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OS-Wankelmotor

von H. St.
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Der OS-Wankel löst Lärm- und Vibrationsprobleme


OS-Wankelmotor

Wenn Sie über ausreichendes Selbstbewusstsein verfügen, auch einmal mit einem Motor von weniger als 10 cm3 in Erscheinung zu treten, wenn Ihre Servos auch schon unter Motorvibrationen gelitten haben, wenn Ihnen und Ihrem Nachbar laute Motoren ein Greuel sind, und wenn Sie schliesslich nicht allem Neuen zum vornherein abhold sind, dann geht es Ihnen wahrscheinlich wie mir. Wäre er billiger, so hätten Sie schon lange einen Versuch mit dem OS-Wankelmotor unternommen. Nun hatte ich in den letzten 2 Jahren mehrmals die Gelegenheit, mit einem durch Hans Waefler (bekannt auch durch Langstreckenflüge in Lindbergh'scher Tradition) in selbstloser Weise ausgeliehenen Exemplar erste Erfahrungen mit dem neuartigen Flugsystem OS-Wankel-Gaupner-Middle Stick zu sammeln. Diese gestalteten sich durchwegs positiv, die Sache funktionierte einwandfrei und das Publikum gab sich beeindruckt. Ist der inzwischen zwar reduzierte, aber immer noch stolze Preis gerechtfertigt? Ich glaube schon, denn man darf diesen Motor nicht mit den konventionellen Hubkolbenmotoren vergleichen, setzt er doch bezüglich Geräuscharmut, Leistung und Regulierbarkeit ganz neue Massstäbe. Diese Ziel zu erreichen erforderte ein Vielfaches an Ingenieurarbeit gegenüber der Weiterentwicklung der bisherigen Glühzünder und an diesem Aufwand gemessen, ist der Wankel immer noch billig.

Zum Zwecke eingehender Versuche äusserte man gegenüber der Fa. Graupner den Wunsch, einen solchen Motor samt Middle-Stick-Baukasten etwas vergünstigt zu bekommen, um darüber einen kleinen Bericht zu veröffentlichen. Dieser Bitte wurde prompt und grosszügig entsprochen und nach Erhalt des Materials machte man sich unverzüglich an den Zusammenbau des Modells. Dieser bot aufgrund des einfachen, zweckmässigen Konstruktion und unter Zuhilfenahme der detaillierten Bauanleitung keine Schwierigkeiten, das Holz war von guter Qualität und sauber vorgestanzt. Um des Experiments willen wurden auch gleich einige Aenderungen am Aufbau eingeplant. Die V-Form der Tragfläche wurde halbiert, die Querruder und die Flächenhinterkanten wurden mit Kavan'schen Kunststoffleisten versehen, die einen fast spaltfreien Anschluss ermöglichen, der Tank wurde tiefer gesetzt und der Motorbefestigungsring wurde auf 3 Gummielementen gelagert um eine Reduktion der Geräuschübertragung auf die Zelle zu erzielen. Man erwartete hohe Fluggeschwindigkeiten, weswegen die Tragfläche mit starker Bespannseite überzogen wurde.

Nach vollendetem Zusammenbau und nachdem die Farbe einigermassen ausgetrocknet war, begab man sich unverzüglich zum Fluggelände, wo eine letzte Kontrolle vorgenommen wurde. Auch diesmal funktionierte am Boden noch alles ausgezeichnet und so wurde vom berühmten 10%igen Treibstoff aufgetankt. Dann gings nochmals rasch nach Hause, den vergessenen Elektrostarter holen, ohne den es nicht gut geht. Wieder auf dem Platz erfolgten die üblichen Hantierungen und sofort wankelte der Motor etwas fett vor sich hin. Durch Zudrehen der Düsennadel kam der Motor mit einem Nylon Super 9 x 5 auf etwa 1500 Touren, dann wurde gedrosselt und durch Hoch- und Tiefhalten der Nase (des Modells) der Leerlauf kontrolliert. Mangels Regelschraube kann und muss man nichts verstellen, 3000 bis 3500 Touren werden einwandfrei durchgehalten. Da man einen neuen Motor bekanntlich etwas einlaufen lassen sollte, wurde etwas damit herumgespielt und ein paar Minuten am Boden herumgerollt. Ungewohnt ist die spontane Reaktion aufs Gasgeben: Unter Ausstossen einer Rauchwolke springt der Motor aus dem tiefsten Leerlauf fast momentan auf höchste Drehzahl, was das Modell einen richtigen Satz nach vorn tun lässt.

Nach ein paar Minuten war die Geduld erschöpft und es wurde neu aufgetankt. Nun gings zum ersten Mal in die Luft und zwar raketenartig. Motor und Modell benahmen sich so, wie wenn sie schon lange in Betrieb wären, keine Korrekturen waren erforderlich. Gesamteindruck: Ausserordentlich schnell und wendig, sehr leise.

Da sich der Schreibende auch schon mit der Schalldämpfung von Modellmotoren beschäftigt hat, war es nicht abwegig, auch hier entsprechende Untersuchungen vorzunehmen. Als Viertakter reagiert ein Wankelmotor ziemlich unempfindlich auf den Rückstau des Schalldämpfers. Der Originaldämpfer ist ja auch auffallend klein. In diesem Fall wurde ein SILEX-Zusatzdämpfer zusammengebastelt und unter den Rumpf montiert. Die Verbindung mit dem Originaldämpfer erfolgte durch ein mit Briden gesichertes Gummischlauchstück von 8 x 10 mm und 13 cm Länge. Der Testlauf erbrachte ein äusserst interessantes Resultat: Verblüffende Geräuschkämpfung plus Leistungssteigerung. Deutlich hörbar war nur noch das in Richtung der Propellerblätter abgestrahlte Propellergeräusch, welches sich sirenenartig verstärkte, wenn man mit den Fingern zu nahe kam. Nun wurden vergleichende Schub- und Drehzahlmessungen mit und ohne Nachschalldämpfer vorgenommen und ergaben folgende Werte:


DrehzahlmesserHeathkit Thumb Tach
SchubmesserAngler-Federwaage
TreibstoffCES-Super
(10% Nitromethan, 20% Castrol M)
GlühkerzeGraupner 1606
(Wankel-Spezialkerze)
PropellerNylon Super 9 x 5
(ausbalanciert)
NachschalldämpferSILEX mit Eintrittsstutzen 8 x 10 mm, 3 Austrittsröhrchen 4 x 5 x 15 mm
Temperatur5° C


Die Flüge werden mit dem Nylon Super 9 x 5 ausgeführt. Damit fliegt das 2 kg schwere Modell mit etwas Anlauf 2 Vertikalrollen (aufwärts!) und überhaupt sehr schnell.

Ueber die Lebensdauer können jetzt nur Vermutungen angestellt werden. Bis heute ist jedenfalls nichts nachteiliges bekannt geworden. Da der Rotor nur 5—6 000 Touren/min erreicht, bleibt die Belastung der Teile sehr gering. Die Dichtleisten können natürlich ausgewechselt werden. Gegenüber Abstürzen ist der Motor, vom Aufbau her gesehen, eher unempfindlicher als konventionelle Motoren. Hinderlich wären verklebte Dichtleisten nach einem längeren Betriebsunterbruch, wodurch das Anspringen durch ungenügende Kompression erschwert würde. Es empfiehlt sich darum, die Beimischung von Glo-Life zum Treibstoff, was jeden Kohleansatz verhindert. Nach Gebrauch einige Tropfen Maschinenöl in den Motor zu träufeln schadet sicher auch nichts. Aus Nitromethan bildet sich nämlich mit der Zeit etwas Salpetersäure, was jeden Motor bei langem Nichtgebrauch innerlich erröten lässt, wenn er nicht zuvor durchgespült oder wenigstens gut eingeölt wurde. Selbstverständlich verwendet man die Graupner-Spezialglühkerze.

Zusammengefasst: Der OS-Wankel ist ein für seine Grösse sehr starker und schneller Motor mit absolut zuverlässigen Start- und Drosseleigenschaften, ideal für Modelle zwischen 2 und 3 kg Gewicht. Die Laufruhe schont die Servos in höchstem Mass und mit minimalem, zusätzlichen Aufwand wird ein ausserordentlich niedriger Lärmpegel möglich.



nur mit Original-SDOriginal + Zusatz-SD
Drehzahl U/min14 80015 200
Schub kp1.651.75

TF Super M
9 x 6
TF Holz
10 x 5
TF Power Prop
10 x 6
Tornado
7 x 8 Dreiblatt
Drehzahl U/min12 50012 70010 40015 000
Schub kp1.61.751.51.0


Der mit einfachsten Mitteln selbst herzustellende Zusatzschalldämpfer wurde in MFS 3/74 genauestens beschrieben. In verschiedenen Fachgeschäften sind kompl. Bausätze für wenig Geld zu erstehen.

Nun fühlt sich die Redaktion des MFS, wie man weiss, dazu verpflichtet, im Interesse der Erhaltung des RC-Motormodellflugs für einen möglichst störungsfreien Betrieb desselben zu werben. Mit der Entwicklung des Wankelmotors für Flugmodelle ist nun ein riesiger Schritt vorwärts in bezug auf das Lärmproblem getan worden; unter diesem Aspekt ist es mehr als ein Jammer, dass dieser Motor gerade hierzulande ein solches Dornröschendasein fristet. Nun haben Ventilationen bei Modellbauhändlern ergeben, dass bei Sammelbestellungen mit einer Preisreduktion zusätzlich zum kürzlich eingeführten Rabatt von 10% gerechnet werden darf. Als Dienstleistung für seine mehr oder weniger freiwilligen Abonnenten bietet sich MFS deshalb als Vermittlerstelle an und fordert jedermann auf, baldmöglichst sein eventuelles Interesse am Bezug eines Wankelmotors unverbindlich per Postkarte der Redaktion MFS bekanntzugeben. Gleichermassen sind die Modellbauhändler angesprochen, ein entsprechendes Angebot der Redaktion zuzustellen. Letztere spendet zu jedem Motor einen SILEX-Zusatzdämpferbausatz. Ueber das Echo dieser Umfrage und entsprechende Bezugsquellen soll in der nächsten Nummer berichtet werden. H. St.



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