nacht Strom benötigen.


Detailplanung

Mit diesen Vorgaben arbeitete der Vorstand das Projekt aus. Es wurde eine detaillierte Planung der Anordnung und Verkabelung der Panels auf dem Dach erstellt. Die Anordnung aller elektrischen Geräte (Wechselrichter, Netzumschaltbox, Generatoranschlusskasten und Speicher) wurde im Geräteraum definiert und ein Schaltschema der gesamten Anlage erstellt. Zusätzlich wurde bereits ein Baugesuch an die Behörden und ein Netzanschlussgesuch an den lokalen Netzanbieter gestellt. Um nach der Generalversammlung Zeit zu sparen, wurden diese Gesuche bewusst bereits vorher gestellt. Und natürlich wurden Angebote angefragt, um die Kosten und die Lieferzeit der Komponenten ohne Montage zu ermitteln.


Beschluss an der Generalversammlung

An der Generalversammlung konnte das Projekt PV-Anlage mit einer Nennleistung von 11,7 kWp, einer Speicherkapazität von 10,2 kWh und einer Amortisationsdauer von weniger als 10 Jahren ausführlich vorgestellt



Vorbereitungsarbeiten

Anfang April 2025 wurde der Startschuss für den Bau gegeben und eine kleine Gruppe technisch versierter Mitglieder machte sich an die Arbeit. Zuerst standen Vorbereitungsarbeiten auf dem Plan, welche erledigt werden konnten, während auf die Lieferung der Anlage gewartet wurde. Da eine Brandschutzplatte installiert werden musste, wurden alle elektrischen Leitungen «unterputz» verlegt und hinter der Brandschutzplatte versteckt. Ein Luxus, welchen man sich vermutlich nicht gönnen würde, wenn man einen Installateur dafür bezahlen müsste. Das Resultat lässt die technische Installation im Geräteraum sehr aufgeräumt erscheinen.


Installation der Anlage

Anfang Mai trafen dann die zwei lange ersehnten Paletten mit den bestellten Komponenten auf dem Flugplatz ein, womit die eigentliche Arbeit startete. Während zwei Wochen wurden alle elektrischen Geräte im Geräteraum installiert und verdrahtet sowie die Unterkonstruktion und die 26 Panels auf dem Dach montiert. Nun waren alle Aufgaben, welche in Eigenregie erledigt werden durften, abgeschlossen und die MFGL war zum ersten Mal seit Baubeginn auf externes Personal angewiesen, welches die komplette Anlage nach den geltenden Normen und Richtlinien prüfte und abnahm, unsere selbst erledigten Arbeiten kritisch beäugte und die Anlage



schliesslich ans Netz anschloss und am 22. Mai 2025 in Betrieb nahm. Danach wurde auch die Funktion der Netzumschaltbox getestet. Im Falle eines Stromausfalls im Netz trennt diese das Vereinslokal vom Netz und ermöglicht den autarken weiteren Betrieb aller Verbraucher auf dem Flugplatz, solange noch Strom im Speicher ist und/oder die Sonne scheint.



Positive Erfahrungen im ersten Betriebsjahr

Inzwischen ist die PV-Anlage ein Jahr in Betrieb. Sie läuft seit Beginn einwandfrei und produziert zuverlässig Strom. Es hat sich auch bestätigt, dass die anfangs getätigten Annahmen korrekt waren und die Anlage mit ca. 14 000 kWh ziemlich genau so viel Energie produziert wie ursprünglich berechnet. Dies bei einem Verbrauch von ca. 7000 kWh. Sehr erfreulich ist auch, dass der Speicher auch in den Wintermonaten nur leer wird, wenn mehrere Tage schlechtes Wetter herrscht oder Schnee auf der Anlage liegt. Über das ganze Jahr wird zudem ein durchschnittlicher Autarkiegrad von 88% erreicht, was sogar 5% über dem berechneten Wert liegt. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass mit einer Amortisation in weniger als 6 Jahren gerechnet werden kann, wenn lediglich mit den eingesparten Stromkosten gerechnet wird. Wird die Einspeisevergütung zusätzlich miteinbezogen sogar noch früher. Live-Daten können gerne auf der Homepage der MFGL, www.mfgl.li unter Vereinsleben > PV-Anlage erkundet werden.


Fazit

Der Bau einer solchen PV-Anlage in Eigenregie ist zweifellos aufwendig und setzt das notwendige Fachwissen unter den beteiligten Mitgliedern voraus. Gleichzeitig handelt es sich um ein äusserst interessantes Projekt, bei dem wertvolle Erfahrungen gesammelt und neues Wissen aufgebaut werden kann. Rückblickend zeigt sich, dass insbesondere eine ausführliche und sorgfältige Planung sowie der frühzeitige Kontakt zu den Behörden entscheidend sind, um während der Bauphase Zeit zu sparen. Technische Fragestellungen können so frühzeitig geklärt und Lösungen für potenzielle Probleme gesucht werden. Ebenso hat sich die konsequente Dokumentation aller technischen Entscheidungen und Erkenntnisse von Beginn an als sehr hilfreich erwiesen.

Aus Sicht der Modellfluggruppe Liechtenstein hat sich der Aufwand mehr als gelohnt. Sie ist der erste Verein in Liechtenstein, der nicht nur in der Lage ist, den eigenen Strombedarf weitgehend selbst zu decken, sondern darüber hinaus überschüssige Energie ins Netz einspeist – in einer Grössenordnung, die dem Jahresverbrauch eines Einfamilienhauses entspricht.




Alle Kategorien anzeigen

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge



}
An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙