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Modellflieger als Testpiloten

von
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Konstrukteure der Pilatus-Werke in Stans sind gegenwärtig daran — neben grossen anderen Aufgaben — ein zweimotoriges Geschäfts- und Reiseflugzeug zu entwickeln, dass sich vorallem durch seine ausserordentliche Wirtschaftlichkeit (zwei Motoren à nur 150 PS) auszeichnen soll.


Aus verschiedenen Gründen, z. B. ungehinderte freie Sicht, einfache Lösung für die Triebwerkanordnung in statischer Hinsicht, besserer Wirkungsgrad der Druckpropeller, vereinfachter Aufbau der Zelle (da Flügel hinten) etc., ist das Flugzeug als «Ente» konzipiert worden. Die ganze Konstruktion bietet einige interessante neue Aspekte im Leichtflugzeugbau und es bleibt zu hoffen, dass die Pilatuswerke, dieses faszinierende Projekt, trotz Spar- und Rationalisierungsmassnahmen in der praktisch letzten schweizerischen Flugzeugindustrie, eines Tages verwirklichen können.

Da aber von den ersten Strichen auf dem Reissbrett bis zum Probeflug noch einiges Engelberger-Aa-Wasser in den Vierwaldstättersee fliesen dürfte, haben sich die Leute des Konstruktionsbüros entschlossen, das Flugverhalten anhand eines massstäblich verkleinerten Modells, ferngesteuert zu studieren, was scheinbar wesentlich billiger sei, als Windkanalversuche. hauptsächlich während der Freizeit haben dann die Pilatus-Idealisten ein flugtüchtiges Modell aus Balsa- und Sperrholz gebaut, mit einer Graupner-Varioprop ausgerüstet. Zwei 10 ccm-OS-Motoren.



Bevor man sich jedoch mit dem kostbaren Modell in die Luft wagte, sollten gefesselte Versuche Aufschlüsse z. B. über die Abhebegeschwindigkeit und andere Verhaltensmerkmale geben. Ein an einem Auto befestigtes Gestell mit Plattform fixierte das Modell so, dass es sich in der Höhe um rund einen Meter frei bewegen konnte. Um die Hochachse konnte es sich frei drehen und zudem, je nach Geschwindigkeit den richtigen Anstellwinkel einnehmen.

Als erfahrener RC-Pilot wurde Bruno Giezendanner beigezogen, der auch die ersten «Fesselflug»-Versuche vornahm. Die Insassen des Versuchs-Autos und eines zweiten, mitfahrenden Wagens, konnten das Modell aus nächster Nähe beobachten. Zudem wurden diese Versuche lückenlos auf Film aufgenommen und später genauestens studiert. Auf Anhieb hat allerdings auch der erste gefesselte Versuch nicht geklappt. Da die Befestigung der Plattform zu «weich» war, neigte sich diese durch den Fahrtwind gegen vorne. Damit aber nahm das Modell ebenfalls eine starke Vorwärtsneigung ein. Wer mit RC-Modellen öfters Bodenstart übt, weiss, dass nach vorne geneigte Modelle sehr lange am Boden «kleben» um dann plötzlich bei hoher Fahrt fast schlagartig vom Boden abzuheben. Genau das passierte mit dem Pilatus-Modell während des ersten Versuchs. Plötzlich «spritzte» das Flugzeug nach oben, schlug hart an, riss aus der Halterung und überschlug sich. Dass dabei einiger Schaden entstand, muss wohl nicht erwähnt werden, wenn man bedenkt, dass das Unglück bei über 80 kmh passiert ist. Nun, auch jene Leute kamen um des Modellfliegers Schicksal, zahlreicher Flickstunden nämlich, nicht herum. Man hat daraus eine Lehre gezogen, die Plattform verstärkt und einige Wochen später, diesmal mit besserem Erfolg, das Ganze wiederholt.



Jetzt endlich war man soweit, dass die ersten Flugversuche unternommen werden konnten. Wieder reiste Bruno nach Stans. Nach einigen Problemen mit den beiden Motoren, galt die Aufmerksamkeit der Anwesenden der Startphase. Nach einer Rollstrecke von ca. 120 Metern hob dann das Entenmodell von der Piste ab. Die beiden



10-ccm-Motoren verliehen dem Modell eine recht hohe Geschwindigkeit auch im Horizontalflug. Allerdings ist zu bemerken, dass die Flächenbelastung des Modells genau das doppelte von dem aufwies, was im Modellflugreglement gestattet ist, nämlich $150 \text{ g/dm}^2$ . Trotzdem verhielt sich das Modell recht gutmütig, zumindest, wenn sich beide Motoren im Gleichlauf befanden. Bei einseitig gedrosseltem Motor schien das Fliegen doch eher tückisch, was bestimmt bei kleinerer Flächenbelastung weniger der Fall wäre. Trotzdem konnte das Entenmodell im Landeanflug relativ stark angestellt werden, um mit hoher Geschwindigkeit anzuschweben. Leider haben dann die Versuche ein plötzliches Ende genommen, als das Modell in einer Kurve einen Augenblick einen Steuerungsaussetzer aufwies und brutal auf die Piste abstürzte.

Möglicherweise werden nun die Pilatus-Leute ein zweites, grösseres und vorallem leichteres Modell bauen um bei weiteren Testflügen ein wirklichkeitsnahes Bild zu bekommen. Vorallem aber bleibt uns zu hoffen, dass das Werk von der Konzernleitung grünes Licht für die Verwirklichung des interessanten Projekts gibt

gz.

Das Modell ist beweglich, kann abheben, aufsetzen, schweben etc.



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