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Von Holz bis 3D-Druck

von Emil Giezendanner
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Fast täglich tauchen in den verschiedenen Medien neue oder stark überarbeitete Produkte des Modellflugs auf. Gerade weniger erfahrene Modellfliegerinnen und Modellflieger könnten damit aber rasch einmal überfordert sein. Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?


Modellflugvereine können unterstützen

Entscheidungen für einen Neukauf sind für den weniger Versierten oftmals schwierig. Kameradschaften, Zusammenarbeit, Fachsimpeln und gebündelte Erfahrungen auf dem Fluggelände oder beim Kaffee können helfen. Denn auch einfache Modelle können rasch einmal ein paar Hundert Franken kosten. Nicht nur Diskussionen können Verunsicherungen beseitigen helfen, sondern auch der Flugbetrieb selber. Sehen Flüge stabil aus, sind die Modelle sehr schnell – oder normal? Beobachten, wie geht der eine oder andere mit seinem Flugzeug um, unsicher oder gekonnt? Verhalten bei Starts und Landungen auf Rasen. Immer wieder höre ich, wie über ein Modell auf dem Platz diskutiert wird. Aus meiner Sicht lehrreich. Weniger erfreulich sind Entwicklungen in Richtung «wer ist der Grösste?» Wer hat das schnellste, das grösste oder das teuerste Modell?



Wege nach Rom

Viele Zugänge zu den Modellflugvereinen bringen schon ein Grundwissen und etwas Flugerfahrungen mit. Zweite Lebenshälfte oder rund um das Pensionsalter. Sie haben sich schon im Jugendalter mit dem Modellflug beschäftigt und während intensiver Berufsphasen nur noch punktuell. Sie bewältigen eine Art «zweiten Einstieg». Viele von ihnen sind im Verein bald einmal gut aufgehoben, wenn es ihnen gelingt, sich mehr oder weniger in deren Gepflogenheiten einzuleben. Sie wollen das Fliegen erlernen und sind dankbar für Ratschläge, insbesondere für die Anschaffung geeigneter Modelle, die sich für das vereinseigene Fluggelände eignen. Handelt es sich um Gras- oder Rasenplätze, befestigte Pisten oder Hangfluggelände? Es lohnt sich besonders am Anfang, diese Voraussetzungen gebührend zu beachten.



Selber Bauen im Aufschwung

Zunehmend findet auch eine Rückbesinnung auf das Selberbauen statt. Die grosse Zahl an Bausätzen aus gefrästen Holzteilen und gemischten Materialien bis zu den 3D-Drucken ab Daten im WWW oder gar Eigenkonstruktionen. Zurzeit erfreuen wir uns einer zunehmend grösseren Schar an pensionierten CAD-Kennern. Sie bringen neuen Wind in die Eigenbauszene. Schön, dass auch jüngere Modellflieger das grosse Abenteuer des Selberbauens geniessen lernen. Auch sie können motivieren, beraten und helfen. Ich würde nicht gerade mit einer FA-18 aus Holz starten.


Mit Holz gross aufgetrumpft

Mit Holz fing alles an. Zumindest, was den Bau von RC-Modellen angeht. Dazu gehörten auch die ersten Bausätze – nach Kriegsende aus den USA und Japan – aber noch mehr Eigenkonstruktionen von Segel- und Motormodellen. Die RC-Anlagen wirkten wie Kunststücker auf die Entstehung neuer Eigenbauten in grosser Zahl.

In den Siebzigerjahren tauchten im F3A-Kunstflug erste Konkurrenzprodukte auf: aus Polyester laminierte Rümpfe und mit Balsaholz oder Furnieren beplankte Styroporflügel. Diese Modelle konnten zu keiner Zeit den Holzbauten das Wasser reichen oder diese gar vertreiben. Viele kehrten reumütig zurück zum Holz. F3A-Holzmodelle blieben das Mass aller Dinge. →



Holzfolie

Vor Jahren hätte ich den Holzfolienkonstruktionen eine nicht allzu grosse Zukunft vorausgesagt. Doch die Entwicklung ging genau in die entgegengesetzte Richtung. Dies hat bestimmt auch mit modernen, los variierbar. Die Hersteller haben in diesem Bereich grossartig reagiert oder gar einen Neustart hingelegt. Nach anfänglichen Schwachstellen – z.B. Fahrwerkbefestigungen – sowie die zusätzlich verwendeten GFK/CFK-Materialien machen diese oft sehr schönen Modelle ohne Wenn und Aber erwachsen. Die Modellgrössen bewegen sich auch hier zwischen 1 und 3 Metern. Holzmodelle lassen sich mit den klassischen Reparaturmethoden wie Leimen, Schäften oder Verstärkern wieder in Schuss bringen. Folien sind ebenfalls problemlos. Alles eine gute Schule für den «Nichtbauer». Im Kunstflug mit Grossmodellen ist die Holzfolienbauweise nach wie vor sehr beliebt. Diese Modelle bewegen sich zudem in einem guten Kosten-Leistungs-Verhältnis.



Schaumstoff – ein Riesentrend

Wenn ich zurückdenke an die Anfänge – ganze Container wurden auf den Markt geworfen. Sie sahen aus weiterer Distanz oder auf den Schachteln ganz ordentlich aus, Qualität oft eine Katastrophe, Wegwerf- statt Einziehfahrwerke, Bruchstellen eingeplant. Schwerlich reparierbar. Schwierig im Handling, Akkuwechsel glichen chirurgischen Eingriffen. Einmal-Einsatz, und ab in den Kehrriech! Die damaligen Importeure haben Pionierarbeit geleistet – reich ist dabei wohl keiner geworden. Schaumstoffmodelle halten heute einer kritischen Betrachtung durchaus stand. Das Material ist viel robuster geworden, die Oberflächen feiner mit attraktiven Designs. Ohne Übertreibung: Einzelne Modelle können ohne Vorbehalt als Semi-Scale-Modelle d elle durchgehen. Einziehfahrwerke halten auch harte Landungen aus, der Akku-Wechsel ist einfach und sicher. Nicht nur kleinere Modelle (0,8 bis 1,2 m) sind heute sehr beliebt, sondern immer mehr auch Angebote im 2-m-Bereich. In den technischen Beschreibungen der Hersteller wird beim Material oft «EPO» genannt. Auf der Suche im Netz stößt man auf «Mischung aus expandiertem Polystyrol und Polyethylen». Ob diese neueren im Modellflug verwendeten Materialien den genannten Zusammensetzungen entsprechen, ist nicht sicher. Keiner wird das Geheimnis seiner Mischungen preisgeben wollen.



GFK/CFK-Schalenbauweise – Luxus?

Kommen wir schliesslich zu den Voll-GFK/CFK-Modellen. Dies betrifft in erster Linie die Grosse Segler sowie die Jets. In beiden Kategorien wird viel Aufwand in die Massstabtreue gelegt. Die grossen Jets sind entweder unbemalt oder als ganz tolle Scale-Modelle mit allen Details erhältlich. Auch die F3A-Kunstflugklasse ist in der modernen Sandwich-Vakuum-Bauweise an vorderster Front dabei. Wer sich für Modelle dieser Klasse entscheidet, tätigt Investitionen, die für ein paar Jahre die Sammlung bereichern sollen. Sicher wird es sich dabei nicht um «Alltagsmodelle» handeln, sondern um ganz besondere Anlässe. Im Gegensatz dazu sind die Luxus-F3A-Modelle ganz klar Sportgeräte und dem harten Trainingsbetrieb ausgesetzt.


3D-Druck auf der Überholspur

Seit einigen Jahren wird in dieser Zeitschrift über 3D-Druck berichtet. Ging es am Anfang um kleinere, praktische Dinge wie Servohalterungen, Details für Scale-Modelle oder Senderaufhängungen, so folgten bald einmal grössere Teile, die als Urmodelle für den GFK-Formenbau dienten. Letzteres benötigte nach wie vor die aufwendigen Laminierarbeiten bis zum fertigen Rumpf oder Flügel. Der nächste Schritt geht nun definitiv ans Eingemachte des CFK/GFK-Modellbaus. Mit neuen Druckmaterialien wird leichter und sehr viel robuster «gebaut» beziehungsweise gedruckt. In unserer Ausgabe 1-2025 wurde die moderne 3D-Druck-Bauweise gleich von zwei Autoren detailliert beschrieben. Ich bin sehr gespannt, wann die industrielle Fertigung beginnt. Ich vermute, da sind einige in den Startlöchern. Eine hoch spannende Zeit für den Modellflug.



Post Scriptum

Sehr viel Erfahrung kann ich in der Onlinebestellung von Modellen nicht vorweisen. Insbesondere kenne ich die zahlreichen internationalen Hersteller kaum oder gar nicht. Dies ist mir kürzlich zum Verhängnis geworden. Die Bestellung im Ausland lief gut ab. Keine Probleme, Post und Zollkosten schienen mir im Rahmen. Das Modell kostet rund 800 Franken. Der Aufwand, diesen Bausatz einigermaßen zufriedenstellend zu vollenden, ist mir zeitlich und gedulds-mässig fast über den Kopf gewachsen. Ganz besonders die Qualität der Folie ging an die Nerven. Auch eigentliche Konstruktionsfehler mussten behoben werden. Fazit: Ich werde keine Modelle kaufen, die ich selber nicht anschauen konnte oder deren Hersteller ich nicht gut kenne. ■

*In unserer letzten Ausgabe ging leider der Verfasser des Berichts auf Seite 21 «F-5 Tiger II – bitte einmal drucken!» von Michael Bucher verloren. Wir möchten uns entschuldigen.*

*Die Redaktion*



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