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Modellkunstflug-Weltmeisterschaften 1975 in Bern

von Heini Steiner
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Von langer Hand, wie man hörte, vorbereitet, begann die Weltmeisterschaft der Kategorie F3A offiziell am 9. 9. 10.30 Uhr mit dem Training, und bald darauf ereignete sich die erste folgenschwere Panne, indem das A-Modell von Bruno Giezendanner beim ersten Flug durch den eingeschalteten Sender eines Frequenzkollegen vom Himmel gefegt wurde.


Wenn bei einer Veranstaltung dieser Art ein Punkt besondere Beachtung verdient, dann sicher die Senderkontrolle. Dass dieses Missgeschick ausgerechnet dem Gastgeber und nicht einem weithergereisten Top-Favoriten widerfuhr, half die Situation etwas mildern. Doch dann stellten auch weitere Piloten Störungen fest, worauf das grosse Quarzwechseln losging und die Startlisten dementsprechend neu erstellt werden mussten. Sicher wäre es den geringen Aufwand wert gewesen, im voraus während einer gewissen Zeit eine seriöse Frequenzkontrolle auf dem Flugplatz durchzuführen, um wenigstens ortsfeste Störquellen zu ermitteln und für Abhilfe zu sorgen oder die Piloten zu warnen. Wenn dies unterlassen worden ist, könnte es als Gleichgültigkeit gegenüber dem Einsatz und Material der Wettbewerbsteilnehmer aufgefasst worden sein. Wohl waren einige Anlagen nicht exakt auf unseren Frequenzraster abgestimmt, doch handelte es sich dabei um bekannte Marken, mit deren Einsatz gerechnet werden musste.

Am ersten Wettbewerbstag präsentierte sich der wunderschön gelegene Flugplatz bei idealem Wetter. Doch gleich zwei mögliche Medaillenanhänger hatten Mühe mit ihren Motoren: Tetsuji Okumura brachte seinen OS 60 überhaupt nicht in Gang, und Bruno Giezendanners Modell ging bei den Vorwärtsloopings der Schnauf aus.

Von Anfang an setzten sich Spitzenpiloten durch und konnten ihre Plätze auch im weiteren Verlauf bis auf kleine Verschiebungen halten. Leider spielte das Wetter an den folgenden beiden Tagen nicht mehr mit: Sturm, Regen und beides zusammen erzwangen zeitweilige Unterbrüche. Dabei waren diejenigen Piloten die Pechvögel, die kurz vor Abbruch noch fliegen mussten. Gleichzeitig bildete sich um Festzelt und Parkplätze ein gewaltiger Morast, und ein Stiefelverkaufsstand wäre die Goldgrube gewesen, da sich die Organisatoren mit diesem Zustand abfanden.

Trotzdem wurde weitergeflogen, Petrus resignierte, und am Samstag herrschte strahlendes Föhnlwetter. Vielleicht deshalb hatte der Computer plötzlich Mühe, und die Resultate mussten von Hand nachgerechnet werden. Dadurch entstanden laufend Aenderungen in der Rangfolge, so dass das Umhängen der an die 80 Tafeln am Totalisator zu einer Sisyphusarbeit wurde und schliesslich unterblieb.

Unbeirrt wurde weitergekämpft und man bekam fast unglaublich präzise Darbietungen zu sehen. Die Punktrichter leisteten ein beträchtliches Arbeitspensum, und soweit mir eine Beurteilung überhaupt möglich ist, teilten sich die wirklich besten Leute die vordersten Ränge, wenn auch einige Unglücksraben etwas zu weit hinten landeten. Für den neuen Weltmeister Wolfgang Matt stellt dieser Sieg jedenfalls die grandiose und verdiente Krönung einer modellfliegerischen Karriere dar, die in ihrer Konsistenz ihresgleichen sucht, und diesen Triumph erkämpfte er sich auf eine souveräne Art und Weise, indem auch seine einzelnen Flüge die höchsten Punktzahlen verzeichneten.

So befriedigend das Ergebnis ausfiel, so dürftig verlief die Siegerehrung auf dem Platz. Das schöne Wetter hätte schon einige Minuten Feierlichkeit erlaubt, und nachholen liess sich die Feier abends infolge beschränkter Zulassung zum Bankett ohnehin nicht. Wenn es wenigstens gelungen wäre, auf Anhieb die drei Erstplatzierten richtig aufzurufen ...

Als Zuschauer lebte man in steter Spannung, wer wann wo fliegen täte. Da nämlich der Speaker entgegen seinen Erwartungen keine diesbezüglichen Informationen erhielt, konnte er auch nicht orientieren und musste sich Trost im Veltliner suchen, nachdem er sich in autodidaktischem Schnellkurs mit der Verstärkeranlage vertraut machen musste, weil man (aus Spargründen?) den Installateur derselben möglichst rasch weggeschickt hatte.

Den offiziellen Schlusspunkt setzte das Bankett im Kornhauskeller. Kaum waren die Zugelassenen versammelt, begann eine Kapelle mit unerhörter Ausdauer zu schmettern und zeigte den Anwesenden drastisch auf, wie leise unsere Modellmotoren selbst mit den ausgebohrtesten Schalldämpfern doch sind. Eine vernünftige Unterhaltung war sogar in der eigenen Sprache praktisch unmöglich (Hä?!), somit beschränkte sich der Anlass auf Nahrungsaufnahme und Uebergabe der restlichen Medaillen.

Am folgenden Sonntag fand dann ein grosses Schaufliegen statt, wobei genau eine Minute nach dessen Beginn stürmischer Regen einsetzte und nicht mehr enden wollte. Es machte einen grossen Eindruck, was durch die Piloten mit Elektromodellen Helikoptern, Kuriositäten, Segel- und Motormodellen jeder Art und Gattung trotz dem Sauwetter geboten wurde.

Leider weist dieser Bericht allerhand negative Feststellungen auf. Natürlich ist es immer leicht, hinterher zu kritisieren, und zweifellos ist sehr viel gute Arbeit geleistet worden, und die WM konnte wie geplant abgewickelt werden. Doch wie vor einer Theaterpremiere eine Generalprobe nötig ist, hätte auch hier eine Trockenübung mit allen Chargierten nicht geschadet. Kein vernünftiger Mensch erwartet, dass eine Organisation dieses Umfangs auf Anhieb klappt. Es ist aber auch nicht nett, wenn man die ohnehin schon belasteten und zum Teil um die halbe Welt hergereisten Teilnehmer als Versuchskaninchen einsetzt. Jedenfalls werden wir Schweizer in Zukunft mit unserem Urteil über andernorts organisierte ähnliche Wettbewerbe sehr zurückhaltend sein müssen. H. Steiner



Datenverarbeitung an einer WM ist eine feine Sache — sie kann aber auch zum Sorgenkind werden.


EINZEL-SCHLUSSKLASSEMENT IM FIA BERN 1975
RANGNAMEIMATST-NR123TOTAL
1.M. MATTLIE27.47555060501514830
2.H. PRETTNERAUT29.47854660476014205
3.D. BROWNUSA74.45054490467013665
4.T. YOSHIOKAJPN44.45654565445513585
5.T. OKUMURAJPN47.45454170463513350
6.M. RADCLIFFEUSA46.43904385455013325
7.I. KRISTENSENCAN66.43304305448013115
8.N. MATTLIE38.42454310451013065
9.R. MILLERUSA57.44004350422012970
10.G. HOPPEGER9.43754255433512965

Mannschaftsschlusssklassement
1. Amerika39960
2. Liechtenstein39115
3. Japan38100
4. Bundesrepublik Deutschland37930
5. Oesterreich37385
6. Schweiz36475



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