Sport

Hangfliegen mit Kompass-Steuerung (F1E)

von Emil Giezendanner
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Freiflugmodelle mit Kompass-Steuerung können, wenn sie einmal gestartet sind, nicht mehr beeinflusst werden. Das gilt für alle Freiflugklassen und macht den ganzen Sport sehr spannend. Im Gegensatz zu den Freiflugmodellen der übrigen Klassen, die aus der Ebene gestartet werden, schieben oder werfen die Piloten ihre Modelle ab einem Hügel. Wenn sie die Hände des Piloten verlassen haben, sind sie dem Spiel der Winde – der Natur eben – überlassen.


Wie funktioniert eine Kompass-Steuerung?

Im Gegensatz zu den Freiflugmodellen anderer Klassen sind die Hang-Segelmodelle (FAI Klasse F1E) mit einer Kompass-Steuerung ausgestattet. Das System ist mindestens 100 Jahre alt und besteht aus einer «Kompassnadel», einem starken Magnetstab, der sorgfältig und leichtgängig gelagert das Seitenruder bewegt. Das Seitenruder wird in die gewählte Flugrichtung eingestellt, während der Kompass immer nach Norden zeigt. Weicht das Modell während des Flugs aus der eingestellten Richtung ab, korrigiert der Kompass. Anstelle eines mechanischen Kompasses können auch elektronische Geräte eingesetzt werden, welche über ein kleines Servo das Ruder bewegen.


Weitere Funktionen programmierbar

Das Hang-Freiflugmodell kann nicht nur einen geraden Kurs einhalten, sondern auch über einen elektronischen oder mechanischen Zeitschalter Kreis- oder andere Kurse ausführen. Die Zeitschalter können ausserdem die sogenannte Thermikbremse auslösen, welche den Flug abbrechen, indem das Höhensteuer hochklappt. Ein direkter Einfluss auf das Verhalten des Modells während des Fluges ist nicht möglich. Alles muss vor dem Start programmiert werden – bis hin zur Zugabe von Gewichten.


Eine Lotterie? – Nicht ganz!

Wenn das Modell nach der Abgabe durch den Piloten nicht mehr beeinflusst werden kann – weder Flugweg, Steigen oder Sinken – verfolgt der Pilot sein Modell mit grosser Spannung. Bleibt es in der Luft für die geforderten (beispielsweise) vier Minuten oder landet es frühzeitig? Die Flugzeiten werden vom Wettbewerbsleiter vorgegeben. Im Stechen können diese bis sieben oder acht Minuten dauern. Die Flugzeiten sind u.a. auch von der Höhe des Startplatzes über dem flachen Gelände sowie von Windrichtung und Windstärke abhängig. Der Pilot kann nach dem Start nur noch sein Flugzeug beobachten und hoffen. Es zeigt sich, ob alle Einstellungen und der Zeitpunkt des Starts optimal gewählt wurden. Landet das Modell zu früh, wird er in einem nächsten Flug versuchen, das Ganze nachzupjustieren und noch gründlicher die Wettersituation beobachten. Eventuell hat er ganz einfach im Spiel von Wind und Sonne Pech gehabt. Als Freiflugsportler hat er das früh gelernt.


Kondition gefragt

Die Modelle müssen nicht selten kilometerweit entfernt geborgen werden. Baumlandungen gehören beinahe dazu. Das Schweizer Team war mehrmals betroffen. Bis zum nächsten Startzeitfenster müssen die Modelle wieder oben sein. Das verlangt etwas Fitness. Eine Wohltat ist die Ruhe im Startraum. Die Schweizer wirkten ruhig und konzentriert – vorbildliche Teamarbeit – im Gegensatz zu Teams, die vor lauter Smartphone-Spektakel das Fliegen vergassen. Kurze Zeit vorher hatten unsere Freiflieger an der EM in Rumänien hervorragende Resultate erzielt. Diesmal konnten sie das Ganze nicht wiederholen. Die WM soll 2025 am gleichen Ort stattfinden. Bleibt zu hoffen, dass der Organisator steigerungsfähig und in der Lage sein wird, den Anlass WM-würdig durchzuführen. Für die schweizer Freiflieger ist der Mangel an geeigneten Geländen eine grosse Herausforderung. Sie verdienen unsere Hochachtung.




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