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Die Aufgaben der Modellfluggruppe 1. Teil: Wer profitiert von wem?

von Emil Giezendanner
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Nicht selten begegnet man heute Modellfliegern welche den Beitritt in eine Modellfluggruppe als völlig nutzlos und überdies lächerliche Vereinsmeierei bezeichnen. Sie wollen sich nirgends binden — fliegen, wo es ihnen passt — und schon gar nicht fühlen sie sich für irgend etwas verantwortlich. Diese Anti-Vereinsbewegung ist an sich nicht neu und der Verfasser selbst hätte schon oft am liebsten Vereinsstatuten, Reglemente und andere offizielle Papiere dort verwendet, wo sie wegen der unhygienischen Druckerschwärze ebenfalls keine befriedigende Funktion erfüllen können.


Es ist tatsächlich schon so, dass der Beitritt zu einem Verein in vielen Fällen vorerst keine sichtbaren Vorteile mit sich bringt — im Gegenteil: Man muss sich einordnen, anpassen, ja sogar bezahlen und wenn man Pech hat, selbst etwas mithelfen, Hand anlegen. Man ist — das bleibe unbestritten — auf irgend eine Weise abhängig geworden. Auch jener, der seine Fränkli noch so blödsinnig verputzt, wird plötzlich ausgesprochen knauserig, wenn es um einen Vereinsbeitrag geht — da bezahlt man sein sauer verdientes Geld und hat nichts davon! «Was sagen Sie? Das Käsblättli, das lese ich schon gar nicht — damit hat noch keiner das Fliegen gelernt.» Neidisch müssen Gruppenobmänner zusehen, wie in nichtorganisierten Gruppen der kameradschaftliche Zusammenhang sogar besser funktionieren kann, als in einer noch so mustergültig «geführten» AeCS-Modellfluggruppe. Zudem müssen junge, idealistisch gesinnte Modellflieger immer wieder resigniert aufgeben, wenn sie versuchen mit ihren Ideen in einem grossen, schwerfällig (dafür demokratisch) aufgebauten Verbands-Apparat durchzudringen — ein Kampf gegen Windmühlen.

Einzig das vereinseigene Fluggelände könnte noch eine gewisse Anziehungskraft ausüben. Ein Schütze muss, wenn er trainieren will, (auch wenn es sich um das Obligatorische handelt) einem Schiessverein beitreten. Im Modellflug ist dies noch nicht so extrem, doch scheint die Entwicklung ganz in dieser Richtung zu verlaufen: einige wenige behördlich bewilligte Regionalflugplätze — eine Chance für die Modellfluggruppe, oder deren Untergang? Auf alle Fälle sehe ich mit einem gewissen Unbehagen der Zeit entgegen, wo unsere ordnungsliebende Staatsform auch den noch so individualistisch gesinnten Modellflug in «geordnete Bahnen» lenken wird. Das heisst mit andern Worten, dass damit die Verantwortung für die zum Teil rücksichtslose und anonyme Fliegerei noch mehr, als dies bereits heute geschieht, auf dem Buckel der örtlichen Modellfluggruppe lastet und wohl oder übel ausgefressen werden muss. Ich glaube kaum, dass dies für die Modellfluggruppe eine besonders erfreuliche Lösung sein könnte — trotz enormen Mitgliederzahlen.


Auf alle Fälle müssen wir uns dagegen wehren, dass den Modellfluggruppen behördlicherseits gewisse Kontroll- und Polizeifunktionen zugeschoben werden — auch wenn wir selbstverständlich sehr interessiert sein müssen, dass auch die «Wilden Modellflieger» nicht tun und lassen wo und was sie können. Das heisst aber noch lange nicht, dass jeder Modellflieger in einem Verein sein muss — schliesslich ist auch nicht jeder Automobilist in einem der beiden grossen Verbände. Auch scheint mir jene Modellfluggruppe, welche nur aufgrund ihres eigenen Flugplatzes einen gewissen Zusammenhalt aufweist, kameradschaftlich höchst unbefriedigend. Natürlich bleibt das Fluggelände für jede Gruppe lebenswichtig — umgekehrt kann aber nur eine Gruppe, in der jeder mitträgt und mitsorgt auf die Dauer ein Fluggelände halten oder gar ein neues erschliessen. Wer nur profitieren will, profitiert zuletzt auch selbst nicht mehr.


Emil Giezendanner




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