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Über das Problem eines unabhängigen Modellflieger-Verbands und die Situation im AeCS

von Emil Giezendanner
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An keinem anderen Ort im ganzen Aero Club ist wohl das Problem der Mitgliedschaft für Modellflieger beim AeCS so ausführlich behandelt worden wie im MFS. Auch das Problem der Gründung eines eigenen unabhängigen Modellflieger-Verbandes soll an dieser Stelle nicht verdrängt werden. Von den "Oberern" des AeCS ist bisher noch nicht viel Sachliches zu diesem Thema zu vernehmen gewesen.


Niemand hatte den Mut noch die Grösse und Distanz, öffentlich auf einen vom AeCS unabhängigen Verband einzugehen. Was bisher zu hören war, könnte mit dem Wort "Verteufelung", also einer planmässigen Schlechtmachung jener Kreise, welche sich mit diesem Problem befassen, umschrieben werden. Von "Manipulierten" und "Abtrünnigen" ist die Rede. Der geneigte Leser merkt, dass es sich hier um dieselben Ausdrücke und Affekte handelt wie etwa in der Politik, wenn die Rechten über die Linken herziehen oder umgekehrt. Ohne viel von Psychologie zu verstehen, stellt man fest, dass immer, wenn eine Partei zur Waffe der systematischen Verteufelung greift, dahinter nichts als eine grosse Unsicherheit, Ratlosigkeit und Unfähigkeit zur konstruktiven Lösung dieses Problems steht. Angst macht blind und dumm und führt zu aggressiven Angriffen, was, so sagt man, die beste Verteidigung sei. Das Huhn, das vor lauter Angst direkt unter die Räder des Autos flattert, ist wohl das praktischste und einleuchtendste Beispiel dafür.


Sachlich und grundsätzlich müsste gesagt sein, dass ein solcher Verband möglich ist. Auch ohne Ablösung vom AeCS, gleichsam als Konkurrenz. Eine Konkurrenz hat noch niemandem geschadet – im Gegenteil, sie spornt an, setzt neue Kräfte frei, und man muss sich etwas einfallen lassen. Monopole (wie dies früher auch bei den Fachgeschäften für Modellflug der Fall war) führen leicht zur Erstarrung, zur Vorherrschaft einiger weniger und zur Abhängigkeit aller anderen – eher eine ungünstige Entwicklung also. Öffnen sich aber weitere Möglichkeiten, Alternativen, dann wird die bessere Lösung auf die Dauer erfolgreich sein.


In diesem Zusammenhang wird das Problem der Meisterschaften immer wieder hochgespielt. Natürlich kann auch eine zum AeCS konkurrenzierende Modellflieger-Vereinigung offizielle Schweizermeisterschaften ausschreiben. Ähnliche Vereinigungen in anderen Ländern, wie sie teilweise schon existieren, könnten sich international zusammenschliessen und Europameisterschaften oder gar Weltmeisterschaften ausschreiben und durchführen. Juristisch gesehen also kein Problem, bestimmt ginge es auch ohne schwerfällige FAI.


Man könnte noch weitere Überlegungen zu diesem Thema anstellen und gute, sachliche Gründe, welche für einen neuen Verband sprechen, anführen. Trotzdem, Sie werden staunen, bin ich heute überzeugter Gegner einer Neugründung. Nicht einfach aus Prinzip oder irgendwelcher fadenscheiniger und leerer Ideologien, sondern weil ich mir das alles reichlich überlegt habe. Hier nur einige meiner Gründe:


  1. Wir haben heute eine bestehende, relativ gut funktionierende Organisation. Ein Neuaufbau ist ungeheuer aufwendig und kostet eine unendliche Menge Energie, welche am Modellflug selbst verloren gehen würde. Wir müssen unsere Kräfte sammeln und auf den Sport selbst konzentrieren, wenn wir international bestehen wollen.
  2. Das Zusammenfassen aller fliegerischer Sparten, wie dies im AeCS der Fall ist, scheint mir eine faszinierende Möglichkeit. Allerdings müssen sich die Modellflieger aus ihren Kinderschuhen endlich befreien und dafür sorgen, dass ihnen dieselbe Aufmerksamkeit zukommt, wie etwa den viel gehätschelten Segelfliegern – dass zum Beispiel eine Segelflugschweizermeisterschaft dem Vergleich einer Modellflugschweizermeisterschaft endlich standhält. Dieses Gleichziehen müsste auf vielen Ebenen erfolgen. Ich habe auch den Verdacht, dass wir den AeCS zu wenig kosten – was nichts kostet, ist nichts wert .....
  3. Ein unabhängiger Modellflieger-Verband würde vorallem eben aus Modellfliegern bestehen. Das heisst aber, wir hätten es ebenfalls mit Menschen zu tun, mit all den kleinen und grossen Unzulänglichkeiten, mit Neid, mit Eigennutz, mit "grossen Röhren" und nichts dahinter, mit ewigen Nörglern, die selbst nichts leisten etc. Ich habe diesbezüglich keine Illusionen – die Probleme blieben dieselben, der gleiche Kram!

Was wollen wir also? Die Erfahrungen und die Vorarbeit unserer Väter nicht verherrlichen und tabuisieren, sondern darauf aufbauend die beste und zeitgemässeste Lösung für uns erarbeiten. Bei der Jugend hat die hergebrachte Vereinsform bestimmt ausgedient. Wir müssen neue Formen suchen. Ansätze dazu sind vorhanden, ich denke da an die kürzlich stattgefundene Generalversammlung der Sektion Zürich des AeCS.


Mit freundlichen Grüssen

Emil Giezendanner



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