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Diolen-Kunststoffrumpfe besser als GFK

von F. W. Wüllner
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Das Mädchen — sportlich gebräunt und rassig wie Winnetous Schwester in Technicolor, das lange dunkle Haar mit einem geflochtenen Stirnband aus Leder gebündelt — hatte soeben in Rekordzeit die Schikanen gespickte Trainingsstrecke voll gefährlich brodelnden Wildwassers fehlerlos mit ihrem wendigen Kanu bewältigt. Jetzt eilte die schöne Nixe, in der einen Hand das Boot, in der anderen Hand das Paddel, ohne sichtliche Anstrengung das gewiss nicht flache Ufer hinauf.


Ein Modellflieger, auch wenn er sich wie in meinem Fall nur zum Zwecke des Spazierengehens mehr aus Versehen als aus Absicht dem nassen Element nähert, sollte nicht mit Scheuklappen oder dem bekannten Brett vor dem Kopf herumlaufen. Also erzählte mir Fräulein Barbara, so heisst unsere erfolgreiche Kanutin, einiges über sich selbst, viel über ihr tägliches Training und alles über ihr Boot aus Diolen-Polyester (DFK).

Selbstredend gibt es noch GFK-Kanus; Glasfaser mit Kunststoff, überwiegend Polyesterharz, weil Epoxi zu teuer, nicht besser und erheblich schwerer zu verarbeiten ist. Progressive Kanuten hingegen fahren allerdings DFK, Diolen mit Polyester. Eine derartige Armierung spart mindestens 10% Gewicht und bringt neben verbesserter Elastizität grössere mechanische Festigkeit, insbesondere bei Bodenkontakt, also Stein- und Felsberührung. Auch Flugmodellvornehmlich Seglerrumpfe aus Diolen-Polyester besitzen wesentlich positivere Eigenschaften als Glasfaser-Polyesterrumpfe. Der Bruchindex ist geringer; zudem lässt sich Diolen in der Fertigung und bei Reparaturen leichter verarbeiten. Ferner verursachen kurze Diolenfasern (Abfälle) kein neues «Hautgefühl» wie etwa Glasfasergewebe.

Leider kann man DFK-Rumpfe noch nicht kaufen; man muss sie irgendwie selber machen, was im Prinzip auch nicht einfacher ist als die Anfertigung von GFK-Rumpfen, wo das Einzel Exemplar bekanntlich nicht lohnt.

Ausserdem scheint betreffend möglicher Schutzrechte Vorsicht geboten. Sichtbar durch die Sitzöffnung ist unverwischbar an der inneren Bordwand der Diolen-Boote, z. B. des Fabrikates Prijon (Rosenheim) zu lesen: «Nachbau ohne Erlaubnis ist Diebstahl»! Hoffentlich ist darin (einstweilen) nicht der Grund zu sehen, weshalb die Modellbauindustrie noch keine — wie meine persönlichen Erfahrungen lehren — dem GFK überlegene Diolenrumpfe anbietet?!

Weil Bangemachen, noch dazu im Modellflug nicht gilt, sollten sich fortschrittliche Flugmodellbauer wegen Diolenmaterial an Bootsbaufirmen, wie beispielsweise Klepper in Rosenheim oder Wolf Lettman in Duisburg, wenden.

Wie wichtig Duroplastarmierung ist, ob Glasfaser, Diolen oder gar noch was Besseres, demonstrierte unlängst an der Olympiade die DDR. Kein «Unbefugter» kam an die Boote aus Mitteldeutschland heran und das Fernsehen berichtete lediglich von einem «neuen Kunststoff». In Wirklichkeit ging es um die Einlage (Armierung). Das Material soll sich der Sage nach auch hervorragend für Flugmodellrumpfe eignen; aber niemand im Westen weiss, um welche geheimnisvolle neue Faser es sich handelt. Nun, ich denke, dass für den Modellflug auch im Diolen bereits ein grosser Fortschritt gegenüber dem bei allen Weichmachern nach wie vor spröden GFK, zu sehen ist.

Trotz optimalen Eigenschaften und Bewährung im Bootsbau mag Diolen manchen Flugmodellbauer, weil auf diesem Sektor ein neues Material, vorerst noch suspekt erscheinen. Weshalb soll nicht auch der Flugmodellbau von anderen, hochtechnisierten Sportarten profitieren können?

Letztlich ist die, sich unter Modellfliegern z. Zt. noch grosser Beliebtheit erfreuende GFK-Technik ebenfalls keine Erfindung der Flugmodellbaubranche. Weshalb also sollten die Modellflieger nicht auch an der progressiven Diolentechnik partizipieren?



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