Sport

Einblick in die Aufgaben und Anforderungen einer Punktrichterin im Modellflug

von Matthias Bosshard
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Punktrichter spielen eine zentrale Rolle im Modellflugsport. Sie bewerten die Präzision und Qualität der Flüge und tragen so massgeblich zu einem fairen Wettbewerb bei. Doch welche Fähigkeiten und Voraussetzungen benötigt man, um Punktrichter zu werden? Und wie gestaltet sich der Weg dorthin? Ein Interview mit Daniela Schmitter, F3A-Punktrichterin.


Welche Voraussetzungen muss ein Punktrichter mitbringen?

Die wichtigste Grundlage ist Freude am Modellflug sowie ein gutes Auge für Details. Präzision und Unparteilichkeit sind ebenfalls unerlässlich. Da viele Reglemente und Programme auf Englisch verfasst sind, ist es von Vorteil, Grundkenntnisse in dieser Sprache zu haben. Ausserdem muss man ein aktives Mitglied einer Modellfluggruppe sein, um Zugang zu relevanten Kursen und Wettbewerben zu erhalten.


Der Einstieg: Wie wird man Punktrichter?

Der Weg zum Punktrichter variiert je nach Sparte des Modellflugs, in der man tätig werden möchte. Ein erster Schritt ist die Teilnahme an einem Punktrichterkurs, der einen mit den Regeln und Programmen vertraut macht. Es empfiehlt sich zudem, neben erfahrenen Punktrichtern zu sitzen und «mitzupunkten», um ein Gefühl für die Bewertungen zu entwickeln. Früher war dies durch die Tätigkeit als «Schreiberling» einfacher, doch heute geben Punktrichter die Bewertungen meist direkt in elektronische Systeme ein. Dennoch bleibt das Prinzip des «Übens mit den Profis» ein wertvoller Einstieg.


Herausforderungen während des Wettbewerbs

Eine der grössten Herausforderungen ist die Wetterabhängigkeit. Regen, Wind, extreme Hitze oder Kälte – Punktrichter müssen bei jeder Witterung einsatzbereit sein. Hinzu kommt die notwendige Konzentration über den gesamten Wettbewerb, der oft lange Tage umfasst. Ein einheitlicher Bewertungsmassstab über die gesamte Dauer des Events ist entscheidend, um faire Bedingungen zu gewährleisten. Nicht zuletzt braucht es auch ein «dickes Fell», denn Diskussionen mit unzufriedenen Piloten über die Punktevergabe sind keine Seltenheit.


Muss man selbst fliegen können?

Interessanterweise ist die Fähigkeit, selbst zu fliegen, keine Voraussetzung. Viele erfolgreiche Punktrichter fliegen nicht. Dies kann sogar ein Vorteil sein, da man sich nicht von äusseren Bedingungen wie Wind oder der Schwierigkeit einer Flugfigur beeinflussen lässt. Allerdings hat es auch Nachteile: Wer selbst nicht fliegt, kann Piloten nur auf Fehler hinweisen, aber keine spezifischen Tipps zur Korrektur geben.



Karrierehöhepunkte und internationale Einsätze

Zu den Höhepunkten einer Punktrichterkarriere zählt sicherlich die Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften. Für viele bleiben diese Ereignisse unvergesslich – nicht nur wegen der sportlichen Herausforderung, sondern auch wegen der Gemeinschaft unter den Teilnehmenden. Internationale Einsätze erfolgen meist auf Einladung. Häufig wird man empfohlen, wenn ein erfahrener Punktrichter verhindert ist. Diese Einsätze sind das Resultat harter Arbeit und eines guten Rufs in der Szene.


Bewertungssysteme und Feedback

Heutzutage erfolgt die Punktevergabe oft digital. Die Bewertungen werden direkt ins System eingegeben, das die Daten für die Auswertung weiterleitet. Punktrichterinnen erhalten gelegentlich Feedback zu ihrer Arbeit, besonders bei internationalen Wettbewerben wie Europa- oder Weltmeisterschaften. Es ist jedoch entscheidend, die eigenen Bewertungen erst nach Abschluss des Wettbewerbs zu prüfen, um eine Beeinflussung des Bewertungsmassstabs zu vermeiden.



Wie kann man Punktrichter werden?

Interessierte können sich bei Wettbewerben direkt an Punktrichter wenden, die Kontakte zu Verantwortlichen vermitteln können. Alternativ ist der Regionalvorstand oder die Fachkommission (Fako) eine gute Anlaufstelle. Auf der Homepage des Schweizerischen Modellflugverbands (SMV) finden sich Kontaktdaten und Veranstaltungskalender mit Kursen und Informationsveranstaltungen, die den Einstieg erleichtern. Ein nächster wichtiger Termin ist der Punktrichter-Refresher am 3. Mai 2025 – eine ideale Gelegenheit, erste Einblicke zu gewinnen. Die Arbeit als Punktrichterin ist anspruchsvoll, aber auch erfüllend. Es ist eine Aufgabe, die Leidenschaft für den Modellflug, hohe Konzentration und Fingerspitzengefühl erfordert – und die mit einzigartigen Erfahrungen belohnt wird. ■

Daniela Schmitter, Berufsbildnerin für Konstrukteure EFZ, Mitglied MG Riggisberg, Punktrichterchefin und Vorstandsmitglied Region BOW, Punktrichterin seit 1998

Matthias Bosshard ist Mitglied der F3A-Fachgruppe



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