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Mein erstes Scalemodell

von W. Wirth
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Angeregt durch eine Artikelreihe von Ingenieur Dieter Schlüter aus den Anfängen des Hubschraubermodellfluges, fasste ich den Entschluss ein Flugzeugmodell zu bauen. Einen Helikopter ins Auge zu fassen, wäre jedoch vermessen gewesen, denn annodazumal war auch obenerwähnter Helikopterpionier noch nicht soweit, als dass er seine Entwicklung schon absolut richtig im Griff hatte.


Ausserdem verfüge ich praktisch über keine Modellbauverfahren, habe ich doch erst zwei kleine Handsegler «Hobby» und «Jolly» sowie ein Modellschiff die «Agilis» gebaut. Das neue Modell sollte gefällig wirken und in einem relativ grossen Massstab gefertigt werden, damit auch Details gut zu erkennen sind. Da kam eigentlich nur ein Scalemodell in Betracht. So habe ich mich in dieser Richtung umgesehen. Ein Baukastenmodell wollte ich nicht, um nicht überall den gleichen Typ wieder zu finden. Oldtimer, insbesondere Doppeldecker hatten es mir schon immer angetan, von da an war der Weg nicht mehr weit zum «Sopwith Camel», nach einer Planbearbeitung von Franz Meier, Rüti.

Sicher ist mein Weg von zwei kleinen Handseglern zum «Scalemodell» nicht der übliche. Ein Scalemodell erfordert viele Stunden und die mangelnde Routine trägt natürlich auch nicht dazu bei, dass ein Modell schneller fertig wird. Ein Laie muss sich solch einen Entschluss schon gut überlegen und es gilt drei Punkte zu beachten. Erstens sollte man sich strikte an die Bauanleitung halten, dann kann es nämlich nicht passieren, dass man irgend ein Teil plötzlich nicht mehr montieren



kann und zum andern muss man darauf achten, dass die einzelnen Baugruppen sauber gebaut und in sich abgeschlossen sind.

Drittens sollte man mit dem Kauf der teuren Teile wie Motor und Fernsteuerung zuwarten, bis das Modell praktisch fertig ist. So kann man sich die Freude am Bauen erhalten. Auf diese Art ist es also möglich, etwas Attraktives zu bauen, ohne ein absoluter Profi zu sein.

Natürlich hatte ich auch Schwierigkeiten und zwar schon ziemlich am Anfang. Bei den Füllstücken oberhalb des Unterflügels war ich über die genaue Form anfänglich nicht ganz sicher. Für die Beplankung der Vorderpartie habe ich mir zuerst ein Muster aus 1 mm Balsaholz hergestellt und

die Form erst nach dem genauen Anpassen auf 3 mm Balsa übertragen. Auch der Balsaklotz vorne oben mit seiner endgültigen sphärischen Form für die beiden Maschinengewehre erforderte Zeit, weil er formlich nicht ganz eindeutig aus dem Plan hervorgeht. Das ist auch wirklich das einzige, was an diesem hervorragenden Bauplan auszusetzen ist. Man sollte zusätzlich eine «Ansicht von oben» zur Verfügung haben. Ich habe dies jedoch am Originalmodell abgucken können. Ebenso die Befestigung der Maschinengewehre.

Laut Baubeschreibung ist vorgesehen, die Alu-Streben zur Verbindung von Unter- und Oberflügel sowie des Fahrgestells mit Balsaholz zu ummanteln. Für eventuelle zukünftige Camel-Erbauer empfehle ich aber, wie am Original, Abachiholz zu verwenden, das später nur lackiert wird und somit echter aussieht, als das mit Porenfüller behandelte und farbgespritzte Balsaholz. Bei diesen aus Alu gefertigten Teilen ist mir noch etwas Lustiges passiert. Als Maschinenkonstrukteur, die wir alle Masse in «mm» angeben, habe ich für den Spengler Skizzen erstellt und alle Masse mit dem Millimeterzeichen versehen und, um ganz sicher zu gehen, im Bestelltext angegeben: Alle Masse in Millimetern. Als ich die Sachen abholen wollte, war aber trotzdem alles zehnmahl zu gross. Staunend stand ich vor den Platten für das Fahrgestell, die mit ihren 2 x 2 Metern ein beachtliches Ausmass hatten. Einen Tag später war die Sache dann richtig. Selbstverständlich habe ich dann nicht weiter danach gefragt, was der Spengler mit den 90% Abfall zu tun gedenke.



Die Platten für das Fahrgestell schraubt man vor dem Aussägen zusammen, damit sie auch wirklich die gleiche Form haben. Eine gute Säge ist hier Gold wert. Ich habe nämlich alles herausgebohrt. Total hätte das einer Bohrung von 50 cm Länge entsprochen — und das alles von Hand! Nach-


dem der Rohbau endlich fertig war, habe ich Franz Meier gebeten, das Modell kritisch unter die Lupe zu nehmen. Auch hier habe ich wertvolle Tips erhalten. Die Oberflächen für die Bespannung waren zwar ganz glatt, aber die Kanten an der End- und Nasenseite nicht abgerundet. Das

Ansonsten hat mir Herr Meier jeweils gerne per Telefon meine Fragen beantwortet; nur sollte man die Fragen etwas zusammenfassen. Wer nach der Fertigstellung immer noch nicht genug hat, kann noch das Cockpit in Angriff nehmen. Die nötigen Unterlagen in Form von Fotos holt man sich aus Modellzeitschriften, wie «Profil Nr. 31», sowie «Scale Modells» Jahrgang 1970 der Monate April, Mai, Juni.

Schlussendlich ist man dann Besitzer eines wirklich prächtigen Modells, an dem man seine helle Freude hat. Gleichzeitig ist es auch noch gelungen, echte zwischenmenschliche Beziehungen anzuknüpfen und das scheint mir genau betrachtet, eigentlich das Wichtigste zu sein. W. Wirth



hätte unweigerlich dazu geführt, dass die Bespannung nach innen gezogen würde. Für Experten alles elementare Dinge — für Laien jedoch äusserst wertvolle Tips. Ich habe das jetzt behoben und die Teile Höhen-, Seiten- und Querruder sind nun tadellos bespannt. Dabei habe ich mich an die Ausführungen von K. H. Denzin gehalten, wie sie in seinem Buch «Bauen und Fliegen» beschrieben sind.




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