Titelstory

Alouette III HB-XOF Air Glaciers

von Roland Kaufmann
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Die Aérospatiale SA.319 Alouette III (französisch für Lerche) ist ein leichter einmotoriger Mehrzweckhubschrauber. Er wurde vom französischen Hersteller Sud Aviation (später Aérospatiale) ab 1959 in über 1400 Exemplaren sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke hergestellt.


Vorbild:

In der Schweiz sehr zahlreich vertreten. Beim Militär waren ca. 80 Exemplare im Einsatz.
Auch zivil waren z.B. Air Zermatt, Air Glaciers, Rega usw. mit zahlreichen Alouettes III unterwegs.
Im September 1970 zeigte die Air Zermatt als Erste, dass man mit dem Helikopter Bergsteiger aus der Eigernordwand retten kann (HB-XDA).
Das nachgebaute Exemplar mit der Seriennummer 1439 wurde 1967 gebaut und war anfangs bei der dänischen Luftwaffe als M-439 im Einsatz. Ab 1983 als HB-XOF bei der Air Glaciers in der Schweiz.
Ausgemustert am 18. Juni 2014.



Vorgeschichte:

Seit Anbeginn meiner Modellheli-Tätigkeit ist die Alouette III mein absoluter Favorit.
Die Form mit dem gefederten Fahrwerk und den grossen Einsinkschützen ist einfach nicht zu übertreffen. 2010 habe ich aus einem alten Bärtschi-Rumpf die Scale-Version der Air Zermatt HB-XDA gebaut.
Doch es musste etwas Grösseres sein. Einen geeigneten Rumpf zu finden ist da schwierig.
Versuche mit diversen Anbietern in der Szene scheiterten, weil eher Semi-Scale oder nur fertig Gebaute erhältlich waren. An einem Heli-Meeting traf ich Michel Auguste aus Grenoble.
Er hat eine Alouette III mit 3,3-m-Rotor und dabei alles selbst entwickelt. Sofort bemerkte ich die Leichtigkeit und Robustheit seiner Modelle. Auch stimmten die Proportionen und Rundungen sehr genau.
Das ist es, daraus soll meine Alouette auch entstehen.
Es brauchte viel Überredungskunst, bis Michel sich bereit erklärte, für mich einen Rumpf mit Scheibensatz und Spanten anzufertigen. Die restlichen Komponenten wie Mechanik, Fahrwerk usw. beschloss ich selbst zu entwickeln und herzustellen.
Im Jahr 2000 hatte ich die Gelegenheit, das Vorbild HB-XOF der Air Glaciers in Saanen bei Gstaad zu fotografieren. Somit war die Wahl des Vorbilds auch vollzogen.



Rumpf und Mechanik:

Die Alouette III ist in puncto Mechanik baugleich wie die besser bekannten Lama oder Alouette II. Cockpit, Turbine, Rotorköpfe sind identisch. Im eigentlichen Sinn handelt es sich um eine verkleidete Alouette II, mit dem Unterschied, dass der Heckausleger aus Blech gefertigt wurde.
Warum also nicht als tragendes Teil ein Lama-Gestell da einbauen? Ich konnte ein gebrauchtes Gestell vom Lama-Modell in gleicher Baugröße erwerben. Somit ist es schon mal Scale, und die Aufnahmen für das Fahrwerk sind stabil und am richtigen Ort. Separat eine Mechanik zu konstruieren erübrigte sich, da die Aufnahmen für Turbine und Getriebe am Gestell eingearbeitet werden konnten. Der GFK-Rumpf ist sehr dünn laminiert und nicht als tragendes Element vorgesehen. Nach dem Ausrichten und Einharzen im Rumpf an den auf die nötigsten reduzierten Spanten konnte auch der CFK-Ausleger am Gestell befestigt werden.
Als Hauptmechanik dient ein handelsübliches Teller-Kegelrad 44/11 aus Stahl gehärtet mit Spiralverzahnung. Die Rotorwelle 20/15 mm ist im Dom 4-fach gelagert und abgestützt.
Sehr wichtig ist wie beim Vorbild die V-Verstrebung von der Grundplatte zum Dom.
Diese muss kraftschlüssig und spielfrei ausgeführt sein.
Der Rotorkopf entstand aus dem Scale-Lama-Kopf von Huner-Technik 1:4 mit längeren Blattarmen, 12-mm-Blattlagerwelle und entsprechend dimensionierten Drucklagern. Auch der Dom und die Taumelscheibe wurden auf Massstab 1:3,2 angepasst.
Das Delrin-Zahnrad auf der ersten Stufe musste eigens für die Alouette angefertigt werden, damit der Hauptrotor im optimalen Bereich von 700 U/min dreht.



Heckausleger/Rotor:

Aus Transportgründen musste die Alouette 2-teilig konstruiert werden.
Das Anschrauben des Heckauslegers ist jedoch eine Herausforderung, hat es doch in diesem Bereich keine Öffnung im Rumpf. Auf dem Heckausleger sind beim Vorbild durchlaufende Segmente oben zum Entfernen vorhanden. Ich beschloss, auch dieses nachzubauen.
Das vordere Segment entfernt, kann der Ausleger dann bequem angeschraubt werden.
Also längs aufschneiden und ein Fachwerk aus Kohlenrohr einkleben, das dann auch die Lager für den Heckrotor antrieb aufnimmt. Nur ein Holzspant für den Heckrotor musste eingebaut werden. Somit konnte der Heckausleger sein ursprüngliches Gewicht beinahe behalten. Der Heckrotor wurde etwa zwei Grad schräg eingebaut, damit der Kreis zum Winkel des Auslegers fluchtet. Die Anlenkung muss wie beim Vorbild von aussen über eine Hohlwelle erfolgen. Welle und Blatthalter entstanden im Eigenbau. Auf den Seiltrommelantrieb wie beim Vorbild konnte ich Gott sei Dank verzichten, da nicht sichtbar.
Ich entdeckte zufällig im Modellbaugeschäft Sandwichplatten aus Balsa mit beidseitiger CFK-Beplankung, 3 mm stark und ultraleicht. Zwar nicht billig, aber optimal für die Anfertigung der Seitenleitwerke.
Die Höhenleitwerke entstanden ebenfalls aus Karbonrohr und 0,3-mm-Karton, mit Sekundenkleber imprägniert und ausgesteift.
Merke: Gewicht hinten gespart, muss vorne nicht mit Trimmgewicht ausgeglichen werden.
Das kann bei einem Heli in dieser Grösse schnell 2–3 kg ausmachen.


Fahrwerk:

Damit das möglichst realistisch aussieht, müssen die hinteren Federbeine genügend ausfedern.
Bei Stabilus kann man sich Gasfedern massgeschneidert anfertigen lassen.
In diesem Fall 16 mm mit 6 cm und Ausstoss 5 kg. Damit ist auch eine saubere Führung der Kolbenstange gewährleistet. Die Gasfedern wurden mit entsprechend zurechtgedrehten Alurohren verkleidet und lackiert. Die Schwingen sind konisch und elliptisch im Querschnitt. Am CAD habe ich diese 3D-gezeichnet als Halbschalen gedruckt, die nachher um die geschweissten Stahlkerne geklebt wurden.
Beim Bugrad die gleiche Konstruktion mit einer kürzeren Gasfeder. Dieses wird beim Abheben mit Bügel und Feder in Flugrichtung zentriert wie beim Vorbild. Die Einsinkschütze sind 50 cm lang und wurden 2-teilig gedruckt und mit Alublech beplankt.
Auch die Zentrierung der seitlichen Einsinkschütze im Flugzustand erfolgt mit Druckfeder-Zugelementen und Seilen möglichst vorbildgetreu.



Kabine und Verglasung:

Auch die Kabine sollte möglichst vorbildgetreu gebaut werden.
Beim Vorbild sind die Profile der Kabine 40 mm breit (Lama und Alouette).
Das wären dann in meinem Fall 12 mm. Innen ist ein halbrundes Profil angebracht. Ein mit der Tischkreissäge halbiertes 10-mm-PVC-Rundrohr wurde innen aufgeklebt und dunkelgrau lackiert.
Die Scheiben sind wie beim Vorbild von aussen aufgesetzt, mit einem Streifen aus Karton oder Epoxypolplatte 0,5 mm abgedeckt und verschraubt. Danach alles abkleben und vorbereiten für Lackierung. Die Abklebung wird erst nach dem Lackieren wieder entfernt. Cockpit und Bestuhlung lieferte Scale Print. Boden und Rückwand entstanden aus leichtem 3-mm-Schaum-PVC. Die Pilotenpuppe kommt wie üblich von Axels Scale Pilots.



Oberfläche und Finish:

Sämtliche Blechüberlappungen und Applikationen wurden aus Kartonstreifen mit Sekundenkleber versiegelt realisiert, die Übergänge gespachtelt und verschliffen. Beim Verschleifen dürfen durchaus Dellen und Vertiefungen bleiben. Das gibt nach dem Lackieren die realistische Oberfläche.
Anbauteile wie Türscharniere usw. entstanden aus Stahlblech. Auftritte, Auslenkorkorb und Windenausleger sind aus dünnwandigem Messingrohr hartgelötet.
Die Herausforderung der besonderen Art stellte die Turbinenattrappe dar. Diese soll die Jakadofsky-Turbine zu 100% verkleiden, ohne beim Erstflug gleich abzufackeln.
Die Materialien: Getriebe: 3D-Druck; Gehäuse: GFK; Endrohr: Karton versiegelt.
Das innere CNS-Flammrohr wurde mit Glasfasermatte verkleidet. Das Gehäuse mit Keramikfasermatten.



Nach dem Erstflug: Kontrolle und Fertigstellung.

Die typischen Ansauggitter entstanden aus einem Passiersieb aus dem Küchenzubehör. Rahmen aus CNS-Blechstreifen mit Punktschweissung verbunden. Eine sehr aufwendige Angelegenheit. Die Nieten entstanden wie immer mit der Spritze 0,6 mm und Weissleim. Nach dem Grundieren und Abkleben folgte die Lackierung direkt mit 2K-Farbe. Ich mache die Lackierungen meiner Modelle immer selbst. Klarlack verwende ich nur, wenn Basislack Metallic zur Anwendung kommt.


Erstflug und Fazit

Im Januar 2024 dann der Erstflug, noch ohne Cockpit und Turbinenattrappe. Zu meiner Überraschung und Erleichterung funktionierte alles auf Anhieb einwandfrei. Nach der Saison 2024 und 2025 mit vielen Flügen bin ich sehr zufrieden mit dem Erreichten. Alle meine Erwartungen wurden übertroffen.
Leider hat sich der aufwendige Scale-Ausbau doch mehr aufs Gesamtgewicht ausgewirkt, als von mir angenommen bzw. berechnet. Die Bazl-Abnahme war daher unumgänglich und ist erfolgreich abgeschlossen.



Original oder Modell?

Technische Daten

Rotor:

3,3 m

Gewicht:

29 kg vollgetankt

Antrieb:

Turbine Jakadofsky PRO 6000

Bauzeit:

ca. 1200 Std.

Massstab:

1:3,2

Rumpf:

Michel Auguste FR (Kleinserie) Leichtbau

Mechanik:

Eigenbau (Lama-Gestell)

Speziell:

Full Scale mit vielen Details, Rotorkopf/Interieur usw.



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