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Club 20 oder Mini-Pylon Racing

von Roger Riedener
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Pylon Racing bedeutet Flugzeugrennen um einen markierten Dreiecks-Kurs. Die Anfänge dieses Sportes gehen auf anfangs der Dreissiger-Jahre zurück und entstanden, wie so viele schöne Dinge, in den USA.


Damals langweilten sich die ehemaligen Jagdflieger aus dem ersten Weltkrieg so sehr ob den friedlichen Zeiten, dass sie beschlossen, ihre Luftkampf Erfahrungen in Rennen in unmittelbarer Bodennähe zu demonstrieren. Sie flogen mit Jagdmaschinen vom Krieg her und alsbald sprach man von modernen Ritterkämpfen des 20. Jahrhunderts. Doch bald merkten die Flieger, dass man viel schneller um die 3 Türme fliegen konnte, wenn man kleinere Flugzeuge mit relativ kleinen Flächenbelastungen verwendete. Das bedeutete, dass absoluter Leichtbau angewendet werden musste. Viele Maschinen zerbarsten damals mitten in der Luft, und es gab reihenweise Tote. Der Zweite Weltkrieg stellte die Entwicklung dieser Rennflugzeuge für einige Zeit ein, und nach dem Krieg ging das Spiel mit superstarken Militärmaschinen weiter. Flugzeuge mit aufgeladenen, bis 3000 PS leistenden Motoren waren die legendären Sieger dieser schnellsten Rennen aller Zeiten, denn kurz danach wurden diese Kraftprotze, wie die Mustangs, die Warhawks usw. von den Kursen verbannt. Danach kam die Zeit der berühmten Konstruktionen wie die dicke «GEE BEE» von General James Doolittle und die vielen Brown Racers, später entstanden die Shoestrings, die Rivets und heute werden Maschinen wie die Miss DARA, die Miss COSMIC WIND mit schmalbrüstigen Motoren von Lycoming mit um die 100 PS in der FORMULA ONE bevorzugt. Diese Flugzeuge lassen durch die ausgeklügelten aerodynamischen Formen und durch das kleine Leistungsgewicht aber dennoch Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 600 km/h zu.

Dies zur Vorgeschichte und Entwicklung des Pylon-Racings. Den eigentlichen Ausschlag, der mich dazu bewog, diesen Artikel über das Modell-Pylon-Racing zu schreiben, gab mir die Tatsache, dass in der Schweiz für den Motormodellfreund, der sich an anderen Kollegen messen will, gar keine Alternative besteht, ausser sich mit grossem finanziellem Aufwand ins Kunstfluggeschäft zu stürzen. Das macht sich vor allem an der von Jahr zu Jahr rapid steigenden Teilnehmerzahl bei den Regionalmeisterschaften, an denen das «kleine», Nationale Programm geflogen wird, bemerkbar.

Ich möchte mich an dieser Stelle hüten, in irgendeiner Form etwas gegen den Modellkunstflug zu sagen, denn er stellt ganz bestimmt die Krönung unseres gemeinsamen Steckenspielpferds dar. Doch sollten auch diejenigen, welche sich aus Kostengründen nicht erlauben können, in dieser Sparte teilzunehmen, Gelegenheit erhalten, sich im Wettkampf zu messen. Deshalb möchte ich in der Schweiz eine neue Rennklasse des Pylons proklamieren, eine Art Billigst-Rennen, von der ich mir einigen Anklang verspreche.

CLUB 20 heisst diese neue Sportart und kommt aus England, nicht zuletzt, weil die Engländer heute bekanntlich an allen Ecken und Enden Sparmassnahmen treffen müssen. Dies tut meiner Meinung nach der Attraktivität dieser Klasse überhaupt keinen Abbruch, im Gegenteil, Pylon-Racing war bis jetzt nämlich in der bestehenden Form mit den Klassen FAI und Formel 1 mit 6,5 ccm und Quarter Midget mit getunten 2,5 ccm-Juwelen nur ausgesprochenen Spezialisten zugänglich.


Reglement

Zweck: Das bisher nur «Profis» vorbehaltene Pylon zu einem einer breiten Masse zugänglichen Sport zu machen.

Allgemeines: Die Modelle müssen, zumindest in geringem Masse, einem grossen Vorbild ähnlich sehen, welches Propellerantrieb hatte. Der Veranstalter hat das Recht, vor den Rennen Modelle zu disqualifizieren, welche seiner Ansicht nach in gar keiner Weise einem je existierten Vorbild entsprechen. Es gibt keine Vorschrift, über wieviele Kanäle das Modell gesteuert werden muss. Als Notwendigkeit ergeben sich aber mindestens 2-Achsen-Steuerung plus eine Motorausschaltvorrichtung. Jedes gefährliche Fliegen wird mit der sofortigen Disqualifikation geahndet.


A. Das Modell

1. Rumpf
Der eigentliche Rumpf (ohne Zusätze wie Fahrwerk usw.) muss mindestens 70 mm breit, gemessen ohne Flügel-Rumpf-Uebergänge, sowie 127 mm hoch sein. Diese Werte müssen im Bereich der Flügelwurzel auftreten, müssen aber nicht auf einen Querschnitt fallen.

2. Flügel
Die reine Flügelfläche muss mind. 1935 cm2 aufweisen (ohne HLW). Die minimale Dicke beträgt 22,5 mm an der Flügelwurzel und 16 mm an den Enden. Der Flügelgrundriss bleibt nur durch die Vorbildähnlichkeit in gewisse Grenzen gesetzt, ansonsten ist dies Sache des Konstrukteurs.
Doppeldecker werden nicht zugelassen.



3. Fahrwerk
Ein Fahrwerk ist nicht notwendig.

4. Motor
Der Hubraum des einzigen Motors darf 3,28 ccm oder .20 cubic inch nicht überschreiten. Der Motor muss einer der Folgenden sein: OS .20, Enya .19 oder .19 BB, HB .20, Veco .20, Webra .20 Glo oder FOX .20, ausgerüstet mit dem vom Hersteller mitgelieferten Schalldämpfer (Resonanzrohre sind nicht gestattet).

Am Motor sowie an den Nebenaggregaten dürfen keine Modifikationen gemacht werden. Der Tank darf druckbelüftet sein. Falls ein Motor zusätzlich zu den obigen erlaubt wird, würde dies in «Modellflugsport» publiziert werden.

Falls ein Mitkonkurrent an der Originalität des Motors eines Mitbestreiters eines Wettbewerbes zweifelt, kann er für eine Kaution von Fr. 20.— verlangen, dass der Verdächtige seinen Motor öffnet und begutachten lässt. Ist dieser nicht modifiziert worden, erhält der falsch Verdächtige die Fr. 20.—. Wurde hingegen daran «gebastelt», so wird der Ueberführte disqualifiziert und der Mitkonkurrent kann sein Depositum zurückerhalten.

5. Propeller
Zugelassen werden ausschliesslich weiche Plastikpropeller (Top Flite) und glasfaser-verstärkte Plastikprops. Modifikationen sind erlaubt, aber nicht wünschenswert.

6. Spinner
Vorschrift: Runder, d.h. stumpfer Spinner von mind. 38 mm Ø.

7. Kraftstoff
Ausschank exklusiv vom Veranstalter. Enthält 25% Ricinusöl und 5% Nitro. Die Kosten hierfür sind im Startgeld inbegriffen.

8. Gewicht
Muss flugfertig, aufgetankt, zwischen 950 und 1400 Gramm liegen.


9. Rennkurs und Prozedur
Maximal 4 Flugzeuge fliegen gemeinsam einen Durchgang. Die Modelle werden von hinter der Start/Ziel-Linie, wo die Piloten auch während des Fluges stehen, handgestartet. Die Startrichtung ist gegen den Pylon Nr. 1 (siehe Skizze 1). Der Kurs wird 10 (zehn) Mal im Gegenuhrzeigersinn umflogen. Wenn nach einer Minute noch nicht alle Motoren laufen, fliegen nur die, deren Motor läuft. Der Start erfolgt simultan auf ein Zeichen. Hat ein Pilot länger als sechs Minuten gebraucht, vom Zeichen zum Motoranlassen an gerechnet, um den Kurs 10 mal zu umrunden, wird er disqualifiziert. Es soll möglichst nicht über ca. 20 m hoch geflogen werden.

10. Bewertung
Pro Durchgang wird gepunktet:
8 Punkte für den Sieger
6 Punkte für den Zweiten
4 Punkte für den Dritten
2 Punkte für den Vierten

Hat ein Pilot* einen «cut», hat er also eine der insgesamt dreissig Kurven vor und nicht hinter einem Pylon gemacht, so erhält er für diesen Durchgang keinen Punkt.
Er muss also in einem späteren Durchgang gegen drei andere Piloten antreten, die ebenso einen «cut» hatten. Dritte und Vierte können nur noch gegen ihresgleichen antreten. Zweitplazierte müssen einen Revanchelauf gegen den Sieger erhalten.
* neuerdings: 2 cuts = 0 P., 1 cut = 1 P.


B. Zum Veranstalter

Die Anforderungen an den Organisator eines Club 20 Rennens sind recht gering. Er braucht vor allem keine Punktrichter aus der ganzen Schweiz einzuladen wie beim Kunstflug, denn viele dieser Herren lassen sich, richtigerweise, Spesen vergüten. Er muss lediglich drei Pylons, siehe Skizze 2 bereitstellen, die die veranstaltende Modellfluggruppe in Teamarbeit herstellen kann.



Im weiteren braucht es eine Betankungsanlage, ein paar Liter Sprit, eine Küchenwaage und eine Schublehre. Damit wäre der Instrumentenpark vollständig. Die mutigen Männern im Verein rüstet man nun mit einem Kunststoffhelm vom Bau aus und verleiht ihnen den Titel «Flaggenwart». Ein solcher hat ein grünes und ein rotes Fähnchen zu erhalten. Das grüne heisst «gut», das rote bedeutet «cut», also 0 Pkte. Erhält der Pilot einen Cut, darf er nicht einfach die Kurve richtig wiederholen, sondern fliegt die zehn Runden zu Ende und verbucht gelassen sein mageres Resultat. Bricht er den Flug ab, so scheidet er aus dem Wettbewerb aus. (6-Minuten-Limite!). Beim Pylon Nr. 2 und 3 brauchen wir nicht unbedingt einen Wart, gut wäre es aber schon. Weiter benötigen wir einen, der das Rennen abwinkelt, wobei eine schwarz-weiße Karoflagge natürlich deluxe wäre, und vier Leute, die die Jury bilden. Jedes Jurymitglied behält «seinen» Flieger im Auge, zählt die Runden und notiert die cuts, gefährliches Fliegen usw. Zeitstoppung ist nicht nötig, kann aber unter Umständen zur hohen Spannung eines Wettbewerbes beitragen. Platz für Zuschauer ist möglichst weit weg, am besten hinter Pylon 2+3 anzuordnen. Auf keinen Fall hinter Pylon Nr. 1!! Ich bin bestimmt kein Sicherheitsfanatiker, aber ein ernsthafter Unfall mit Körperverletzung wäre so ziemlich das Allerletzte für die Publikumsgunst eines neuen Sports.

Die, bei denen dieser kleine Bericht nun auf Interesse gestossen sein sollte (und ich hoffe, es sind doch so ca. 3 oder 4!!), schicken eine einfache Postkarte an:

Roger Riedener, Burgstrasse 105
8408 Winterthur

Bitte «CLUB 20» vermerken!

Ich werde dann, je nach Grösse der Interessengemeinschaft, jeden persönlich oder über «Modellflugsport» über Pläne von Modellen, Baukästen, Terminen, vielleicht sogar über die Gründung einer Vereinigung orientieren.

Ich fände es «eifach de Hit», wenn die Sache wirklich ins Rollen käme!



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