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Curare 60 – die Legende lebt

von Jürgen Rosenberger
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Erinnert ihr euch, liebe Oldies, der Hanno-10er-Glühzünder war das Mass aller RC-Flugmotoren, Prettners Curare das Referenzmodell der F3A-Szene.


Ein Zeitalter, als Vater und Sohn unzählige Stunden in der heimischen Bastelwerkstatt mit dem Bau eines Fliegers verbrachten. Irgendwann finde ich im Internet von Ratz-Modellbau das Angebot eines Curare-60-Bausatzes. Die aufschliessende Erinnerung: War das nicht der Flieger, mit dem H.P. Ende der 70er Weltmeister wurde? Spontaner Entschluss, das Teil wird gekauft; 4 Wochen später liegt ein Baukasten guter Qualität auf meiner Werkbank.

Bauanleitung, 1:1-Baupläne, der Neuzeit geschuldet, sauber gefräste Rippen, Spanten und Rumpfschalen. Anlenkungen, Fahrwerk, Schrauben etc. sind nicht enthalten – von heute kaufen, morgen fliegen keine Rede, Handwerk ist gefragt!


Rumpf

Ich wähle die Elektroversion, was sich als nicht unproblematisch erweisen wird. Ratz-Modellbau: Ein Motor von mehr als 50 mm Durchmesser dürfe nicht zur Anwendung kommen. Im Verlauf zeigt sich, ein 50er-Aussenläufer ist zu gross, ein passender Getriebemotor mit ~ 400 Euro teuer. Ein kleinerer Dualsky (XM4255EA-10, 620 kV) kommt letztendlich zur Auswahl.

Bildlich sind der Motorträger, bestehend aus Spanten und Trägern, sowie vorgefräste Seitenteile mit Aufklebern verstärkt dargestellt. Im Schwanzbereich sind die eingeklebten Füllstücke infolge Rumpfvorgängung anzuschragen. Der Rumpfrücken wird aus 10 mm Balsa als Trapez aufgebaut, wobei das durch Balsaleisten und Balsabrett entstehende Vieleck anschliessend in Rundform zu verschleifen ist. Es folgen Rumpfboden und seitliches Abschlussbrett zur Verdeckung des Tragflächenspaltes. Der Rohbau – der PC-Fräse sei Dank – lässt sich an 1–2 Abenden fertigen.


Tragflächen

Wir stecken Rippen und Leisten unter Weissleimzugabe auf dem 1:1-Bauplan zusammen. Ein Malum aus heutiger Sicht: Typisch für alte Bauzeichnungen, bildet die Zeichnung nur eine rechte Flügelhälfte ab. Für die Fertigung der Gegenseite ist das Papier einzufetten, die Flügelkontur schimmert auf der Unterseite spiegelbildlich durch, nach Wenden des Planes kann man nun die linke Fläche bauen. Die Flügel werden beplankt, die Zuschneidearbeit gestaltet sich wegen der Trapezform des Flügels etwas anspruchsvoller. Beim Einbau der Lager für das Einziehfahrwerk ist auf eine hinreichend stabile Verklebung, nach Gusto unter Harz/Matten-Zugabe, zu achten. Meine aus den 90ern stammenden Giezendanner-Einziehfahrwerke mit separatem Schaltmodul – jawohl sie funktionieren noch – werden als Dreibein in Rumpf und Flügel montiert. Eine Anlenkung des Fahrwerksbeins im Rumpf erscheint mir unnötig. Kleine Modelle lassen sich am Boden bei laufendem Motor über Seitenruderausschlag hinreichend steuern.



Höhenleitwerk

Die negative V-Form des Höhenleitwerks ist das Wiedererkennungsmerkmal des Curare. Nach dem getrennten Bau beider Seiten wird die Oberseite einer Hälfte flach auf dem Baubrett fixiert. Wir schieben die Gegenseite in Schräglage an und verbinden beide Seiten über zwei vorgefräste, gewinkelte Sperrholzgurte. Ergibt sich ein Abstand zwischen Rippe und Baubrett von 110 mm, ist das vorgeschriebene Winkelmaß erreicht, beide Seiten werden verklebt. Anschließend Beplankung mit 2 mm Balsa. Die Ruder aus Vollbalsa werden bds. nach alter Manier aus der Ferne über ein Servo via Bowdenzügen angelenkt. Die Dämpfungsflosse des HH ist dauerhaft im Rumpf zu verleimen. Die Ausschnitte in den vorgefrästen Rumpfseitenteilen garantieren – nachgemessen – die EWD-Werte des Bauplanes.



Einbau der Technik

Die C60 wurde von Hanno Prettnier für einen 10-ccm-Methanolmotor konzipiert, die Umrüstung auf den schwergewichtigeren Elektrovortrieb schafft Schwerpunktprobleme. Ein primär vorgesehener Dualsky-Aussenläufer mit 50 mm Durchmesser lässt sich in dem engen Rumpf nicht problemlos platzieren. Bei nach hinten liegendem Rotationsanteil würden die vorbeiziehenden Kabel zerreiben. Eine 180°-Wende des Treiblings ist machbar, verhindert aber jegliche Zugänglichkeit zum Motorraum. Nolens volens wird ein 43-mm-Dualsky-Aussenläufer geordert und montiert. Der erwähnte Drehkörper gefährdet jetzt nicht mehr die zuführenden Stromkabel. Allerdings erzwingt Raumenge einen Verzicht auf Motorsturz und Seitenzug; wir regulieren dies später über RC-Anlage mittels Mischer für Tiefen- und Seitenruder. Ex post ist aus heutiger Sicht, das ein Getriebemotor wegen geringeren Durchmessers und Gewichtsparsnis die bessere Wahl!

Ich packe zunächst einen 6S-5000-Ah-Lipo unter die Pilotenkanzel, jetzt neigt sich die Maschine im Schwerpunkt massiv nach unten. Ein leichterer 3500-Ah-Lipo hinter dem Motorraum und 100 g Blei im Rumpfeende lösen das Schwerpunktproblem. Unter Messung am Boden zieht der Motor mit Zweiblatt 127 unter Volllast 43 Ampère.

Das Design bewusst auffällig gewählt ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Aus Gründen «verbaler Hygiene» wird hier im Text auf Wiederholung der Spencer-Sentenz verzichtet. Wer lesen will, kann lesen et voilà: das Resultat!

Der Umgang mit Spritzpistolen und Lacken ist nicht meine Welt. So kommt Oratex in bewährter Weise in Rot/Gelb zur Anwendung. Ein angenehmer Nebeneffekt: Die vulnerable Balsaoberfläche erhält so eine unempfindlichere Aussenhaut. Es handelt sich um ein Produkt aus europäischen Ländern im sonst asiatisch überfluteten Modellmarkt.



Flugerprobung

Die Gretchenfrage aller Flugberichte: Fliegt oder fliegt nicht? Na klar fliegt die C60, aber anders als zumindest ich es heute gewohnt bin: Gas geben, nach wenigen Metern abheben, super – quirliche Reaktion auf Querruder, etwas zögerlicher auf Höhenruder. Gleichförmiges Fliegen, das Mantra der heutigen F3A-Diamanten, «ist nicht»! Der Hobel bolzt – die Geschwindigkeit liebend – durch alle Figuren – schneller Looping, Sturzflug, Turn, Trudeln, so stelle ich mir einen enthemmten Derwisch vor. Beim ersten Flug liegt der Schwerpunkt zu weit vorne, die Maschine geht insbesondere bei der Landung zu sehr auf die Nase. Schwerpunktänderung nach Bauplanangabe unter Zugabe von 100 g Blei im Schwanzbereich – nun guter Streckenflug; wir fliegen keinen Methanoler, E-Motor und Lipos wiegen eben!


Warum Retro?

Der von mir über Jahre präferierten Modellklasse F3A – wie flog E. Trumpps Turmalin doch so schön – entfremdete ich mich, als man anfang, in Formel-1-Manier Modelle aus erlesenstem Material zu horrenden Preisen fertigen zu lassen. Das finanzielle Budget manches Modellfreundes wurde gesprengt. Selbstgebautes – es war kaum noch konkurrenzfähig – kam aus der Mode. Baugemeinschaften, z.B. das Vater/Sohn/Tochter-Modell, sistierten, Jugendförderung finito! Als finanziell nicht Unvermögender sagte ich irgendwann «Nein danke», mich ändern Modellklassen zuwendend. Von wiederkehrenden Erinnerungen aus der Jugendzeit eingeholt, präsentiere ich heute eine Curare 60. Prettners Geniestreich kann man sozusagen in Hotty-Manier durch altergebrachte Kunstflugfiguren schicken. Vergleicht man das Modell mit heutigen F3A-Ikonen, die gleichförmig majestätisch – aber irgendwie monoton, langweilig verkneife ich mir – durch das Firmament gleiten, gehört die Erstgenannte in eine andere Kategorie. Passend hierzu spielt der Senderlautsprecher AC/DCs «Highway to Hell», lasst uns das Firmament rocken, die Curare 60 ist doch keine Schlaftablette!



Technische Daten Curare 60 Elektro:

Spannweite:

1630 mm

Länge:

1440 mm

Gewicht:

3,4 kg

EWD:

1,5°

Schwerpunkt:

11–12 cm hinter Nasenleiste

Motor:

Dualsky, XM4255EA-10, 620 kV
6S Lipo 3500 mAh

Drehzahlregler:

Hobbywing 80 Ampère

Luftschaube:

2 Blatt 12×7

Stromaufnahme bei Volllast am Boden:

43 Ampère

Einziehfahrwerk:

Giezendanner 3-Bein

Funktionen Höhe, Seite, Quer:

Servos Eco Boost HV CLS 6322



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