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Der Ross-Twin 60

von
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Mit dem Ross-Twin gibt es nun endlich einen Boxer-Glühzündermotor für den Modellflieger. Wozu überhaupt dieser Aufwand, mag man sich fragen. Nun verhält es sich so, dass auf grund immer noch gültiger physikalischer Gesetze ein Einzylindermotor nicht ausbalanciert werden kann.


Vibrationen lassen sich also nicht vermeiden und erreichen bei den heute üblichen hohen Drehzahlen eine äusserst schädliche Intensität. Anders beim Boxermotor, der sich weitgehend ausbalancieren lässt und demzufolge kaum noch Vibrationen erzeugt, und es mag daher erstaunen, dass nicht schon früher Boxermotoren hergestellt worden sind.

Nun hat es diesbezüglich an Versuchen nicht gefehlt, doch ist es um die jeweils vorgestellten Prototypen immer rasch wieder ruhig geworden. Vermutlich waren es sowohl die hohen Herstellungskosten als auch technische Knacknüsse, vor allem die Schwierigkeit der Erzielung eines in beiden Zylindern identischen Gemisches in allen Lebenslagen, welche sich so hemmend auswirkten. Es blieb also anscheinend dem Genie und der Ausdauer von Louis Ross, Vice-president der Northfield Precision Instrument Corp., Long Island, New York, vorbehalten, während einer Phase der Unterbeschäftigung einen Boxermotor für Flugmodelle zur Serienreife zu bringen.

Bei diesem Motor handelt es sich nun um einen in kleinen Serien hergestellten Liebhaberartikel, was man ihm auch äusserlich schon von weitem anmerkt. Es gibt ihn in der sog. Normalausführung oder gegen Aufpreis in schwarz eloxierter Form, was die Wärmeabstrahlung verbessert. Er besitzt einen hinten liegenden zylindrischen Drehschieber und ist normalerweise mit dem vielgerühmten Perry-Vergaser ausgerüstet. Schalldämpfer gehören zwei dazu und dieselben sind nicht nur leise, sondern zugleich wirkungsvolle Oelabscheider nach dem Zyklonprinzip.


Im Verlaufe eines halben Jahres konnten die folgenden praktischen Erfahrungen gesammelt werden: Das Starten ist problemlos. Es genügt schon, eine Kerze allein an die Startbatterie anzuschliessen und nach erfolgtem Anspringen die andere kurz zu zünden. Werden beide Kerzen zugleich beheizt, so kommt der Motor sofort, dies als Warnung. Nach einer Einlaufzeit von rund 15 Flügen war der Vollgasverlauf seidenweich und gleichmässig, doch wurde vorsichtshalber eher etwas feiss geflogen. Die Vergasereinstellung für Vollgasverlauf ist unkritisch, ebenso jene für den Leerlauf. Mit 11 x 7 Holz wurden im Stand 2400 U/min zuverlässig durchgehalten, was für einen Boxermotor mit unbeheizten Kerzen schon eine kleine Sensation darstellt. Die Ansprache auf Gasgeben erfolgt spontan und ohne Stottern und erinnert an einen Elektromotor. Geflogen wurde vom August bis in den Dezember mit selbstsynthetisiertem Treibstoff, dessen bis anhin streng geheimgelhaltenes Rezept auf 7—10% Nitromethan, 20% Castrol M, Methanol und einen Schuss Glo-Life lautet. Die gemessenen Höchstdrehzahlen liegen etwas unter denjenigen eines Webra 61 unter gleichen Bedingungen, was an sich sicher nicht tragisch ist, da der Ross-Twin nicht speziell für den Einsatz an RCMM-Weltmeisterschaften entwickelt worden ist.


Was kostet nun der Spass? Motor plus zwei Schalldämpfer: $ 125.— plus $ 33.— gleich $ 158.—, also um die 500 Schweizerfranken. Nicht einer der billigsten. Aber eigentlich sind es ja zwei Motoren in einem; so betrachtet und angesichts der makellosen Verarbeitung sowie der vorbildlichen Materialwahl ist der Preis gerechtfertigt, und wer sich und vor allem seiner Fernsteueranlage eine Freude machen will, der wird ihn eben berappen. Und für bestimmte Anwendungszwecke drängt sich der Boxer kraft seines vibrationsarmen Laufs von selbst auf: Das besprochene Exemplar wurde beispielsweise in einem mit einer Filmkamera ausgerüsteten Modell verwendet, was zu bemerkenswerten Resultaten geführt hat.


Die Schalldämpfer mit Oelabscheidevorrichtung werden, das soll nicht unerwähnt bleiben, in vergrösserter Ausführung auch für die gängigen 10 cm3-Motoren angeboten wobei je nach Motortyp ein entsprechender Adapter zu verwenden ist. Solche Schalldämpfer wurden am Webra, Veco und HP .61 appliziert, und sie sind meiner bescheidenen Ansicht nach die leisesten momentan auf dem Markt befindlichen. Ein etwaiger Leistungsabfall gegenüber den jeweiligen Originalschalldämpfern konnte nicht eindeutig festgestellt werden. Hingegen genügt ein Taschentuch für die Reinigung des Modells, da nur noch ein kleiner Rest feinen Oels aus dem Auspuff austritt. Es lebe der Komfort, auch beim RC-Sport! (AU!) H. St.




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