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Die Kraft-RC-Anlage Serie 72

von H.St.
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Indem der Schreiber während des Jahres 1971 in den Staaten weilte, bot sich ihm beste Gelegenheit zum Qualitätsvergleich zwischen amerikanischen RC-Anlagen. Davon ausgehend, dass es sich kaum lohnt, an der Fernsteuerungsanlage zu sparen, interessierten nur die anerkannten Spitzenmodelle. Dazu gehört unbestritten die Marke Kraft, durch welche seinerzeit das heute allgemein angewandte Proportionalssystem eingeführt worden war.


Im Verlaufe der letzten Jahre haben nun die Kraft-Anlagen einen so hohen Zuverlässigkeitsgrad erreicht, dass man eine revolutionäre Neuentwicklung kaum erwartete. Umso eklatanter gestaltete sich die Einführung der Serie 72, welche im Unterschied zu den bisherigen Serien die folgende Charakteristika aufweist:

1. Sender mit 3stufigem HF-Teil, ultralinenen Steuerpotentiometern und versenkbarer Antenne.
2. Servos mit IC-Brückenverstärker.
3. Doppelsuperhet-Empfänger.
4. Weitgehend ausfallsichere Batterie mit reduzierter Ladezeit.

Zum Sender ist zu sagen, dass er den PTT-Bestimmungen genügt, was durch die Verwendung eines 3stufigen HF-Teils sowie eines Transformatorladegerätes erreicht wurde. Das Gehäuse wurde weiter verkleinert und mit versenkbarer Antenne ausgerüstet. Die Steuerpotentiometer sind eine Neuentwicklung, von verbesserter Linearität und leichtgängiger.

Die in 4 verschiedenen Größen angebotenen Servos besitzen neuerdings einen IC-Brückenverstärker. Bedingt durch die Polwendeschaltung erübrigt sich der Mittelabgriff an der Batterie, wodurch der Servo sehr viel unempfindlicher gegenüber kranken Batteriezellen geworden ist. Dieses Prinzip hat sich in amerikanischen RC-Anlagen weitgehend durchgesetzt, ganz im Gegensatz zu Europa, wo diesbezüglich noch die Steinzeit herrscht.

Die Firma Kraft Systems bietet nun relativ spät erstmals Servos mit IC-Brückenverstärkerschaltung an. Phil Kraft begründet dieses Verhalten damit, dass die bis anhin von andern Herstellern eingesetzten Typen gewisse Mängel aufwiesen, die eine Weiterentwicklung als nötig erscheinen liessen.

Das Resultat dieser Entwicklungsarbeit ist in der Tat erstaunlich: Nicht weniger als 57 Halbleiterelemente sind im IC-Verstärker untergebracht, ungefähr dieselbe Anzahl war bisher total in einer kompletten 5-Kanal-Anlage enthalten.

Ihren Funktionen nach gliedert sich die Schaltung in einen Referenzimpulsgenerator, dazu gehöriger Spannungsstabilisierungsstufe, einen Brückenverstärker sowie in ein Paar Schmitt-Trigger-Stufen. Der durch diesen Aufwand erreichte Effekt ist aufsehenerregend, denn die Auflösung übersteigt ± 1/4%, die Stellgeschwindigkeit ist erhöht worden und die Stellkraft beträgt 2,5 kg! Im Bereich der möglichen Betriebstemperaturen bleibt die Abweichung innerhalb der Auflösung. Die gegenüber den früheren Typen ungefähr verdoppelte Kraft erforderte den Einsatz massiver Getriebe, und die gewaltig gesteigerte Genauigkeit machte es notwendig, die bis anhin im Sender verwendeten drahtgewickelten Steuerpotentiometer durch Präzisionskohleschicht-Potentiometer zu ersetzen, da nämlich der Servo die einzelnen Drahtwindungen schrittweise aufzulösen imstande ist. Der Clou: Kein höherer Preis gegenüber den Servos der Serie 71!

Eine weitere Novität stellte die Einführung eines Doppelsuperhetempfängers für RC-Anlagen dar. Dieser ist mit MOSFET-Transistoren bestückt und konnte infolge seiner Immunität gegenüber Spiegelfrequenz und Harmonischen mit grossem Erfolg in Gebieten eingesetzt werden, wo konventionelle Anlagen versagten. Darüber hinaus übertrifft seine Temperatur- und Spannungsschwankungsunempfindlichkeit das gewohnte Mass beträchtlich. Ob sich der stolze Mehrpreis allerdings lohnt, bleibe dem Einzelnen überlassen. Die während rund eines Jahres in den USA gesammelten Erfahrungen stellen jedenfalls laut Phil Kraft eine glänzende Referenz für den Doppelsuper dar.

Neu konzipiert wurde auch die Nickel-Cadmium-Batterie. Sie sind in der neuen Ausführung praktisch unempfindlich gegenüber Vibration und Schock, daneben widerstehen sie einem höheren Druck, welches einem höheren Ladestrom und somit kürzere Ladezeiten erlaubt. Die neue Batterie wird als die ausschlaggebende Verbesserung bezüglich der Zuverlässigkeit der ganzen Anlage bezeichnet.


Persönliche Erfahrungen:

Zu Anfang dieses Jahres wurden drei komplette 6-Kanal-Anlagen mit Doppelsuperhet-Empfängern und KPS-10-Servos direkt aus Phils Hexenküche in Vista entwendet und in die Schweiz transferiert. Inzwischen haben sich damit allerhand Flugstunden akkumulieren lassen; geflogen wurde mit Segel-, Scale- und RCMM-Modellen, zum Plausch und auch an regionalen und nationalen Meisterschaften. Das einzige negative Ergebnis bestand darin, dass der Sender es übernahm, dass er anlässlich eines Wettbewerbes längere Zeit ungeschützt strömendem Regen ausgesetzt worden war. Das eingebrachte Wasser bewirkte durch Kurzschluss eine Vertauschung der Steuerelemente, was den Landeanflug bedeutend verkürzte. Nach erfolgter Trocknung jedoch war das Funktionieren wieder einwandfrei.

Von diesem Zwischenfall abgesehen arbeiteten die Anlagen störungsfrei selbst dann, wenn andere Anlagen auf Fremdsignale reagierten. Die Servos arbeiten kraftvoll und so genau, dass auch die minimalsten Trimmkorrekturen sofort zur Wirkung kommen. Ihre Schnelligkeit ist sowohl bei 4-Zeitenrollen und Vrillen als auch bei Landungen unter Turbulenten Verhältnissen ein ausschlaggebender Vorteil. Wer immer den Sender in die Hand gedrückt bekam, war davon beeindruckt, wieviel präziser sich die Modelle steuern liessen.

Fazit: Der Perfektionist Phil Kraft hat mit seinem Team zusammen durch die Entwicklung der Serie 72 bewiesen, dass das Bessere der Feind des Guten ist.




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