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RC-Segelflugweltmeisterschaften 1977

von Karl Voser
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1. RC-Segelflugweltmeisterschaft (F3B) in Verwoerdburg in der Nähe von Pretoria/ Südafrika


Freitag, 1. April

Der Regen hielt die ganze Nacht durch an, und am Morgen sah es gar nicht rosig aus. Jack war jedoch optimistisch. Die Meteorologen der SAAF Base versprachen besseres Wetter, und sie sollten recht behalten. Was sich gestern anbahnte, wurde heute zur Gewissheit. Die Swiss Boys kamen nun endlich in Form, und eine Aufholjagd bahnte sich an. Im Distanzflug zur vierten Runde konnte Paul 14 Runden für sich buchen, was ihn wieder einige Ränge nach vorne brachte. Mike O'Reilly, Australien, setzte eine neue Rekordmarke mit 18 Runden, während der Einheimische Spavins ab einer normalen Ausgangshöhe nur einen Nuller kassierte.

Sogleich wurde der fünfte Durchgang in Angriff genommen, welcher bis zum Abend zu einem glücklichen Abschluss kam. Nicht nur das OK glänzte, auch die Schweizer kamen in grosse Fahrt. Gerhard sicherte sich mit 16 Runden die 1000 Distanzpunkte. Das erstemal, dass ein Schweizer ganz oben auf der Rangliste auftauchte, und das mit einem Hobie-Hawk! Leider brachte Gerhard im Speedflug lediglich 20 Sekunden heim, aber immerhin rückte er auf den 18. Gesamtplatz vor. Ruedi erflog sich im Dauerflug mit einem bravourösen Einsatz einen vollen Dauerflug, währenddem seine fünf Mitkonkurrenten Absaufer kassierten. Als nach dem Hochstart alle früher gestarteten Piloten keine eindeutigen Thermikschläuche fanden und alle am gleichen Ort versauerten, fasste unser TM einen entscheidenden Entschluss. Er wies Ruedi an, um 180° versetzt in die Ebene hinauszuziehen, und dies so lange, bis er das Modell kaum mehr sehen könne. Er solle das Modell ruhig und sauber ziehen lassen und genau beobachten, ob auch nur die geringste Thermik sichtbar sei. Und genau an der Sichtgrenze begann der Brillant zu steigen, und so konnte Ruedi als einziger dieser Gruppe einen vollen Flug verbuchen. Im Speedflug konnte Ruedi 15,2 Sek. realisieren, und so landete er auf dem 3. Durchgangsrang. Paul konnte leider nicht an seinen guten Distanzflug anschliessen und musste wieder einige Ränge preisgeben. Als die letzte 6er-Gruppe zum Dauerflug ausgerufen wurde, verdunkelte sich der Himmel rasant, und es war Schlimmstes zu befürchten. In dieser letzten Gruppe musste auch Peter Keim aus Holland antreten. Sein Modell hatte im vorangegangenen Flug einen Totalschaden erlitten. Rumpf und Flügel waren praktisch in Einzelteile aufgelöst. In einer prachtvollen Teamleistung wurde das Modell unter der Leitung des holländischen TM's zusammengeflickt.

und dankbar für die Leistung des Engländers, konnte doch Ruedi so seine gute Leistung verbuchen. Im Speedflug dieses Tages erflog sich LeMon Payne eine neue Bestmarke mit 12,4 Sekunden. Sein Legion Air lässt überhaupt nicht vermuten, dass er solche Geschwindigkeiten verkraften kann. Sean Bannister konnte seinen 2. Gesamtrang behaupten. Sean flog ein reines Zweckmodell. Das Profil schien dem E 347 sehr ähnlich. Über alle Disziplinen konnte Sean Spitzenleistungen erbringen. Die Flügel sind relativ stark gepfeilt, dafür weist sein Modell praktisch keine V-Form auf. Der Rumpfvorderteil wurde, durch die Pfeilung bedingt, sehr kurz gehalten, dafür um so klobiger. Grosse Höhe der Kabine und viereckiger Aufbau kennzeichneten den Rumpf. Das Modell ist relativ schwer, wog es doch so um die 2,5 kg. Erstaunlich sind vor allem die guten Dauerflugeleistungen, die mit diesem Modell erflogen wurden. Hier muss bestimmt ein sehr grosser Könner hinter den Knüppeln stehen.



MODEL SPECIFICATIONS AND DATAS

Competitors Name

Gerhard Laederach

Registration

HB - TU 72

Model

A

RC-Equipment

Digi-fly 7

Frequency

27.195 MHz

Span

2.49 m

Aera

45.7 dm2

Aspect ratio

15

Weight

1250 g

Loading

27.4 g/dm2

Chord:mm

t root 195 mm Eppler mod
t tip 90 mm Eppler mod
tm 165 mm Eppler mod

ELEVATOR:

Type: all moving symmetrical
Aera: 4.6 dm2



MODEL SPECIFICATIONS AND DATAS

COMPETITORS NAME

Boutgordner Ruedi

REGISTRATION

HB - WL 43

MODEL

A

R C - EQUIPMENT

Simprop Contest

FREQUENCY

26.995 Mhz

chord:mm

t root 230 mm E.176
t aileron mm E.178
t tip 170 mm
tm 200 mm

span

2.96 m

aera

66.2 dm2

aspect ratio

14.8

weight

1700 g

loading

25.7 g/dm2

ELEVATOR:

type: V NACA 0009
aera: 7 dm2



MODEL SPECIFICATIONS AND DATAS

COMPETITORS NAME

Paul GASSMANN

REGISTRATION

HB - WH 42

MODEL

A

R C - EQUIPMENT

Digi-fly 7

FREQUENCY

27.045 MHz

troot

232 mm Eppler 387

taileron

mm Eppler 387

ttip

125 mm Eppler 387

tm

178.5mm

span

2900 mm

aera

59.76 dm2

aspect ratio

16.25

weight

1800 g

loading

30.12 g/dm2

ELEVATOR:

type: cross tail/ stabilizer
aera: 8 dm2



Samstag, 2. April

Der letzte WM-Tag war angebrochen, und zum letztenmal hiess es: Auf in den Kampf, denn wir hatten noch viel vor und wollten noch einige Ränge gutmachen. Das Formhoch unserer Piloten hielt weiterhin an, was ganz speziell unserem TM, Hansruedi, zu verdanken war. Er lief ebenfalls zu einer Top-Form auf und gab den Piloten Fluganweisungen wie ein Profi. Die guten Resultate von Freitag und vom Samstag waren zum grossen Teil ihm zu verdanken. Hansruedi setzte seine ganzen taktischen Fähigkeiten ein, und die Tagesrangliste sah dann so aus, wie wir sie uns schon während der ganzen WM nur erträumten. Wir konnten und wir mussten viel lernen zu Beginn der WM. Gestern und heute begann aber dies alles Früchte zu tragen. Ruedis Dauerflug vom Vortage wurde heute immer wieder über Lautsprecher lobend erwähnt. Der Speedflug zu Beginn des sechsten und letzten Durchganges war für unsere Piloten ein schöner Erfolg. Ruedi erflog sich 15,1 Sek. und Geri 17,7 Sek., lediglich Paul fiel mit seinen 19,5 Sek. etwas ab. Die Krönung aber erreichte uns beim Distanzflug.

Paul buchte 14 Runden, Ruedi 12 und Geri 11 Runden. Schon fast gewiss, wenn nicht die 1000 Pkt., so doch eine grosse Punktzahl verbuchen zu dürfen, erflog sich Skip Miller 15 Runden und Frik Roos sogar 19 Runden. Dank den sehr guten Dauerflugresultaten von Ruedi und Geri konnten sie sich aber auf den Plätzen 6 und 7 des Durchganges plazieren. Diese sehr guten Leistungen brachten dann Geri auf den 12. Gesamtrang und Ruedi auf den 14. Platz. Paul konnte sich auf dem 20. Gesamtrang klassieren. In der Mannschaftswertung konnten wir den 7. Platz halten. Die Müdigkeit machte sich während dieses letzten Tages allgemein immer mehr bemerkbar. Dazu kam die Nervosität. Die physischen wie auch die psychischen Anstrengungen dieser Woche waren sehr gross. Nur dadurch lässt sich erklären, dass Mattingly und O'Shea im Distanzflug beide Nuller kassierten durch ihre schlechten Hochstarte. LeMon Payne und auch Mike O'Reilly hatten Schnurrisse zu verzeichnen, und Friedhelm Schiborr verheizte sein Modell am Morgen früh im Speedflug bei der Wende. Pagliano kreuzte die Mittellinie im Speedflug. Von verschiedenen Seiten wurde uns kundgetan, dass es einfach mysteriös sei, warum die Schweizer nicht besser abgeschnitten hätten. Aber die Gründe sind bekannt und wir mussten lernen, und das Wichtigste, wir haben gelernt und haben versucht, das Gelernte in die Tat umzusetzen. Ohne zu übertreiben, dürfen wir sagen, dass uns dies auch gelungen ist.



Résumé:

Zu den Klassierungen der Schweizer möchte ich hier noch einige Zeilen anführen. Die Piloten, der TM und die Hochstartmannschaft haben ihr Bestes gegeben. In bezug auf das uns zur Verfügung gestandene Flugmaterial und in bezug auf das fliegerische Können sind wir Schweizer sicher richtig klassiert und eingestuft worden. Wir stellten uns zum Ziele, wenigstens in die erste Hälfte der Konkurrenten hineinzufliegen, und dies ist uns auch gelungen. Betrachtet man aber die prozentual zum Weltmeister erflogenen Leistungen, so sehen die Zahlen immerhin schon wesentlich besser aus.

Skip Miller erflog insgesamt 13 185 Pkt., was 100% entspricht; Gerhard 10 695 Pkt. (81,0%); Ruedi 10 523 Pkt. (79,8%); Paul 10 185 Pkt. (77,2%).

In der Mannschaftswertung sieht die Sache noch besser aus, erreichten wir doch mit unseren 31 367 Pkt. 88,2% der Leistung gegenüber den USA mit 35 579 Pkt.

Diese Ergebnisse sind ohne Zweifel als sehr gut zu bezeichnen. Immerhin klafft nicht eine unüberbrückbare Spalte zwischen der Weltelite und uns Schweizern. Die Elite ist sehr breit gestreut, und wir sind absolut in der Lage mitzuhalten.

Zu einem besseren Ergebnis fehlte neben den schon besprochenen Mängeln auch die Hochstarttechnik. Wir waren praktisch nie in der Lage, die gleichen Ausgangshöhen zu erreichen wie die anderen. Wir hatten aber auch mit einer Ausnahme keine Ausfälle zu verzeichnen, was uns sicher die Gelegenheit gab, mit einem sicheren Gefühl an die gestellten Aufgaben heranzugehen. Wesentliche Vorteile bringt hier ein klinkbarer Hochstarthaken. Wird das Modell durch eine Abwindzone hindurchgeschleppt, so ist der Pilot durch seitliches Ausbrechen mit dem Modell in der Lage, den Zug auf dem Seil aufrechtzuerhalten, und anschliessend kann die Hochstartmannschaft das Modell wieder auf die volle Höhe schleppen. Zudem wird der Start sicherer. Der Haken kann zurückgenommen werden, denn ein ausbrechendes Modell kann ohne Probleme wieder korrekt an die Schnur zurückgebracht werden. Durch ein Zurücksetzen des Hakens wird der zurückzulegende Weg des Hochstarters wesentlich kürzer. Wird das Modell auf dem Gipfel unter Zug von der Schnur geklinkt, so können bei genügender Routine bis zu 15 Meter Höhe gewonnen werden.

Anfänglich waren wir Schweizer die einzigen, die umgelenkt hochschleppten, und wir wurden ein wenig mitleidig belächelt. Aber mit zunehmenden Ausfällen entschieden sich auch grosse Könner auf diesem Gebiet, z. B. die Deutschen, zum umgelenkten Hochstart. Zuletzt möchte ich im Namen der RC-Segelflug-Nationalmannschaft unserem TM Hansruedi für seinen unermüdlichen Einsatz vor und während der WM herzlich danken. Er hatte uns viele Hindernisse aus dem Wege geräumt, so dass wir den Aufenthalt in Südafrika viel unbeschwerter geniessen konnten. Wir alle denken gerne an diese schöne Zeit zurück. Unsere neuen Freunde aus dem Springbock-Land gaben sich unendlich grosse Mühe, den Konkurrenten und den Supportern den Aufenthalt in Südafrika so angenehm, problemlos und gastfreundlich zu gestalten wie nur irgendwie möglich. Selbst kleine Probleme wurden so selbstverständlich behandelt wie die fast unlösbar scheinenden. Wir danken an dieser Stelle allen OK-Mitgliedern und allen ihren stillen Helfern recht herzlich. Ganz speziell danken möchten wir Mervin Brett, Pretoria, Alfred Langenegger, Johannesburg, und Benno Lüthi sowie unserem Teamkameraden Peter Aeberli, welche es uns ermöglichten, den Kontakt mit den Daheimgebliebenen aufrechtzuerhalten, um ihnen jeweils die neuesten Meldungen von den Geschehnissen der WM zukommen zu lassen.

Wir haben viele neue Freunde gewonnen und hoffen, viele von ihnen in zwei Jahren an der nächsten WM wiedersehen zu dürfen.




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