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Wege des Modellflugs

Modellfluggeschichte Schweiz

von Emil Giezendanner
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Wir Schweizer Modellfliegerinnen und Modellflieger haben weder eine moderne Geschichtsschreibung noch eine nachgeführte Chronik. 1944 endet die offizielle Modellfluggeschichte, festgehalten in «Schweizer Luftfahrt» von Erich Tilgenkamp.


Unsere Wegpunkte

Verbände und Vereine sind heute mit sich selbst beschäftigt. Dies ist auch im Modellflug nicht anders. Kollegen, die über einen geschichtlichen Überblick über die letzten paar Jahrzehnte verfügen, werden immer weniger. Das ist unser grosses Problem, denn gerade in den letzten 80 bis 100 Jahren haben grosse Entwicklungsschübe stattgefunden. Sie einigermassen verfolgen und einordnen zu können ist alles andere als einfach. Vereinsprotokolle sind normalerweise sehr kleinräumig und situationsbedingt. Sie eignen sich kaum oder nur punktuell für die Geschichtsschreibung, höchstens als Vereinschronik. Eine weitere Variante wäre die Verfolgung des Modellflugs in den öffentlichen Medien. Eine grosse und aufwendige Arbeit.

Allerdings kann KI hier eine grosse, noch kaum beachtete Hilfe sein. Zu den Medien müssten unbedingt auch TV-Berichte und Filme gehören.


Sammlungen und Museen – Geschichte zum Anfassen

Eine gute Abbildung der technischen Entwicklungen im Modellflug sind Sammlungen und Museen. Leider sind wir in unserem Land mit solchen sehr aufwendigen Einrichtungen nicht verwöhnt. Ganz im Gegensatz zu unserem Nachbarn Deutschland. Da dort während des 2. Weltkriegs der Modellflug praktisch zum Erliegen kam, haben unsere deutschen Kollegen mit Modellflugmuseen und Sammlungen seither gewaltig aufgeholt. Wer sich dafür interessiert, wird Erstaunliches finden. Bei uns präsentieren Museen wie das Verkehrshaus in Luzern, das Fliegermuseum Dübendorf oder das Fliegermuseum FFA Altenrhein und weitere Institutionen immer wieder auch Flugmodelle – zum Beispiel zu einem bestimmten Thema. Diese oft wechselnden Ausstellungen grosser Museen haben den Vorteil, auch als Promotion für den Modellflug zu wirken. Eine fast unbegrenzte geschichtliche Fundgrube sind private Modellflugsammlungen. Auch hier können nur modernste computergestützte Methoden Übersicht und chronologische Ordnung schaffen.


Modellflugmuseum Leodolter

Ein echter Leuchtturm in der schweizerischen und internationalen Modellfluggeschichte ist das Modellflugmuseum Urs Leodolter in Russikon. Durch seine internationale Bekanntheit und Vernetzung ist es Leodolter gelungen, an modellbauliche Leckerbissen heranzukommen, die wohl andernorts nicht zu finden sind. Die Grösse, bzw. der aussergewöhnliche Reichtum und die Vielfalt der ganzen Sammlung, kann auch eine Last sein. Urs will dranbleiben und hat Zukunftspläne: Als ersten wichtigen Schritt will er mit der Digitalisierung Zugänglichkeit und Übersicht verbessern. Ordnungssysteme – ähnlich wie z.B. Bibliothekssoftware – werden die unendlich grosse Arbeit vereinfachen und effizienter machen. Träume eines grösseren Museums ausserhalb seines Hauses sieht er in Verbindung mit der Gründung einer Stiftung. Das Modellflugmuseum Leodolter ist nicht gewinnorientiert und bietet auf Anfrage Führungen an.



IG Albatros

Die IG Albatros (IGA) bietet ein Planarchiv für Flugmodelle an. Für Mitglieder gelten die Kopierpreise, für andere ein bescheidener Zuschlag. Die IGA organisiert regelmässige Treffen zu verschiedenen Themen, wie z.B. über Gummimotormodelle.



Modellmotoren

Modellmotorensammler treffen sich jährlich. Leider sind mir keine öffentlichen Zugänge wie Führungen etc. bekannt. Die grosse Vielfalt an Motoren ist bei uns über zahlreiche Sammler verteilt. Einen Überblick zu gewinnen ist mir bisher nicht gelungen. Websites bieten sich an, solche Sammlungen international zu verwalten.


Ab 1944 nur noch die «Aero Revue»

Zum Glück hat sich der Aviatik-Journalist Dr. Erich Tilgenkamp in seinem dreibändigen Werk «Schweizer Luftfahrt» (von 1784 bis 1944) liebevoll auch der Modellfluggeschichte gewidmet. Fach- oder Verbandszeitschriften haben in der Geschichte eine leider wenig beachtete Bedeutung. Falls richtig öffentlich zur Verfügung gestellt, bieten sie einen unendlich grossen Reichtum an geschichtlichen Wegpunkten (z.B. die ersten Helikopter, Gasturbinen, LiPos usw.).

Fachzeitschriften – soweit die Archive zugänglich sind – zeigen über die Jahre wichtige Wegpunkte der Modellfluggeschichte. ►



Die «Aero Revue» hatte für den Modellflug eine sehr wichtige Funktion. Sie berichtete regelmässig über modellsportliche Anlässe. Dabei standen Freiflug und Fesselflug im Vordergrund. Auch der zaghafte Anfang der RC-Steuerungen ab den 50er-Jahren wurde abgebildet. Viel über Verbrennungsmotoren, Schweizer Meisterchaften, Baumethoden, Material usw. Nach den frühen 70er-Jahren nahmen die «Aero Revue»-Berichte kontinuierlich ab. Hatte das auch mit dem neu gegründeten MFS zu tun? Über die punktuellen Modellflugberichte in der «Aero Revue» wäre eine Forschungsarbeit «Modellfluggeschichte ab 1944» sehr willkommen.


Geschichte soll uns ermutigen für Neues

Es wären noch viele Wegpunkte der Modellfluggeschichte zu erwähnen. Das Problem bleibt: Wie halten wir das Ganze dynamisch? Denn eine statische Geschichte hat wenig Zukunft. Sie soll laufend ergänzt und erneuert werden – eine nie enden wollenden Arbeit. Beispiel dafür sind Fachzeitschriften und Medien. Tageszeitungen berichten weit mehr über unser Hobby, als wir annehmen. Wer übernimmt dazu ein Fachlektorat? Wir brauchen mehr Engagement, ganz besonders um über die letzten 80 Jahre einen einigermaßen vollständigen Überblick zu gewinnen. Wer ist dabei?



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