Sport

Filigrane Kunstwerke

von Matthias Bosshard
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F3P-Indoor Modelle sind wahre Kunstwerke. Ihr Abfluggewicht beträgt 50–55 Gramm, das Gewicht der eigentlichen Flugzeugstruktur beträgt circa 15 Gramm. Wie konstruiert und baut man solche Fliegengewichte, worauf muss man achten? Zu diesen Themen habe ich Ruedi Gallati in seiner Werkstatt besucht.


Die Piloten der Indoor-Szene sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt und hilft. Geheimnisse gibt es keine; bereitwillig wird über Entwicklungen und Verbesserungen diskutiert und man freut sich an den Erfolgen der anderen. So werden auch die Modelle in meist kleinen Schritten optimiert und verbessert. Materialkenntnisse und Bautechniken werden voneinander kopiert und ausprobiert. Die Modelle sollen leicht sein, langsam fliegen und genau zu steuern sein, und zwar in Normalfluglage, auf dem Rücken und im Messerflug. Dazu werden verschiedenste Flügelflächen und Formen ausprobiert, Canalizer und auch Doppeldecker werden erprobt. Zu kaufen gibt es diese Modelle bei keinem Modellbauhändler, sie werden in kleinen Stückzahlen entweder selber gebaut oder in verschiedenen Vorfertigungsgraden in Frankreich und Litauen gefertigt.

Das über Jahre verwendete Schaummaterial Depron ist passé, die Modelle waren sehr zerbrechlich und sind schnell gealtert. Heute werden für den Bau der Rumpf- und Flügelstrukturen Kohlefaserstäbe und Röhrchen mit verschiedenen Durchmessern benötigt. Die dicksten sind 0,7 mm, die feinsten 0,25 mm und werden somit nur auf Zug belastet. Für den Bau der Modelle werden Formen aus Hartholz verwendet. Darin eingefräst sind die Umrisse und Konturen. Die CFK-Stäbchen werden nicht etwa in die Formen gezwängt, was zu grossen Spannungen führen würde, sondern in den Formen laminiert. CFK-Rowings werden mit langsam bindendem Harz getränkt und mit einem Faden oder feinem Stahldraht in Schrumpfschläuche eingeführt. Diese werden danach mit dem Heissluftföhn geschrumpft und in die Vertiefungen der Formen gepresst. Nach dem Aushärten werden die Schrumpfschläuche entfernt. In einer weiteren Form werden die einzelnen Stäbchen an den Schnittpunkten zu einem Gitter verklebt. Die so erstellten Flächen für Rumpf, Flügel und Höhensteuer werden mit Mylarfolie (2 g pro Quadratmeter) bespannt. Die Folie wird vor dem Bespannen zerknüllt, damit sie nach dem Verkleben straff bleibt. Danach wird die Mylarfolie auf ein flaches Brett gelegt, das CFK-Gitter mit verdünntem Uhu-Por eingestrichen, auf die Mylarfolie gelegt, mit etwas Überstand zugeschnitten und an den Rändern um die CFK-Stäbchen gezogen. Heikel sei das Zusammenfügen und Verstreben der einzelnen Teile. Je mehr von den feinsten Verstreungen am Modell angebracht sind, umso weniger kann man



das Modell von Hand halten oder in einen Montagebock legen. Ruedi hat sich daran gewöhnt, für die feinen Verbindungen feinste Tropfen Sekundenkleber aufzutragen. Dabei benutzt er eine Brille mit Vergrösserungsgläsern. Er betont, dass das Bauen eines solchen Modells viel Geduld und Fingerspitzengefühl benötigt und für ihn meditativen und erholsamen Charakter hat. →



Zur Verbesserung der Sichtbarkeit für Piloten und Punktrichter wird das Modell mit Airbrush-Farben dekoriert. Das so fertiggestellte Modell ohne Einbauten wiegt ca. 15 Gramm.

Die Koax-Antriebe stammen auch von Insidern, die gängigsten sind von Glavak und Lantsov und treiben bis zu 18 Zoll grosse Propeller an. Die CFK-Propeller werden mittels Untersetzungsgetriebe und Hohlachse angetrieben und wiegen 2–3 Gramm. Es wurden auch schon Versuche mit vorgeformten Balsa-propellern gemacht. Servos seien schwierig aufzutreiben; Bewährtes Zubehör wird in grösseren Mengen eingekauft und über Jahre gehortet. Die Servokabel und Stecker sind viel zu schwer und werden durch 0,1 mm Kupferlackdraht ersetzt. Mikro-Servos mit hoher Stellgenauigkeit zu finden sei schwierig.



Die Servos werden zum Teil auch ohne Ruderhörner direkt auf die Ruderachsen montiert, um eine spielfreie Anlenkung zu erreichen und um Gewicht sparen zu können. Dabei gilt es, den Schwerpunkt im Auge zu behalten. Der Schwerpunkt wird mittels Platzierung des Seitenruderservos und des Akkus austariert. Auch die Empfänger und die für die 1S-Batterie notwendigen Spannungsregler sind klein und leicht und werden selbst verlötet. Mit einem 1S Lipo mit 160 mAh Kapazität kann 7–8 Minuten geflogen werden. Die Propeller haben V-Form, damit sie in Torque-Figuren einen stabilisierenden Einfluss haben. Grosse Propeller haben einen hohen Wirkungsgrad und bremsen in Abwärtsfiguren besser. Handelsübliche Sender der bekannten Marken werden eingesetzt. Es werden relativ wenige Mischer eingesetzt, einzelne Piloten schalten während der Flüge verschiedene Flugzustände um. Um die Bremswirkung dosieren zu können, wird während dem ganzen Flug



ein erhöhter Leerlauf (Idle-up) eingestellt.

Steht dann das fertige F3P-Modell auf dem Werkstatttisch, sind in den meisten Fällen 70–100 Arbeitsstunden und knapp 1000 Euro Material investiert worden. Das Einfliegen und Einstellen der Mischer, Gaskurven und Flugzustände am Sender ist dann die nächste Herausforderung, um das Model harmonisch durch die Kunstflugfiguren zu führen und die Punktrichter vom Können zu begeistern. (Auch hier tauscht man sich an den Wettbewerben untereinander aus.) Wobei die besten Piloten am wenigsten am Knüppel herumreissen, sie steuern die Eigenheiten des Models (Unzulänglichkeiten) schon aus, bevor sie sichtbar werden, «where pilot and model are one». Das sieht dann ganz einfach aus, ist aber die hohe Schule und das Talent des Piloten.

Wie geht es weiter? Ruedi Gallati meint, die Möglichkeiten der Gewichtsreduk-



tion seien ausgerichtet. Der erreichte Perfektionsgrad sei sehr hoch und die ausgeklügelten Bautechniken bewährt. Es gab Jahre, in denen regelmässig das Gewicht um bis zu 10 Gramm reduziert werden konnte – damit sei nun Schluss. Momentan gehe es darum, dass das optimale Modell vom besten Piloten geflogen wird. Übrigens gibt es ab und zu auch Boden- und Wandberührungen in der Halle. Die dadurch entstandenen Schäden sind harmlos und können meist in wenigen Minuten mit einer ruhigen Hand und einem Tröpfchen Sekundenkleber behoben werden. Beeindruckt von der Hingabe, der Detailliebe, der handwerklichen Kunst, aber auch von der gelebten Kameradschaft innerhalb der Szene verlasse ich die Werkstatt von Ruedi Gallati.



  • 1 Pilot und Konstrukteur Ruedi Gallati.
  • 2 Antrieb von Glavak.
  • 3 Antrieb von Lantsov.
  • 4 CFK-Stäbchen-Laminierformen.
  • 5 Herstellung der CFK-Konturen mit Rowings in Schrumpfschlauch.
  • 6 CFK-Stäbchen laminieren.
  • 7 Schrumpfschlauch von den laminierten CFK-Stäbchen entfernen.
  • 8 Abnehmbarer Flügel mit Querruder.
  • 9 CFK-Gerippe mit Mylarfolie bespannen.
  • 10 Airbrush.
  • 11 Rumpf- und Flügelaufbau.
  • 12 Aufbau Rumpfoberseite.
  • 13 Justierbare Motorbefestigung.
  • 14 Querruderservo.
  • 15 Filigranes Kunstwerk.


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