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Wie kommt das «Man sagt...» exklusiv in das «Modellflugsport»?

von Harry v. Graffenried
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Wie bereits verschiedenen Pressemeldungen zu entnehmen war, hat das Direktionskomitee des Aero Club der Schweiz dem Pressechef und Chefredaktor der Aero Revue, Harry von Graffenried, auf den 30. September 1972 gekündigt.


Seine mutigen, angriffen und vor Tabus nicht zurückschreckenden Kommentare waren verschiedenen prominenten Fliegerpersönlichkeiten und der Aero Club-Leitung offensichtlich ein Dorn im Auge. Im Februar 1972 ersetzte Präsident Fritz Rickenbacher wegen Missfallens das nun hier in der Folge abgedruckte «Man sagt...» kurzerhand durch einen anderen Text — die Zensur durch die Verbandsleitung war damit perfekt. Dieses Vorgehen rief die Gesamtedaktion auf den Plan, welche mit einem unbefristeten Streik die Aufhebung dieser Verfügung forderte. Die darauf folgende Aussprache mit dem Direktionskomitee war nicht sehr ermutigend — bald musste man einsehen, dass die autoritäre Haltung der Verbandsleitung dem Chefredaktor keinen Spielraum mehr einräumen würde. Von da bis zur Kündigung war nur noch ein kleiner Schritt. Gleichzeitig mit Harry von Graffenried sind fünf Fachredaktoren zurückgetreten. Nun, lesen Sie selbst: Das gefährliche «Man sagt...» hätte zur Sondernummer «Ladies der Lüfte» gehört und hat in der Verbandsleitung einen Sturm der Entrüstung ausgelöst — ist das wohl auch als «Folge des männlichen/geistigen Inzest's mehr oder weniger stark degenerierenden Adame» zu werten?


Redaktion


Man sagt...

«Ladies der Lüfte!» Etwas Charmantes kann einer Redaktion und einer Leserschaft nicht widerfahren, als dieses Kernthema. Und wenn es sich dabei erst noch um weibliche Mitglieder des AeCS handelt, ist die Sache doppelt schön, denn in diesem Falle ist weiblich viel besser als dämlich. Also: seid umschlungen Ihr Regula, Trudi, Ilse-bill und Ilse-unbill, Ihr Käthi und Ruthli und Lisetten, kurz, Ihr fliegenden Ladies. Von Euch lassen wir uns von Herzen gern unterwandern: auf dem Flugplatz, im Luft- und Warteraum und — wo es keineswegs unopportunistisch wäre — in den Kommissionen. Ja, auch an den grünen Tischen sind initiative, praktizierende Aeroklüberinnen willkommen, denn die Fliegerei braucht heute alle hellen Köpfchen, und bekanntlich «schalten» Frauen auch in der Politik oft viel rascher und gründlicher als die in diesem Fach als Folge des männlichen (geistigen) Inzest's mehr oder weniger stark degenerierenden Adame. Im übrigen spricht man ja auch vom «Klubhaushalt», und haushalten soll bekanntlich in vielen Familien Frauensache sein... «Ladies der Lüfte!» Das ist nicht nur ein Motto, das ist auch eine Verpflichtung. Jede so angesprochene Fliegerin soll nämlich wissen, dass es dabei nicht mehr nur um ein leeres Kompliment geht und dass die fliegenden Ladies heute nicht mehr «Einzelstücke» und seltene Flugplatzattraktionen oder Weiden (korb)blümchen sind. Die Zahl der weiblichen Aero-Club-Mitglieder wächst ständig und zwar sowohl im Motor- und Segelflug, wie bei den Ballönlern, den Modellfliegern und ganz besonders bei den Fallschirmspringern. Die Luftladies sind also bereits eine kleine, aber umso reizendere Club-Macht, die sich — eben weil sie weiblich ist — nicht unbedingt auf das Zahlenmässige zu stützen braucht. Was im Rahmen des AeCS zu wünschen wäre, ist eine vermehrte Wettkampftätigkeit unserer Fliegerinnen. Im Segelflug ist in den letzten Jahren zwar bereits einiges geschehen, und die fliegenden Evastöchter machen sogar besseren Elite-Herren das Leben in den Lüften sauer. Bei den Paras startete an der letzten Schweizer Meisterschaft gar eine eigene Damenequipe, und ihre Leistungen durften sich neben denen der Herren sehen lassen. Aber auch bei den Motorfliegern hat die Zahl der an der Zuverlässigkeits-Meisterschaft beteiligten Damen zugenommen, obwohl die meisten vorläufig «nur» als Navigatorinnen tätig waren. Vorläufig? — Noch nicht stark genug scheint mir das weibliche Element im Modellflug zu sein. Das mag daher kommen, dass das Modellbauen doch sehr viel Unweiblich-Handwerkliches umfasst, wovon die Frauen schon deshalb eine Abneigung haben, weil sie als Schwestern, Bräute, Gattinnen oder Mütter von Modellbauern schon vom Aufräumen und Putzen dieses Unweiblich-Handwerklichen die Nase voll (Staub) haben. Mag sein, dass, wenn der Modellbau-Oberexperte ein Flugmodell zum lismen oder häkeln erfindet, auch die Zahl der weiblichen Modellflieger rapid in die Höhe schnellen wird.

Und weiter... Sogar in der männlichsten aller Sparten des Aero-Clubs, in der Fliegerischen Vorschulung soll das «Ewig Weibliche» Einzug halten. Diese Kurse sind nun nicht mehr den Schweizer Jünglingen im vormilitärischen Alter vorbehalten, sondern stehen auch Schweizer Jünglinginnen offen. Erstmals findet dieses Jahr ein FVS-Kurs für weibliche Teilnehmerinnen statt. Wo diese künftigen Ladies der Lüfte nach Absolvierung der Kurse einmal eingesetzt werden sollen, weiss man noch nicht. Nachdem die Swissair nun auch die Balair aufgekauft hat, ist es denkbar, dass dereinst auch Flugkapitäne weiblicher Herkunft beim «Fliegenden Wilhelm Tell» Anstellung finden könnten. Und beim Militär? Werden die Cockpits der neuen Kampfflugzeuge aus Sparsamkeitsgründen so klein bemessen sein, dass nur noch zierliche Pilotinnen darin Unterschlupf finden? Item, das soll (noch) nicht unsere Sorge sein. Wir freuen uns einfach, in vermehrtem Masse und auf einer ganz neuen Ebene Evastöchter in der Fliegerei aufnehmen zu dürfen. Vielleicht tragen Sie dazu bei, den in der FVS leider langsam absterbenden Zweig, den herrlichen Segelflug, zu neuem Leben zu erwecken. So könnte das weibliche Element dem Aero-Club und der gesamten Schweizer Fliegerei einen grossen und vor allem einen schönen Dienst erweisen. merci!

Harry v. Graffenried


In Beantwortung der zahlreichen Anfragen aus dem Leserkreis nach dem Schicksal der Rubrik «Man sagt...» kann ich folgendes mitteilen:



In der Annahme, Ihnen damit gedient zu haben, verbleibe ich freundlich grussend

Ihr

Harry v. Graffenried




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