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RC-Segelmodell CYGNUS – Ein Vorwort für den gewöhnlichen Modellflieger

von Emil Giezendanner
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Sind Sie ein gewöhnlicher Modellflieger? Dann ärgern Sie sich ganz gewiss bei der Durchsicht unserer Fachliteratur (besonders der deutschsprachigen). Hier ist nichts mehr zu wollen für gewöhnliche; gewöhnliche Flugmodelle gibt es da schon lange nicht mehr. Alles ist „super“, „ultra super“, „super-super“ und auf „Hochleistung“ getrimmt.


Hochleistungs-Kunstflugmodelle mit dem superschnellen Super-Finish aus dem hochelastischen und superleichten Super-Bespannmateriale. Oder kennen Sie etwa ein RC-Segelmodell das nicht ein „Hochleistungs-Thermikmodell“ oder sonst etwas ganz Spezielles ist. „Hochleistungs-Erzeugnisse machen jeden Käufer zum Super-Modellflieger“, will man durch Werbung dem Modellbauer eintrichtern. Will man unser Konsumverhalten steuern, indem man uns am Ehrgeiz kitzelt? Wer's nicht glaubt, der blättere einmal eine Fachzeitschrift, gar einen Verkaufskatalog oder ein Prospekt durch: Was nicht super-leicht, super-schnell, super-stark, super-glatt und super-elastisch ist, ist zumindest super-teuer. Ekelhaft, nicht wahr? !

Nun, worauf ich eigentlich hinaus will, beim CYGNUS handelt es sich um ein gewöhnliches Segelmodell (nicht zu sehr, dass dies fast wieder „speziell“ wäre – sozusagen „super-gewöhnlich“), dessen Konzeption besonders dem Freiflug-Segelmodell zugrunde liegt. Gleich dem modernen Freiflugsegler ist der CYGNUS leicht gebaut – trotzdem aber relativ schnell. Die Flügel sind fein und leicht und mögen auf den ersten Augenblick zerbrechlich und sensibel erscheinen. Obwohl der CYGNUS für Thermik und leichteren Hangwind gerechnet ist, steht er auch Loopings, Turns und Männchen anstandslos durch, falls diese Figuren mit Gefühl geflogen werden. Doch soll hier gesagt sein, dass das ideale Kunstflug-Segelmodell unserer Meinung nach anders aussehen muss. Auch fehlt uns der Drang – wenn wir einmal unsere Segler starten und kaum oben sind – die ganze Höhe mit Akro zu vernichten! Wir möchten eben segeln.


Einige Tips zum Bau des CYGNUS


1. Der Flügel

Die ursprüngliche CYGNUS-Version ist mit einem Doppeltrapezflügel ausgerüstet worden, welcher über die ganze Länge eine aerodynamische Schränkung (Veränderung des Profils von halbsymmetrisch an der Flächenwurzel zu vollsymmetrisch am Flügelende) aufgewiesen hatte. Obwohl sich diese Flügelversion bei guter Ausführung bestens bewährt, sind wir auf parallele Flächen mit leichter Abschrägung im äusseren Flügeldrittel gegangen, da der Bauaufwand für die Doppeltrapezflächen viel zu gross war. Nur wenige Modellbauer waren in der Lage, den Flügel präzise und ohne Verwindung hinzubringen. Vergleichsfliegen mit parallelen Flächen und Trapezflächen zeigten, dass sich der enorme Bauaufwand auch leistungsmässig kaum lohnt, jedenfalls in keinem Verhältnis steht.

Der Aufbau des neuen CYGNUS-Flügels geschieht auf einem planen Brett. Die aus dem Bauplan geschnittenen Flächen-grundrisse werden auf das Brett geheftet und mit transparenter Plastikfolie geschützt. Für den ganzen Flügel bleibt die Grösse der Rippen unverändert. Erst wenn Rippen, Holmgurte und Nasenholm sorgfältig verleimt worden sind, werden die Rippen des verjüngenden Flügelteils mit einem Messer nach Plan auf die geforderte Länge abgeschnitten. Jetzt können wir die vorher gekerbten Endleisten anbringen. Die aerodynamische Schränkung wird ganz einfach erreicht, indem im verjüngenden Teil die Endleisten oben bündig verlaufend an die abgestutzten Rippen angesetzt werden. Die untere Angleichung der zu dicken Rippenenden geschieht erst zuletzt nach der Entfernung des Flügels von der Helling. Mit einem Balsahobel werden die entsprechenden Rippen auf Endleistendicke zugespitzt.


2. Der Rumpf

Die Rumpfkonstruktion ist für RC-Segler eher unkonventionell, da in dieser Sparte das Vorbildähnliche stark überwiegt. Der Selbstbau eines vorbildähnlichen Rumpfes erschien uns von jeher recht aufwendig und hat uns nie recht zu begeistern vermocht. Deshalb begannen wir nach „neuen“ Möglichkeiten Ausschau zu halten. Beim CYGNUS hat uns der Freiflug einmal mehr als Vorbild gedient. Diese Rumpfkonstruktion (Holzkeule und Alu-Rohr) ist im Freiflug längst bekannt und beliebt. Das Rumpfvorderteil lässt sich relativ einfach aus Balsabrettern aussägen und verleimen. Auch aus einem vollen Klotz lässt sich das Ganze recht gut herausarbeiten. Da wir vor längerer Zeit die Bekanntschaft mit einem Fachmann für kopiergefräste Holzteile machen durften, liessen wir natürlich unsere Rumpfe aus Balsaklötzen kopierfräsen inklusive Flügelmittelstück. Damit konnten wir viel Arbeit und eine Menge Balsastaub ersparen.

Das Alurohr wird aus Gründen der Schwerpunktslage konisch abgedreht und weist hinten eine Wandstärke von max. 3/10 mm auf. Diese Rohre sind auch nach vollendeter Prozedur immer noch mehr als robust genug und haben selbst schwere Abstürze heil überstanden.

Wer mit Bleiballast etwas sparsamer umgehen möchte, baut nicht nur das Leitwerk möglichst leicht, sondern kann auch das Rumpfrohr um 3 bis 5 cm kürzen. Dies nimmt Ihnen der CYGNUS gar nicht übel.


3. Bespannen und Finish

Alle Holzteile werden mit Hartgrund (Porenfüller) behandelt und mit feinem Schmirgelpapier mehrmals sauber verputzt. Für die Flügel- und Leitwerkbespannung empfehlen wir Papier (stärkste Qualität) welches dem Flügel eine grosse Verdrehfestigkeit verleiht. Mit verschiedenen Kunstgeweben sowie mit Plastikfolien haben wir beim CYGNUS keine guten Erfahrungen gemacht, da diese Materialien zuwenig steif werden. Die Holzkeule kann nach mehrmaliger Behandlung mit Schleifgrund direkt mit Kunstharzfarben bemalt werden.

Die Kabinenhaube ziehen wir aus transparenten Kunststoffplatten nach Vorwärmung im Backofen mittels eines Stückes Schlauch eines Autoreifens über ein Holzmodell (Positiv).

Wer den CYGNUS auch als Motorsegler verwenden will, soll die mit Spannlack behandelten Flächen noch zusätzlich mit Zweikomponentenlack überziehen (z.B. Aloporesit). Auch die Selbstklebeschrift müsste in diesem Falle sorgfältig überpinselt werden, da diese Farbe nicht alkoholfest (hat mit Trinken nichts zu tun) ist.

Die nachträglich befestigte Leichtmetallkufe ist sehr zu empfehlen. Sie verleiht dem Rumpf zusätzliche Stabilität und schützt vor Kratzern.


4. Das Einfliegen

Vor dem Einfliegen muss nochmals die Lage des Schwerpunktes überprüft und mit dem Bauplan verglichen werden. Auf keinen Fall soll man die Kontrolle der Einstellwinkeldifferenz (EWD) unterlassen. Diese lässt sich mittels Richtlatte evtl. Wasserwaage leicht vermessen. Der CYGNUS zeichnet sich durch ein stabiles und gutmütiges Flugverhalten aus. Sollte dies nicht zutreffen, muss man dauernd korrigieren, nachstossen und ausgleichen, so sollte unbedingt das ganze Modell nochmals gründlich kontrolliert werden. gi



CYGNUS

RC-Segelmodell

Spannweite 293 cm
Länge u.a. 140 cm
Fläche 69 dm2
Gewicht ca. 1800 gr

GERB BRUNO & EMIL GIEZENDANNER
CH 8330 PFAFFIKON



Materialliste
Nr.AnzahlBezeichnungMaterialDimensionen in mmBemerkungen
1–36RippenSperrholz2 mm nach Plan
4–2442RippenBalsa2 mm nach Plan
252RandbogenBalsa20 x 40 x 170
262NasenleisteBalsa8 x 12 x 1400hart
274HolmKiefer4 x 4 x 1400
282EndleisteBalsa8 x 25 x 1400
292AbschlussrippeSperrholz3 mm nach Plan
304Rohr für FlügelbefestigungMessing6 x 5,1 (innen φ) x 122
312BeplankungenBalsa2 x 80 x 1400hart
3214MittelbeplankungenBalsa6 mm einpassen
334EckenBalsa20 mm einpassen
342Hakensrauben für GummisStahl
401FlügelverbindungsstückLimba oder Linde220 x 90 x 40
414Rohre für FlügelbefestigungMessing6 x 5,1 (innen φ) x 46
422Stege für FlügelverschraubungSperrholzca. 3 x 20 x 58
432Rumpfbretter (äussere)Balsa20 x 100 x 685hart
441Rumpfbrett (inneres)Balsa30 x 100 x 685hart
451RumpfrohrAlu16 x 770 x 16,4–18konisch abgedreht
461KufeAlu6 x 9 x 490U-Profil
471HochstarthakenStahl
481KabinenbefestigungHartholzklötz oder Buchendübel (3 mm)
491KabinePlexi oder ähnlich1 bis 1,5heiss geformt
501Höhenleitwerk-AuflageLimba oder Linde15 x 30 x 102
511Höhenleitwerk-MittelstückSperrholz6 x 30 x 77
522NasenleistenBalsa6 x 17 x 320hart
531EndleisteBalsa6 x 8 x 640hart
54StrebenBalsa3 x 6 x 1000
551HöhenruderBalsa6 x 40 x 660konisch
562AbschlussrippenBalsa6 x 10 x 70
601Seitenleitwerk-WurzelrippeBalsa4 x 6 x 80
611NasenleisteBalsa4 x 10 x 230
621EndleisteBalsa4 x 8 x 220
632BeplankungenBalsa2,5 x 100 x 220
641SeitenruderBalsa8 x 60 x 200konisch
651HeckspornSperrholz4 mmnach Plan
661Nasenspant zur Kabinen-zentrierungSperrholz3 mmanpassen
ferner2SchubstangenBalsa (hart)1000 x 4 x 4gerundet, geschliffen und lackiert
2RuderhörnerNylonfertig
4Stahldrähte für Flügelbefestigung166 lang 5 φ
4Schrauben für Flügel und Leitwerkund Gewindetüllen und Einschlagmuttern (M3)


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