Sport

F3A-FAI-Weltmeisterschaften 2025 in den USA

von Matthias Bosshard
9

Am Hauptsitz der AMA, der Academy of Model Aeronautics, in Muncie, Indiana, kürten Anfang August die besten F3A-Kunstflieger ihren Weltmeister. Andrew Jesky (USA) holte sich den Titel in der Einzelwertung sowie mit der amerikanischen Mannschaft die Teamwertung. Die Schweiz war durch Pilot Reto Schumacher und Teammanager Wolfgang Matt vertreten, welche das Halbfinale erreichten und mit einem respektablen 16. Rang abschlossen.


Nach der Rückkehr in die Schweiz habe ich mit Reto ein Interview geführt.


Was sind für dich die prägendsten Erinnerungen an diese WM?

Sicher zum einen die zukommende Gastfreundschaft der Amerikaner auf dem zuge-wiesenen Trainingsgelände, die lockere und freundschaftliche Atmosphäre unter den Piloten und zum anderen speziell die grossartige Zeit mit meinem Teammanager/Helfer Wolfgang Matt während den rund zwei Wochen in den USA. Seine Erfahrung und seine Hilfe schätze ich sehr und sie sind prägend für mich.


Wie hast du die Organisation und das AMA-Gelände in Muncie erlebt?

Ich war das zweite Mal in Muncie an einer F3A-WM. Aus diesem Grund war mir das Gelände nicht unbekannt. Das Gelände ist riesig (4 Quadratkilometer) und beherbergt diverse Modellflugpisten und Grünflächen für alle Arten von Modellflug und ist im Betrieb der AMA (Nationaler Verband Modellflug USA). Die Organisation der F3A-WM war sehr klein und schlank gehalten. Auf jeder der zwei Flightlines war nur das Notwendigste vorhanden. Für den Wettbewerb waren ein grosser Unterstand, wo sich die Piloten vor dem Flug kurz vorbereiten konnten, und ein Unterstand der Punktrichter mit Auswertungszentrale neben einem knappen Dutzend mobiler Toiletten vorhanden. Einzig die Eröffnungsfeier mit dem offiziellen Teil der WM und einer sehr eindrücklichen Kunstflugshow des Modellflugpiloten RJ Gritter mit einer manntragenden Decathlon liessen einen ausserordentlichen Event erahnen. Nichtsdestotrotz verliefen der folgende Wettbewerb und die Organisation sehr gut. Ebenfalls waren die Flugbedingungen während des gesamten Wettbewerbs fair und gestalteten sich mit relativ konstantem, leichtem Wind und den moderaten Temperaturen von etwa 30 °C als sehr gut.


Wie zufrieden bist du mit deinem persönlichen Wettbewerb?

Zufrieden bin ich nicht ganz. Mit etwas Distanz kann gesagt werden, dass unter den ersten 20 Piloten ein enges Feld herrscht, in welchem Nuancen entscheiden. Mein Ziel war es, an dieser WM die Top 10 zu erreichen. Nach der letzten WM in Australien (Rang 12) ein realistisches Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, muss wirklich alles passen. Generell konnte ich sehr gute Flüge zeigen und mich mit der Elite der Welt im F3A-Kunstflug messen und Erkenntnisse und Erfahrungen zurück in die Schweiz mitnehmen.


Sind dir in technischer und fliegerischer Hinsicht neue Entwicklungen aufgefallen?

Generell ist niemand sehr schnell oder sehr langsam geflogen. Das Niveau und insbesondere die Präzision der Piloten beim Vorrundenprogramm gegenüber der vorangehenden WM ist weiter gestiegen, was den Trainingsaufwand ebenfalls steigen lässt. Ein Patzer oder sichtbare-re Fehler sind unter den ersten 30 Piloten kaum sichtbar. Dies ist ebenfalls eine sehr grosse Herausforderung für die Punktrichter, welche täglich während der WM ebenfalls Höchstleistung erbringen.


Gibt es bei Modellen und Antrieben Trends oder neue Entwicklungen?

Von einem Trend kann nicht mehr die Rede sein. Der Doppeldecker mit Contra-Antrieb hat sich nun definitiv durchgesetzt. Die Top-20-Piloten fliegen allesamt mit einem Doppeldecker. Ebenfalls gehört der Contra-Antrieb heute in der Weltspitze zur Standardausrüstung. Gerade ein Pilot unter den Top-20 -Piloten setzt einen Direktantrieb ein. Den klassischen Eindecker mit einem klassischen Verbrennerantrieb setzte kein einziger Pilot mehr ein.

Bei den Modellen ist sicherlich der neue Doppeldecker Aurora von VLV und die Weiterentwicklung des Doppeldeckers «Sky-Leaf Leader ACE» von Futaba die Neuigkeit der WM. Bereits einige Piloten unter den Top-10-Piloten setzten diese Modelle mit Erfolg ein.


Setzt du «Flightcoach» als Hilfsmittel im Training ein? Welches sind deine Erfahrungen?

Ich setze «Flightcoach» als Hilfsmittel periodisch ein. Sobald sich ein Programm und die Abläufe eingespielt haben, hat es durchaus Sinn, Flightcoach als zusätzliches Hilfsmittel einzusetzen. So kann die Geometrie überprüft werden und die Korrekturen, welche im Verlauf der Figur notwendig werden, aber theoretisch nicht sein sollten, eruiert werden.


Wie gehen die Spitzenpiloten mit der mentalen Belastung um?

Das ist eine gute und entscheidende Frage. Schlussendlich spielt sich vieles am Tag X und im Moment Y im Kopf ab. Stimmt die Einstellung bei einem entscheidenden Flug nicht, kann das entscheiden. Unterm Strich gesehen, ist das eine sehr individuelle Angelegenheit und kann nicht pauschal beantwortet werden. Es gibt Piloten, welche sich vor dem Flug mit Musik, einem Gespräch ablenken oder sich ganz zurückziehen und in ihrem eigenen Tunnel sind. Ich weiss von Spitzenpiloten, dass diese teilweise stark mit der Nervosität kämpfen. Ein Ansatz kann sein, dies mit Routine und regelmässigen Wettbewerben in einem gewissen Mass zu minimieren.


Hast du Ideen und Wünsche, in welche Richtung sich der F3A-Kunstflug weiterentwickeln müsste?

F3A ist eine wunderschöne Klasse. Technisch und fliegerisch gibt diese Klasse sehr viel her. Ich hoffe, dass sich in Zukunft weiter junge Piloten dafür begeistern können. Meiner Meinung nach sollte die Komplexität der Figuren im Vorrundenprogramm nicht weiter erhöht werden, sodass der Nachwuchs ebenfalls Gefallen am F3A findet. Jedoch sollte im Gegenzug das Finalprogramm hinsichtlich einer WM/EM erschwert werden, sodass dies besser selektiert und Fehler besser sichtbar gemacht werden. An einer WM oder EM müssten ebenfalls konsequenterweise dann die Gewichtung und die Anzahl der Vorrundenflüge angepasst werden.




Alle Kategorien anzeigen

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge



}
An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙